Namensänderung

Debatte: Soll Dransfelder Straße an NS-Opfer erinnern?

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Die Heinrich-Sohnrey-Straße in Dransfeld: Geht es nach der Linken, wird die Straße umbenannt, wie es in anderen Orten bereits geschehen ist.

Dransfeld. Bisher erinnert die Heinrich-Sohnrey-Straße in Dransfeld an einen ehemaligen Nationalsozialisten. Die Linke im Rat der Stadt will die Straße nun umbenennen. 

Die Fraktion beantragte in der jüngsten Sitzung des Dransfelder Stadtrates eine Änderung in Erwin-Proskauer-Straße, um damit einen aus Dransfeld stammenden und von Nazis ermordeten Juden sichtbar zu machen. Damit bringt Ulrich Maschke einen alten Vorschlag der Linken aus dem Jahr 2014 wieder nach vorn, aus aktuellem Anlass: Man würde so auch ein Zeichen in Richtung der Rechtsradikalen setzen, die in jüngster Zeit wiederholt nach Dransfeld gekommen waren.

Der Stadtrat entschied einstimmig, dass dieser Antrag zunächst im Fachausschuss, dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) besprochen werden soll.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Straße in Dransfeld den Namen des als Lehrer, Heimatdichter und Sozialreformer bekannten Heinrich Sohnrey, in Jühnde geboren, erhalten. Mittlerweile belegten Forschungsergebnisse jedoch, dass man das Leben und Werk Sohnreys, besonders durch seine Rolle ab 1933, anders bewerten müsse, heißt es in der Begründung des Antrags von Ulrich Maschke.

Historische Untersuchung

Maschke verweist auf die Ergebnisse des Historikers Prof. Dr. Dirk Schumann, der im Auftrag der Universität Göttingen auch Sohnreys Biografie genauer betrachtet hatte. Schumann untersuchte die Vergangenheit von neun „Ehrenbürgern“ und 26 „Ehrendoktoren“ der Göttinger Universität im Hinblick auf deren Beziehung zu den Nationalsozialisten.

Mit dem Tod Sohnreys erlosch auch dessen Ehrenbürgerwürde an der Universität. Dr. Schumann empfahl der Uni dennoch, sich von Sohnrey zu distanzieren - was diese inzwischen auch getan hat.

Zuvor hatte Professor Frank Möbus auf die Geisteshaltung Sohnreys aufmerksam gemacht. Der Sollingverein Uslar hingegen sieht in dieser keinen nationalsozialistischen Hintergrund, sondern bewertet Heinrich Sohnrey als Kind seiner Zeit, als einen „Mann des deutschen Kaiserreiches“. 

Gerd Busse lässt in seinem Buch „Zwischen Hütte und Schloss“ (2009, Verlag Jörg Mitzkat) das Kapitel Nationalsozialismus und Sohnrey ebenfalls nicht aus: Er spricht Sohnrey nicht frei, versucht aber, dessen Zusammenarbeit mit den Nazis nachvollziehbar zu machen.

Im Zuge der Debatte sind bereits Straßen in der Region, die Sohnreys Namen trugen, umbenannt worden.

Reaktionen andernorts

In Göttingen, beispielsweise, heißt die Straße nun Else-Bräutigam-Straße, in Hann. Münden wurde sie zur Quantzstraße. Außerdem erhielt die „Heinrich-Sohnrey-Realschule“ in Hann. Münden den unverfänglichen Namen „Drei-Flüsse-Realschule“.

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