Verletzte Wildtiere

Abgemagerte Fledermaus: Mann aus Varlosen päppelt Wildtiere auf

Hans-Joachim Haberstock aus Varlosen hält eine  Waldohreule im Arm. Er pflegt verletzte Wildtiere.
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Hans-Joachim Haberstock aus Varlosen pflegt eine Waldohreule in der Hoffnung, dass sie sich gut erholt und wieder ausgewildert werden kann.

Hans-Joachim Haberstock aus Varlosen (Samtgemeinde Dransfeld) kümmert sich um verletzte und abgemagerte Fledermäuse. Aber auch Eulen finden bei ihm Hilfe.

Varlosen – „Kurioserweise habe ich bereits vor 20 Jahren aus dem Haus, hinter demselben Wasserrohr schon mal Zwergfledermäuse geholt“, erzählt Hans-Joachim Haberstock, der eine kleine Gruppe von fünf dieser nachtaktiven Tiere jetzt aufpäppelt. Während in dem Haus in Hedemünden ein Wasserrohrbruch behoben werden sollte, wurden die Fünf entdeckt und bei Haberstock angerufen.

Haberstock: Seit Jahren für Natur und Tier engagiert

Hans-Joachim Haberstock ist Erster Vorsitzender im Förderverein Bührener Schedetal Natur- und Artenschutz, Nabu-Schutzgebietsbetreuer für das Bührener Schedetal und Fledermausexperte. Bei ihm werden die Fundtiere in kleinen Gruppen untergebracht und lernen voneinander wie sie in der neuen „Behausung“ trinken und fressen können. Erst vor Kurzem, wurde eine weitere Zwergfledermaus aus der Hann. Mündener Innenstadt gebracht, die dort in ein Zimmer eingeflogen war.

Wöchentlich holt Haberstock sie in einen Raum mit Zimmertemperatur, damit sie aus ihrer Winterruhe aufwachen, trinken und ihre circa 20 Mehlwürmer verspeisen, um dann wieder in der Waschküche bei um die null Grad dem Frühling entgegenschlafen zu können. Um als Futter für die Fledermäuse zu dienen werden die Würmer vitaminreich gefüttert.

Diese Zwergfledermaus ist in Winterpflege bei Hans-Joachim Haberstock.

Viele Fledermäuse unterernährt

Die Fledermäuse, die Haberstock derzeit aufpäppelt, haben ein Gewicht zwischen dreieinhalb bis vier Gramm. Ein Gewicht von fünf Gramm ist das Ziel um dann wieder in die Freiheit entlassen zu werden. „Bevor ich sie raussetzen kann, kontrolliere ich, ob sie fit genug sind, um länger fliegen zu können“, so Haberstock. Leider stellt er seit längerer Zeit fest, dass viele Fund-Fledermäuse, die ihm gebracht werden, am unteren Gewichtslimit sind.

Zwergfledermäuse sind relativ leicht zu versorgen im Gegensatz zu Bartfledermäusen, die er auch regelmäßig zur Pflege bekommt. „Die sind zickig, wenn sie aufwachen. Dann sind sie erst mal nur am Quatschen und unterhalten sich sehr temperamentvoll. Über das Gequatsche vergessen sie erst einmal das Futter und Trinken“, erzählt Haberstock.

Entweder sind die Fledermäuse aktuell von den extremen Frosttemperaturen überrascht worden und suchen sich einen für sie erreichbaren Platz, was auch hin und wieder Gardinenfalten sind, erklärt Haberstock. Oder es liegt daran, dass sie aufgrund des Insektenschwunds nicht mehr ausreichend Nahrung finden, um gut genährt den Winter zu überstehen. Seit Anfang letzten Dezembers wird Haberstock immer wieder angerufen, um Fund- Fledermäuse abzuholen.

Aktuell hat er zwölf Fledermäuse die er bis in den März hinein versorgt. Dann werden sie in die Natur entlassen, wenn die Temperaturen stimmen.

Fledermäuse: Nützlich für den Menschen

Oft mögen Menschen die direkte Nähe von Fledermäusen nicht und so klingelt regelmäßig das Telefon. Viele Hauseigentümer wissen nicht, dass sie Fledermäuse beherbergen. Oft sitzen sie im Sommer unter dem Dachfirst und die Anwohner sind überrascht, wenn Haberstock sie entdeckt. „Oft entwickeln die Menschen nach einem klärenden Gespräch eine Akzeptanz, dass die Fledermäuse an dem Ort bleiben dürfen, denn schließlich fressen sie auch Stechmücken und sind so zu unserem Vorteil“, erzählt Haberstock. „Der Aufwand ist nicht die Pflege, die meiste Zeit brauche ich, um die Tiere aus dem Umkreis zwischen Reinhardshagen, Hann. Münden, Witzenhausen und Göttingen abzuholen oder eben für Beratungsgespräche. Aber das mache ich gerne“, so Haberstock. Sollten Fledermäuse gefunden werden, weist er darauf hin, dass diese, wenn, nur mit Handschuhen angefasst werden sollten. Zum einen können sie ziemlich fies beißen und auch Krankheiten durch den Biss übertragen.

Waldohreule ruht sich in Voliere aus

Hans-Joachim Haberstock hat auch einen weiteren Schützling. Eine Waldohreule ist in Varlosen am Abend gegen ein Fenster geflogen und lag flugunfähig am Boden. Die Bewohner hatten gegoogelt, wussten aber nicht, was sie mit der Eule tun sollten. Seither liegt sie in einem Körbchen in einer Zimmervoliere in Haberstocks Wohnzimmer. Um Stress zu vermeiden, ist die Voliere abgehängt. Am ersten Tag hat sie erst mal Wasser bekommen. Ihre Fänge waren verkrampft. Der Verdacht lag nahe, dass sie eine Rückenverletzung hat. „Aber seit gestern hat sie schon mal wieder die Fänge entkrampft und leicht geöffnet, ich habe Hoffnung“. Sie trinkt und frisst gut und wurde dem Tierarzt vorgestellt. (Margitta Hild)

Kontakt und Spenden

Hans-Joachim Haberstock, Tel. 0 55 02/35 49 und 01 51/54 83 89 52. Über Spenden für die Pflege der Wildtiere freut sich der Förderverein, IBAN: DE87 2605 0001 0056 0870 18

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