Bundestagswahl

Hann. Münden: Jürgen Trittin will für die Region in den Bundestag

Fühlt sich der Altstadt verbunden: Unser Bild zeigt Jürgen Trittin auf der historischen Werrabrücke in Hann. Münden.
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Fühlt sich der Altstadt verbunden: Unser Bild zeigt Jürgen Trittin auf der historischen Werrabrücke in Hann. Münden.

Jürgen Trittin gehört zu den Grünen-Politikern der ersten Stunde und hat Regierungserfahrung. Seine Erfahrung könnte für die Grünen Gold wert sein.

Hann. Münden – Jürgen Trittin will es noch einmal wissen. Mit 67 kandidiert er erneut für den Bundestag, dem er seit 1998 angehört. Der frühere Umweltminister und ehemalige Fraktionschef zählt zu den Grünen-Politikern der ersten Stunde, von denen nicht mehr viele auf der politischen Bühne aktiv sind.

Aber Trittin macht weiter. „Erstens, weil es mir Spaß macht, und zweitens, weil ich der Auffassung bin, dass 16 Jahre Opposition für die Grünen und dieses Land genug sind. Und wenn wir in diese Verantwortung gehen, gestaltende, wenn nicht führende Kraft einer solchen Regierung werden, dann muss es eine gute Mischung geben zwischen Aktivistinnen und Aktivisten, die von Fridays for Future zu uns gestoßen sind, bis zu denen, die es schon mal gemacht haben in einer Bundesregierung. Und diesen Teil Erfahrung kann ich gut einbringen.“

Trittin will an entscheidender Stelle dabei sein, wenn es darum geht, Deutschland klimaneutral umzubauen und das so, das es auch noch sozial gerecht zugeht. Die Einnahmen aus dem CO2-Preis sollen vollständig wieder an die Bürger als Energiegeld ausgezahlt werden. „Die Klimakrise ist die größte Herausforderung für unsere Gesellschaft“, sagt Trittin. „Wir müssen in den nächsten 10, 15 Jahren ungefähr doppelt so viel erneuerbaren Strom ans Netz bringen, wie wir das in den vergangenen 20 Jahren gemacht haben.“

Für Hann. Münden, wo es bislang keine Windräder gibt, schlägt er etwa vor, die durch Stürme, Trockenheit und Käferbefall entstandenen Brachflächen im Stadtwald nicht nur wieder aufzuforsten, sondern dort auch gleichzeitig Windräder zu errichten. Mit dem Stromerlös könne die Wiederaufforstung mitfinanziert werden. Allerdings sind die niedersächsischen Wälder für Windräder derzeit weitgehend tabu. Das gehöre zu den Regelungen, Verboten, Satzungen, die es gelte aufzuheben, sagt Trittin. Es müsse auch grundsätzlich möglich sein, auf einem Fachwerkhaus in der Mündener Altstadt eine Fotovoltaikanlage zu errichten. Es gebe historisch verantwortbar gute Lösungen. Das gehe nicht überall, aber man könne auch nicht generell sagen, bei Fachwerk sei das nicht möglich. Das müsse man sauber abwägen. Auch er sei nicht dafür, dass die historische Dächerlandschaft von Hann. Münden von Photovoltaikanlagen glitzere. Die Altstadt steht als Ensemble unter Denkmalschutz, für deren Erhalt sich auch Trittin einsetzt. Er ist seit einigen Jahren Mitglied der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt. Für das Foto an einem Lieblingsplatz in der Region hat er sich die historische Werra-Brücke ausgesucht, seit Jahrhunderten ein direkter Weg in das Herz der Altstadt. Als wir uns mit Trittin treffen, ist er gerade mit dem Fahrrad auf Wahlkampftour von Goslar nach Hildesheim, erkundet auch das Hinterland. „Tritt in die Pedale – mit Jürgen“ hieß das Motto. Im Altkreis Münden waren Dransfeld und Hann. Münden Stationen. Seit etwa zwei Jahren hat der passionierte Radler ein E-Bike und entdeckt selbst, wie praktisch es im Alltag sein kann. E-Bike statt Auto, so die Devise. Aber dafür müsse es auch die Infrastruktur und entsprechend breite Radwege geben. Auf seiner Tour habe er gute, aber auch schlechte Strecken gesehen.

Trittin hat kein Auto, fährt viel Bahn und eben E-Bike. Sieht er sich als Vorbild? „Nein ich bin kein Vorbild. Ich will auch als Politiker kein Vorbild sein. Das ist falsch. Es ist keine moralische Frage. Wir als demokratisch gewählte Volksvertreter haben die Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die Menschen sich vernünftig verhalten können. Wir haben nicht die Aufgabe, so zu tun, als wenn wir bessere Menschen wären.“ Einen Tipp zum Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl wollte Trittin nicht abgeben. Ziel sei es, so stark zu werden, dass niemand an den Grünen vorbeikommt. (Ekkehard Maass)

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