Diebeszug durch Scheunen: Trio verurteilt

Staufenberg/Hann.Münden/Kaufungen. Das Amtsgericht Kassel hat einen Mann und zwei Frauen aus dem Landkreis Kassel wegen acht Einbrüchen zu Bewährungsstrafen verurteilt.

20 Jahre lebten die beiden jungen Frauen und ein 34-Jähriger Mann aus dem Landkreis Kassel strafrechtlich völlig unbescholten. Doch dann, zwischen März und Oktober vergangenen Jahres, startete das Trio in wechselnder Besetzung acht Einbrüche in einsame Scheunen und Reiterhöfe in Kaufungen, Landwehrhagen, Hann. Münden und Witzenhausen.

Sie stahlen Traktoren, Reitsättel und Elektrowerkzeuge im Gesamtwert von 70.000 Euro und vertickerten einen Teil davon auf Ebay. Zwei Traktoren wurden von polnischen Männern gekauft. Gestern wurde das voll geständige Trio vom Amtsgericht Kassel wegen gewerbsmäßigen Diebstahls zu Bewährungsstrafen verurteilt. Staatsanwältin Kerstin Nedwed und Richter Matthias Grund versuchten meist vergeblich, die Motive für die sich so unverhofft entladende kriminelle Energie zu erkunden.

Am Anfang stand wohl ein Zufall: Die mädchenhaft wirkende Angeklagte war mit dem 34-Jährigen - damals waren sie ein Paar - am Setzebach in Kaufungen unterwegs. Angeblich spontan stahlen sie einen Traktor für eine Spritztour. Später wurde der Trecker, der 8000 Euro wert war, für 800 Euro an einen Polen verkauft.

Offenbar waren die beiden auf den Geschmack gekommen.Vier Wochen später stahlen sie aus einem Container an der Reitanlage in Oberkaufungen vier Sättel im Wert von 6340 Euro, die für 600 Euro bei Ebay verkauft wurden. Beim Diebstahl eines Ackerschleppers von einem Aussiedlerhof in Landwehrhagen war dann auch die andere, gleichfalls sehr jugendlich wirkende 20-Jährige dabei. Dann folgten vier Taten in nur sechs Oktobertagen.

Wenig später allerdings kam auch schon die Polizei: Die später zum Duo gestoßene 20-Jährige hatte sich - von Reue geplagt - selbst bei der Polizei angezeigt.

„Es war so leicht und es ist ja immer gut gegangen“, versuchte sich der 34-Jährige in einer Erklärung. Und die Scheunen und Sattelkammern waren so gut wie ungesichert.

Richter Grund ließ das nicht gelten: Die Opfer hätten darauf vertraut, dass ihr Eigentum respektiert werde, sagte er.

Ein solche Serie und sich ständig steigernde Intensität kenne er sonst eigentlich nur aus der Organisierten Kriminaliät.

Trotzdem ließ er es wegen der bisherigen Unbescholtenheit der Trios bei einem Schuss vor den Bug bewenden: Der 34-Jährige schrammte mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren allerdings haarscharf am Gefängnis vorbei.

Seine Freundin und Komplizin erhielt eine Jugendstrafe, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Die zweite Angeklagte, die zur Polizei gegangen war, muss sich einem Sozialtraining unterziehen. Alle müssen zudem Arbeitsstunden leisten.

Von Thomas Stier

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