Gießbert Beuermann war vor 50 Jahren einer der ersten Mähdrescher-Fahrer – und erntet bis heute

Der Deutz drischt immer noch

Bei der Ernte: Gerhard Beuermann (vorne) mit seinen Enkelkindern, die ihn bei der Ernte gerne begleiten. Seine Maschine ist eine „Fahr M 1600“ der Marke Deutz. Foto: Mühlhausen

Mielenhausen. Am Anfang stand eine wirr erscheinende Idee im Jahr 1959 in einer Mielenhäuser Kneipe: „Einen Mähdrescher müsste man haben. Da könnte man sicher mit Geld verdienen“, hieß es. Gießbert Beuermann setzte diesen Gedanken kurze Zeit später um und ist der Maschine bis heute treu geblieben.

Der Mähdrescher war damals in der Region noch weitestgehend unbekannt. Nur in Dransfeld lief bereits ein Ferguson-Mähdrescher. Der Großteil des Getreides wurde noch von Hand gemäht, in Hocken aufgestellt und später in der gemeinschaftlichen Dreschmaschine ausgedroschen.

Einige wenige Betriebe besaßen damals bereits einen von Pferden gezogenen so genannten Flügelmäher und einen Selbstbinder, mit denen zumindest der erste Teil der Ernte mit weniger Handarbeit auskam. Alles in allem war die Getreideernte eine harte und staubige Angelegenheit.

Faszination Landtechnik

Gießbert Beuermann, damals gerade einmal 20 Jahre alt und gelernter Maurer, reizte die gerade einsetzende Mechanisierung. Landtechnik übte auf ihn eine große Faszination aus. Mit 50 Mark in der Tasche und dem Schedener Landmaschinenhändler Stähly als Bürgen überzeugte er im Jahr 1960 die Bank und kaufte für damals 22 000 Mark einen Bautz-Mähdrescher mit 2,25 Meter Schnittbreite und integrierter Strohpresse.

„Als ich begonnen und bei Mielenhausen den Roggen von Albert Stolte gedroschen habe, kamen 50 Leute aufs Feld, um sich den Drescher anzuschauen“, erinnert sich Beuermann. Sie waren begeistert, denn die Ernte mit dem Mähdrescher war schnell, günstig und bedeutete weniger Transporte als bisher. Kontinuierlich wuchs auch Beuermanns Druschfläche, der weiter als Maurer und später als Vertreter arbeitete und sich für die Ernte immer Urlaub nahm.

Drei Maschinen

Zwischen Bördel und Uschlag mähte er für viele Landwirte das Getreide, in der Spitze beerntete er im Jahr 1970 mit drei Mähdreschern 350 Hektar Getreidefläche. Dem ersten Bautz folgte ein Bautz Commodore, hinzu kam 1966 ein Claas SF und 1970 ein Bautz Titan - „Eine Traummaschine“, wie Beuermann noch heute schwärmt.

Auch ein Claas Matator Gigant verrichtete seinen Dienst bei Beuermann. Unterstützt wurde er beim Dreschen von Ulrich Tulowitzki aus Mielenhausen und Wilfried Sermond aus Scheden.

Im Acker versunken

Auch Unvorhergesehenes geschah: Einmal versank sein Titan im aufgeweichten Acker, einen Tag brauchte man für die Bergung der Maschine.

Im Jahr 1987 kaufte Beuermann gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Hartmut Meyer aus Barlissen einen Deutz Mähdrescher - übrigens der erste mit Kabine, die ihn vor dem permanenten Staub schützte.

Seit acht Jahren drischt Beuermann wieder mit seinem 31-jährigen Drescher „Fahr M 1600“ - allerdings nur noch seine eigenen 45 Hektar Getreide. Der Deuz verrichtet noch immer zuverlässig seinen Dienst. Ans Aufhören denkt der heute 71-Jährige nicht: „Wir machen so lange weiter, bis entweder ich oder der Mähdrescher nicht mehr kann.“

Von Christian Mühlhausen

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