Unendliches Leid der Opfer: Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht

Erinnerung in Dransfeld an die Pogromnacht: Horst Pinne (links) und Harald Jüttner an der ehemaligen Synagoge. Foto:  Siebert

Hann. Münden/Dransfeld. Erinnerungen in Hann.Münden und Dransfeld an die jüdischen Mitbürger, die von den Nationalsozialisten vertrieben und getötet wurden.

Der Mündener Stadtarchivar Stefan Schäfer und die junge Studentin Sarah Schnieder ließen am Sonntag in der Rathaushalle in Erinnerung an die Pogromnacht 1938 am Beispiel der Mündener Familie Proskauer das Leid der jüdischen Mitbürger Revue passieren. Eine Geschichte, wie sie viele jüdische Mitbürger durch die Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten der Nationalsozialisten erleben mussten. Denunziert, in den Freitod gezwungen, ermordet, deportiert und umgekommen. So beschrieb Schäfer das Schicksal der Proskauers.

Mündens Bürgermeister Harald Wegener hatte zuvor die Pogromnacht im November 1938 als Schicksalstag der deutschen Geschichte bezeichnet, einen Tag der Schande genannt.

In Werra getrieben 

Schäfer und Schnieder gingen nicht nur auf die Familie Proskauer und die Ermordung von Erwin Proskauer ein, der im Oktober 1939 von Schlägern in die Werra getrieben wurde und dort ertrank (HNA berichtete).

Schäfer sagte auch, es sei bestürzend für ihn, „dass jüdische Geschichte und jüdisches Leben immer noch, oder gerade wieder, nur unter Polizeischutz in Deutschland stattfinden kann“. Am Ende des Gedenkens, vom Verein Erinnerung und Mahnung, dem Geschichtsverein Sydekum und dem Arbeitergeschichtsverein organisiert, wurden die Namen jüdischer Mitbürger verlesen und danach in Gedenken an die Opfer Steine auf die Stele neben dem Rathaus gelegt.

Das war auch an der ehemaligen Synagoge in Dransfeld der Fall. In Erinnerung an das Schicksal von Frauen, Männern und Kindern jüdischen Glaubens aus Dransfeld versammelten sich Menschen aus der Stadt. Mitglieder des Dransfelder „Bürgerforums 9. November“ haben die Feierstunde gestaltet. In einer Ansprache erinnerte Ernst Achilles-Wengel, der Vorsitzende des Bürgerforums, an die Menschen jüdischen Glaubens, die Flucht oder den Freitod wählten, weil sie den Druck, der auf sie ausgeübt wurde, nicht mehr aushalten konnten. Drei Frauen des Forums schilderten das Leben der jüdischen Familie Dannenberg. So beispielsweise erinnerte sich die Tochter der Familie noch gut daran, dass die jüdischen Kinder nicht die Schultoilette benutzen durften. Es waren grausame Demütigungen und Beleidigungen, die die Familie und viele andere auch aushalten mussten.

Kranz niedergelegt 

Gast war Harald Jüttner, der ehemalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Göttingen. „Es ist immer sehr bewegend, nach Dransfeld zu kommen, dass man in mir einen Menschen sieht, der für sie da ist“, sagte Jüttner. Er und Horst Pinne vom Bürgerforum 9. November legten jeweils einen Kranz vor der Synagoge nieder.

(awe/zpy)

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