Hinweis unters Straßenschild

Sohnrey-Straße in Dransfeld: Ausschuss empfiehlt Zusatzinfo

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Heinrich-Sohnrey-Straße in Dransfeld: Der Stadtentwicklungsausschuss empfiehlt, das Straßenschild mit einer Zusatzinformation zu versehen, die auf Sohnreys nationalsozialistische Tendenzen hinweist. 

Dransfeld. Die Heinrich-Sohnrey-Straße in Dransfeld soll keinen neuen Namen bekommen. Das empfehlen die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU).

Die Abstimmung in der Sitzung am Montag war einstimmig. Den Antrag zur Umbenennung der Straße im Stadtrat eingebracht hatte schon vor zwei Jahren Ulrich Maschke (Die Linke). „Es ist keine Zier für eine Gemeinde, den Namen eines Nationalsozialisten als Straßennamen zu führen und ihn damit zu ehren“, hatte er seine Forderung seinerzeit begründet. Nachdem der Antrag zunächst in den ASU verwiesen worden war, hatte dieser sich Anfang 2017 bereits mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Wegen der Bedeutung der Straße und der großen Zahl der Anwohner (die Heinrich-Sohnrey-Straße ist die längste Straße Dransfelds) hatte Bürgermeister Carsten Rehbein (SPD) jedoch eine Bürgerversammlung initiiert, die nun im September in der Stadthalle stattfand und bei der mehrere Experten das Leben und Wirken Heinrich Sohnreys beleuchteten (die HNA berichtete).

„Aus dem Tenor dieser Bürgerversammlung habe ich mitgenommen, dass eine Änderung des Straßennamens nicht zwingend erforderlich ist“, sagte Rehbein. Es sei allerdings klar geworden, dass der seit Jahren umstrittene Heimatdichter und Sozialreformer Heinrich Sohnrey „Gutes, aber auch weniger Gutes“ gemacht habe. „Deshalb sollte ein Zusatzschild am Straßenschild angebracht werden, das auf die negative Seite des Wirkens von Sohnrey hinweist“, formulierte Rehbein einen neuen Antrag. „Das sieht die SPD-Fraktion so und das hat auch die Bevölkerung so breit geäußert.“ 

Auch, wenn Ulrich Maschke seinen eigenen Antrag wegen Abwesenheit nicht selbst verteidigen konnte, fand er wie schon vor zwei Jahren in Günther Schwethelm (Die Grünen) einen glühenden Mitstreiter. „Ich finde diese Rumeierei traurig“, sagte Schwethelm, der als beratendes Ausschussmitglied im ASU selbst nicht stimmberechtigt ist. „Wir sollten in der heutigen Zeit ein Zeichen setzen, dass wir so etwas nicht akzeptieren und dass es eine Schande für Dransfeld ist, wenn die längste Straße nach so einem Menschen benannt ist.“ Er stellte selbst den Antrag, die Straße in „Jühnder Straße“ umzubenennen und die Anlieger bei eventuellen Kosten, die für sie durch die Umbenennung entstehen, zu unterstützen.

„Ein Zusatzschild trägt dazu bei, dass man sich mit der Geschichte von Heinrich Sohnrey auseinandersetzt“, bekräftigte Carsten Rehbein noch einmal seinen eigenen Antrag, nachdem Andreas Kulle (CDU) bereits die Zustimmung seiner Fraktion dazu signalisiert hatte. Bei der abschließenden Abstimmung wurden die Anträge der Linken (fünfmal nein, zwei Enthaltungen) und der Grünen (zweimal ja, fünfmal nein) abgelehnt. Der SPD-Antrag wurde mit fünf Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen angenommen und muss nun noch vom Stadtrat bestätigt werden. Der tagt bereits am morgigen Donnerstag, 18 Uhr, in der Stadthalle. 

Hintergrund

Nachdem die Sohnreystraße in Bovenden bereits vor einigen Jahren ein Zusatzschild bekommen hatte, soll das Schild in Dransfeld denselben Text erhalten. Dieser lautet: „Heinrich Sohnrey (1859-1948), in Jühnde geborener Schriftsteller und konservativer Sozialreformer, erwarb sich Verdienste um die Verbesserung der Lebensverhältnisse auf dem Land und die Pflege ländlichen Brauchtums. Seine fremdenfeindlichen und rassistischen Überzeugungen, von denen er auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht abrückte, ließen ihn jedoch auch zum Unterstützer des nationalsozialistischen Regimes werden. Eine Gesamtbewertung muss deshalb zwiespältig ausfallen.“

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