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Dransfeld: Ausschüsse geben Votum für Stolpersteine ab

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Von: Per Schröter

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Diese fünf vor der ehemaligen Synagoge in der Gerlandstraße verlegten Stolpersteine können schon bald vor die Häuser versetzt werden, in denen die betroffenen jüdischen Familien seinerzeit gelebt haben.
Diese fünf vor der ehemaligen Synagoge in der Gerlandstraße verlegten Stolpersteine können schon bald vor die Häuser versetzt werden, in denen die betroffenen jüdischen Familien seinerzeit gelebt haben. © Per Schröter

Zwei Ausschüsse stimmen für Aufhebung von Beschluss von 2012. Somit könnte eine Regel aufgehoben werden, bei der die Eigentümer von Häusern zustimmen müssen, vor denen Stolpersteine verlegt werden sollen. Final muss der Rat entscheiden.

Dransfeld – Das Verlegen von „Stolpersteinen“ in Erinnerung an jüdische Mitbürger, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden, hat in Dransfeld Tradition. Künftig soll es im öffentlichen Gehwegbereich ohne jede Einschränkung möglich sein. Einen entsprechenden Beschlussvorschlag fassten die Mitglieder der Ausschüsse für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) sowie für Jugend, Soziales und Tourismus (AJST) am Montag (16.05.2022) in einer eigens dafür einberufenen gemeinsamen Sitzung einstimmig.

Rat in Dransfeld beschloss vor 10 Jahren Regelung

Der Rat der Stand Dransfeld hatte vor zehn Jahren entschieden, dass Stolpersteine in allen Bereichen, die sich nicht im Privatbesitz befinden, auf Antrag gelegt werden dürfen, soweit die Nachfahren der Familien dem nicht widersprechen. Zudem war nach dem damaligen Beschluss ein Einverständnis der Eigentümer erforderlich, vor deren Wohnhaus Stolpersteine gelegt werden sollen.

Hintergrund der aktuellen Debatte war der Wunsch des „Bürgerforums 9. November“, noch in diesem Monat zwei neue Stolpersteine verlegen zu wollen und fünf bereits vorhandene Steine zu versetzen.

Diese fünf Steine waren vor der ehemaligen Synagoge in der Gerlandstraße verlegt worden, weil es gegen das Verlegen vor den damaligen Wohnhäusern der Familien Einspruch gegeben hatte. In diesem Zusammenhang hatte sich der Stadtrat schon 2015 mit der Thematik befasst, eine Änderung des bestehenden Beschlusses seinerzeit aber abgelehnt.

Befürchtungen hätten sich nicht bewahrheitet

„Bedenken wie Vandalismus oder die Angst vor Schmierereien an den betroffenen Häusern, die seinerzeit zu diesem Beschluss führten, haben sich seitdem nicht bewahrheitet“, sagte Günther Schwethelm (Bündnis 90/Die Grünen), der den Antrag in der letzten Ratssitzung eingebracht hatte.

Das sei auch der Grund, warum es aus seiner Sicht und aus Sicht des Bürgerforums keinen Anlass mehr gebe, Einverständnisse für das Verlegen von Stolpersteinen einzuholen und warum es an der Zeit sei, den damaligen Ratsbeschluss aufzuheben. Dass sich die Ratsmitglieder in ihrer Sitzung vor zwei Wochen noch nicht zu einer Entscheidung durchringen konnten, lag an dem Wunsch der Mehrheit, zuvor noch einmal die Öffentlichkeit zu diesem Thema anzuhören.

Rat der Stadt Dransfeld muss am Mittwoch (18.05.2022) abstimmen

Während Vertreter des Bürgerforums am Montag Gebrauch von dieser Möglichkeit machten und ihren Standpunkt darlegten, war nur ein betroffener Hauseigentümer anwesend. Dieser bedauerte zwar, dass man im Vorfeld von Seiten der Stadt nicht direkt auf ihn zugekommen sei und sprach sich grundsätzlich auch dagegen aus, sein „Veto-Recht“ generell zu kippen, verzichtete aber im gleichen Zug auch darauf.

Bürgermeister Jan-Thomas Geyer betonte dagegen, dass die Verwaltung versucht habe, mit den betroffenen Familien Kontakt aufzunehmen, jedoch keine Rückmeldung erhalten habe. „Daher bleibt uns jetzt auch gar keine andere Wahl, als den Beschluss von 2012 aufzuheben“, so Geyer. Die endgültige Entscheidung in der Sache trifft am heutigen Mittwoch (18.05.2022) der Rat in einer Sondersitzung. (Per Schröter)

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