Windrad gegen Eiswurfgefahr nachgerüstet

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Warnschild: Verkehrsteilnehmer werden am Rande der Windenergieanlage auf die mögliche Gefahr hingewiesen. 

Dransfeld. Rund drei Monate nach der Inbetriebnahme der neuen Windkraftanlage zwischen Dransfeld und Imbsen war es dort im Dezember zu einem Zwischenfall gekommen: Nach einem plötzlichen Kälteeinbruch waren Eisstücke von den gewaltigen Rotorblättern der knapp 150 Meter hohen Anlage gefallen.

Einige dieser Stücke waren auf der 170 Meter entfernt gelegenen Landesstraße 559 gelandet, die daraufhin vorsorglich gesperrt wurde.

Es hatte sich damals nicht um massive Eisplatten, sondern um etwa handtellergroße Eisstücke gehandelt, die hinabtrudelten und, da sie relativ leicht waren, vom Wind weit getragen werden konnten

Die Verantwortlichen des Anlagenbetreibers, der Bürgerwind-Gesellschaft Windkraft Solling-Vorland GmbH mit Sitz in Adelebsen, wollten sich zu dem Vorfall nicht äußern.

Stattdessen gab jetzt der Landreis Göttingen, der den Bau der Windenergieanlage (WEA) genehmigt hatte, auf HNA-Anfrage eine schriftliche Stellungnahme ab:

Ist die Verhinderung von Eisschlag Teil der Genehmigung einer Windenergieanlage?

Normalerweise fordert die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr bei Anlangen dieser Höhe einen Abstand von knapp 400 Metern zu Verkehrswegen, um die Gefahren von Eiswurf auf den Verkehr auszuschließen.

Falls eine WEA in einem geringeren Abstand errichtet werden soll, muss durch ein Gutachten nachgewiesen werden, dass keine Risiken durch Eiswurf bestehen. Da in diesem Fall die WEA deutlich näher an der Straße steht, enthält die von der Landesbehörde erteilte Genehmigung Nebenbestimmungen. Danach wurde der Einbau eines Systems vorgeschrieben, das Eisansatz erkennt, die WEA zum Stillstand bringt und die Rotorblätter parallel zur Straße dreht.

Die Rotorblattheizung bringt dann das Eis zum Schmelzen, wodurch Eisstücke fernab der Straße von der WEA herabfallen können.

War der Landkreis in die Untersuchung und Aufarbeitung des Vorfalls einbezogen?

Ja. Es wurden Berichte vom Antragsteller sowie vom Anlagenhersteller zum Hergang erstellt.

Der Vorfall ereignete sich demnach nicht im Regelbetrieb der WEA. Ein Team der Herstellerfirma Enercon war vor Ort und die Anlage stand still. Im Regelbetrieb ist die Eisansatzerkennung aktiv und ein solcher Vorfall dürfte sich nicht ereignen.

Wurden Maßnahmen angeordnet, um einen solchen Vorfall künftig auszuschließen?

Die vom Antragsteller und von Enercon beschriebenen Maßnahmen wie der Einbau eines empfindlicheren Sensorsystems, das zusätzlich auch bei Stillstand der Anlage aktiv ist und wesentlich früher bei entsprechenden Witterungsbedingungen reagiert, sollen das Risiko von Gefahren durch Eiswurf noch weiter minimieren.

Eisansatz soll damit möglichst ausgeschlossen werden. Die Anlage zwischen Dransfeld und Imbsen wurde dementsprechend nachgerüstet.

Zukünftig will der Landkreis gleich vorsorgen und den Einbau dieses empfindlicheren Sensorsystems in allen relevanten Genehmigungsverfahren fordern, heißt es in der Antwort weiter. 

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