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Margret und Albert Bunzendahl aus Meensen feiern ihre Eiserne Hochzeit

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Von: Christian Mühlhausen

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Seit 65 Jahren verheiratet: Margret und Albert Bunzendahl feiern heute ihre Eiserne Hochzeit.
Seit 65 Jahren verheiratet: Margret und Albert Bunzendahl feiern heute ihre Eiserne Hochzeit. © Christian Mühlhausen

Seit 65 Jahren sind Margret und Albert Bunzendahl aus Meensen (Samtgemeinde Dransfeld) verheiratet. Das wird nun, coronakonform, gefeiert.

Meensen - Das Jahr 1952. Roland Kaiser und Uli Hoeneß werden geboren, in Korea tobt Krieg, Deutschland tritt der Montanunion als Vorläufer der heutigen EU bei, Albert Schweitzer erhält den Friedensnobelpreis.

Deutschland lässt den schrecklichen Krieg und die Nachkriegsjahre allmählich hinter sich, die Normalität kehrt Stück für Stück zurück: Auf Weitemeyers Saal in Meensen wird wieder Kirmes gefeiert. Einer, der sich darauf besonders freut, ist Albert Bunzendahl. Wohl auch, weil seine Nachbarn ihm gesagt hatten, dass eine Verwandte aus dem Solling zur Kirmes nach Meensen käme, die solle er sich mal anschauen. Der 20-Jährige muss nicht lange schauen, schnell ist es um ihn geschehen. Er sieht die blonde Margret aus Vahle bei Uslar, sie tanzen vergnügt, sie hat es ihm angetan. Auch Margret hat ein Auge geworfen auf den groß gewachsenen, hübschen und selbstbewusst auftretenden Albert.

Meensen: Paar ist seit 65 Jahren verheiratet

Nach der Kirmes schreibt Bunzendahl, der in Goslar auf einem Seminar ist, seinem Schwarm eine Postkarte, quasi die „Anbandel-SMS“ von damals – und Margret schreibt prompt zurück. Aus dieser zarten Bande entwickelt sich eine Liebe, die bis heute andauert: Margret und Albert Bunzendahl begehen heute ihre Eiserne Hochzeit, sind seit 65 Jahren verheiratet. In Lippoldshausen feiern die beide heute ihr Jubiläum, Margret zudem heute ihren 90. Geburtstag.

Doch so einfach war der Start ins Liebesglück nicht. Nach dem Kennenlernen soll es noch fünf Jahre dauern, bis sie vor den Traualtar treten können. „Das war unsere Probezeit“, lacht Albert Bunzendahl heute. Damals aber war ihm nicht nach Lachen zumute. Denn er soll als Bauernsohn eine Tochter von einem großen Hof heiraten, doch Margret kommt von einem kleinen Betrieb mit wenigen Hektar Land und ein paar Kühen, die mit der Hand gemolken wurden.

Zeitreise: Margret und Albert Bunzendahl festlich auf ihrem Hochzeitsfoto. repro: christian mühlhausen
Zeitreise: Margret und Albert Bunzendahl festlich auf ihrem Hochzeitsfoto. (Repro) © Repro: Christian Mühlhausen

Auch ist sie dort nicht ganz entbehrlich, weil sie ihrem Vater helfen muss. Margrets Mutter war früh verstorben, ihre große Schwester bereits verlobt und vom Hof. Doch am Ende siegt die Liebe. In jeder freien Stunde schwingt sich Albert auf seine flotte 250er BMW und fährt von Meensen in den Solling. Mit Margret auf dem Sozius unternehmen sie kleine Ausflüge, kleine Auszeiten vom Alltag und der harten Arbeit auf dem Hof. Sie verloben sich heimlich, am 9. März 1957 dann die Hochzeit.

Viel Arbeit auf dem Bauernhof

Albert übernimmt in Meensen den elterlichen Hof mit damals 32 Hektar, zehn Kühen und Schweinehaltung. Die beiden Söhne Henning und Eugen kommen zur Welt. 1967 wird ein neues Bauernhaus gebaut, das alte anschließend abgerissen. Die Landwirtschaft mit ihrer vielen Arbeit bestimmt das Leben der beiden. Er auf dem Acker, sie im Stall bei den Tieren. Ab 1970 wird als einer der ersten Höfe in der Region „Urlaub auf dem Bauernhof“ angeboten, über 20 Jahre belegen vor allem in den Sommermonaten zeitgleich bis zu 18 Gäste aus Hamburg, Berlin und Bremen das Haus, zu einigen der Gäste habe man noch heute Kontakt. „Das war gutes Geld, aber auch viel Arbeit, vor allem für Margret“, erinnert sich Albert und legt wertschätzend seine Hand auf ihre Schulter. In der Früh musste gemolken und das Vieh versorgt, dann für die Gäste das Frühstück serviert werden. Anschließend wurden die Zimmer gemacht. Abends das gleiche: Erst die Stallarbeit, dann Abendbrot machen. 

Die Arbeit, der Hof, die Familie – das alles habe sie zusammengeschweißt, sagen sie heute über einen der Gründe ihrer jahrzehntelang währenden Beziehung. „Aber es waren nicht immer nur Rosenjahre, wir haben uns auch gezankt“, sagt Margret. Wichtig sei, dass man wisse, wo man hingehöre und sich auch wieder vertrage. In jedem Satz der beiden Jubilare schwingt wie selbstverständlich die Gleichberechtigung, die gegenseitige Wertschätzung füreinander mit: Wir brauchen uns, der eine kann nicht ohne den anderen.

Damenrunde mit den „Cognac-Schwestern“

Die Berufsjahre seien entbehrungsreich, mit viel Arbeit gewesen, aber es wurde auch viel gefeiert - auf der Kirmes, auf Geburtstagen, in den Häusern der Nachbarn, er zudem auf der Jagd, sie mit ihrer Damenrunde, den „Cognac-Schwestern“. Als Bunzendahl schließlich vor 25 Jahren den Hof als reinen Ackerbaubetrieb ohne Tiere an Sohn Henning übergibt, bleibt auch endlich Zeit für Urlaub. Vor allem nach Bayern, aber auch drei größere Schiffsreisen, eine davon sogar in die USA. Heute lassen sie es ruhiger angehen, nach einem leichten Schlaganfall fällt Margret das Laufen deutlich schwerer, ihr Mann Albert hat mittlerweile seine fünfte Hüfte. Für ihre 90 Jahre sind sie aber beide körperlich und geistig erstaunlich fit, offen und am Weltgeschehen interessiert. Das Einkaufen übernehmen die Kinder, den Haushalt aber machen sie eigenständig gemeinsam: Er schält Kartoffeln, sie kocht. Sie wäscht die Wäsche, er hängt sie auf. „Wir brauchen uns und unterstützen uns, wo es geht“, sagt Albert und blickt dankbar auf 65 Ehejahre mit seiner Margret zurück. (Christian Mühlhausen)

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