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Streit um Hemo-Mohr-Gelände in Scheden geht weiter - „Schlicht und ergreifend illegal“

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Von: Per Schröter

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Obwohl auf dem ehemaligen Hemo-Mohr-Gelände in Scheden laut bestehendem Flächennutzungsplan gewerbliche Aktivitäten untersagt sind, wurde es an ein Unternehmen vermietet, das dort Teile für die Stromtrasse Wahle-Mecklar montieren will.
Obwohl auf dem ehemaligen Hemo-Mohr-Gelände in Scheden laut bestehendem Flächennutzungsplan gewerbliche Aktivitäten untersagt sind, wurde es an ein Unternehmen vermietet, das dort Teile für die Stromtrasse Wahle-Mecklar montieren will. © Per Schröter

Der Streit um Hemo-Mohr-Gelände in Scheden geht weiter. Es sollen dort wohl Teile für die Stromtrasse Wahle-Mecklar gebaut werden. Die Anwohner laufen Sturm.

Scheden – Das ehemalige Hemo-Mohr-Gelände in Scheden sorgt wieder für Zündstoff. Nachdem dort in der Vergangenheit bereits mehrmals gewerbliche Aktivitäten stattgefunden hatten, die nach dem geltenden Flächennutzungsplan unzulässig sind, hat der Eigentümer das Gelände jetzt an ein Unternehmen vermietet, das dort Teile für die geplante Stromtrasse Wahle-Mecklar montieren und von dort zu den Strommast-Baustellen liefern will.

Scheden: Anwohner fürchten Lärm auf Hemo-Mohr-Gelände

Nachdem vor nunmehr zehn Jahren die riesigen gelben Silotürme auf dem ehemaligen Hemo-Mohr-Gelände abgerissen und der Schutt beseitigt worden war, dauerte es nicht lange, bis einige Anwohner zum ersten Mal auf die Barrikaden gingen. Der neue Eigentümer des Geländes, ein Bauunternehmer aus dem Niemetal, hatte alte Betonteile dorthin anliefern und mit einem Steinbrecher zerkleinern lassen. Wegen der Ruhestörung hatten die Anwohner das Gewerbeaufsichtsamt eingeschaltet, dass die Aktivitäten dann unterband.

Nachdem es auf dem rund 60 000 Quadratmeter großen Grundstück lange ruhig geworden war, rückten im November 2020 Bagger an und es wurden Erdarbeiten vorgenommen. Anschließend wurden auf dem Gelände Lkw-Auflieger mit Containern abgestellt. Erneut wendeten sich die Anwohner (diesmal in Kooperation mit der Gemeinde Scheden) an die zuständigen Behörden und erneut wurde dem gewerblichen Treiben ein Riegel vorgeschoben.

Als nun im März dieses Jahres Schwerlasttransporter anrollten, Flächen mit Beton versiegelt und zwei Hallen sowie ein zweistöckiger Bürocontainer aufgestellt wurden und überdies durch den Wasserverband Peine auch noch eine Wasserleitung auf das Gelände gelegt wurden, war die Aufregung wieder groß.

Gemeinde Scheden und Anwohner wenden sich an Behörden

Nachdem sich auch die Gemeinde wieder eingeschaltet und ein Bürgergespräch mit allen Beteiligten organisiert hatte, steht inzwischen fest, dass die Firma plant, das Gelände für rund eineinhalb Jahre zu nutzen und alle Bauten dann wieder zu entfernen. Genutzt werden soll das Gelände nicht nur für die Vormontage von großen Strommastteilen, sondern auch für die Bauleitung und als Basis für die rund 60 eingesetzten Monteure. „Was da passiert, ist schlicht und ergreifend illegal“, heißt es vonseiten der Anwohner. Man mache sich nicht nur Sorgen um den Lärm, der durch die Arbeiten entstehe. Es gehe auch um die vielen an- und abfahrenden Lkw, die die Straße beschädigen könnten, was dann auf Kosten der Anwohner wieder repariert werden müsse. Das Wichtigste aber sei die Gefahr für die vielen Kinder, die an der Bahnhofstraße und in den Nebenstraßen wohnen und die diese für den Schulweg nutzen. „Man sieht ja jetzt schon, dass sich viele Lkw-Fahrer nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h halten“, so ein Anwohner-Sprecher, der namentlich nicht genannt werden will.

Die Mehrheit der Anwohner spricht sich deshalb jetzt für eine neuerliche Nutzungsuntersagung durch den Landkreis aus, bringt aber gleichzeitig eine neue Idee ins Spiel. „Der Eigentümer könnte die Fläche doch für Fotovoltaik nutzen“, schlägt der Sprecher vor. Damit gebe es eine ebenso sinnvolle wie lukrative Nutzung und es gebe dafür definitiv auch die Zustimmung aller Schedener. (Per Schröter)

Das sagt die Gemeinde Scheden

„Es ist nicht gut, wie das alles gelaufen ist“, sagt Schedens Bürgermeister Karsten Beuermann. Er könne nicht nachvollziehen, wie der Besitzer das Hemo-Mohr-Gelände einfach an ein Unternehmen vermieten konnte, obwohl er genau wusste, dass dort keine gewerblichen Aktivitäten erlaubt sind. „Unser Problem ist jedoch, dass die Zuständigkeit in solchen Fällen nicht bei uns, sondern beim Bauamt des Landkreises liegt und uns deshalb die Hände gebunden sind“, sagt Beuermann. Allerdings habe man auch vonseiten der Gemeinde frühzeitig den Kontakt zur zuständigen Behörde gesucht und stehe in ständigem Kontakt mit ihr. „Wir müssen jetzt abwarten, wie die ganze Angelegenheit vom Landkreis bewertet wird“, sagt der Bürgermeister. Wenn man dort zu dem Ergebnis komme, dass die Aktivitäten zulässig sind, müsse man das akzeptieren. „Fest steht aber, dass wir mit dem Eigentümer weiter das Gespräch suchen werden“, so Beuermann. (Per Schröter)

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