Waldarbeiter auf vier Hufen: Rückepferde helfen bei der Holzernte

Kraftpaket mit kleinem Wendekreis: Rückepferd Nanuk arbeitet auf Zuruf von Kerstin Wipke, die mit der dünnen Leine nur minimal ihre Worte unterstützen braucht. Foto: Sangerhausen

Adelebsen/Ossenfeld. Nanuk merkt selbst, wenn hinter ihm was hakt, bleibt stehen und schaut sich um: Das siebeneinhalb Jahre alte Rückepferd kennt seinen Job.

Auf Zuruf von Kerstin Wipke zieht das rheinisch-deutsche Kaltblut Baumstämme so dicht an die nächste Rückegasse heran, dass die Forstmaschine, die das Holz später abholt, hingreifen kann.

Kerstin Wipke hatte mit ihren Pferden in diesen Tagen in der Revierförsterei Adelebsen zu tun: Im Naturschutzgebiet Ossenberg-Fehrenbusch, zwischen Barterode, Ossenfeld, Dransfeld und Güntersen halfen Mensch und Pferd umweltschonend bei der Holzernte.

RÜCKSICHT AUF NATUR

Es war das erste Mal, dass in seinem Revier in den Niedersächsischen Landesforsten Rückepferde zum Einsatz kamen, sagt Förster Ralf Krannich. Normalerweise werden Rückegassen - also die Streifen, auf denen Forstmaschinen zur Holzernte fahren dürfen - alle 20 Meter angelegt. Im Naturschutzgebiet legt man sie aber mit einem Mindestabstand von 40 Metern an. Harvester, die großen Holz-Erntemaschinen, können dort also nicht eingesetzt werden, erläutert Förster Krannich: Diese Maschinen könnten so nicht an alle Bäume herankommen. Daher fällten Forstwirte die Bäume, die Rückepferde ziehen die Stämme dann an die Gassen heran.

Das wird vorher mit dem Fahrzeugführer genau besprochen: Wie weit kann die Spezialmaschine ausholen? Wo und wie müssen die Stämme liegen? Und umgekehrt wird geklärt: Wie lang dürfen die Stämme sein, damit das Pferd sie problemlos ziehen kann? Dabei geht es nicht nur ums Gewicht, die Länge kann ein Problem werden: Müssen die Stämme gedreht werden, besteht die Gefahr, dass sie dabei stehende Bäume streifen und beschädigen. So muss mit manchen Stämmen mehrfach rangiert werden, gut, dass dabei so ein Pferd wesentlich wendiger ist als jedes Fahrzeug und auch sehr geländegängig.

HOBBY ZUM BERUF

Kerstin Wipke aus dem hessischen Habichtswald-Ehlen und ihre Pferde sind Exoten, es gibt nur wenige, die noch beruflich mit Pferden Holz rücken.

Seit vier Jahren ist sie Holzrückerin, dabei sollte das Ganze ursprünglich nur ein Hobby sein, „ein Ausgleich samstags für die Schreibtischarbeit“, sagt sie. Die ausgebildete Försterin hat 14 Jahre in der Forstverwaltung gearbeitet. Mit Rückepferden kam sie dabei nur im ersten Ausbildungsjahr in Kontakt, habe aber ihre Kindheit „auf dem Pferderücken“ verbracht, wie sie sagt. Nachdem sie mit ihrem Hobby Holzrücken begann, kamen aber so viele Anfragen, dass sie irgendwann das Hobby zum Beruf machte. Einsatzorte, die sie mit dem Auto in einer Stunde erreichen kann, macht sie als Tagestour, wenn es weiter weg geht, „dann auch mit Übernachtung“. (tns)

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