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Vorerntegespräch der VR-Bank in Südniedersachsen: Krisen belasten Landwirte

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Von: Christian Mühlhausen

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Die Ernte: Unser Bild zeigt einen Claas Lexion 620 Mähdrescher. Trockenheit setzt den Landwirten zu.
Die Ernte: Unser Bild zeigt einen Claas Lexion 620 Mähdrescher. Trockenheit setzt den Landwirten zu. © Christian Mühlhausen

Wassermangel, Krieg und steigende Preise. Alles Krisen, die sich auf die Landwirtschaft in Südniedersachsen auswirkt. Das kam beim Vorerntegespräch der VR-Bank in Südniedersachsen in Dransfeld zur Sprache.

Dransfeld – Wassermangel, Probleme bei den Lieferketten und steigende Preise. „Die Aussichten sind nicht schön“, sagte Jens Ripke, Vorstandsmitglied der VR-Bank in Südniedersachsen, beim traditionellen Vorerntegespräch der Bank in der voll besetzten Stadthalle in Dransfeld. Er sprach vor etwa 150 Landwirten aus der Region von einer „Omnikrise“ oder „Schachtelkrise“. Jede dieser Krisen habe Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Inflation, Zinsanstieg, „Stagflation“ (aktuell geringes Wirtschaftswachstum bei hoher Inflation), verlangsamtes Wirtschaftswachstum, eine drohende Rezession vor allem bei einem künftigen Gaslieferstopp.

„Omnikrise“ oder „Schachtelkrise“ für Landwirte in Südniedersachsen

Sebastian Lindtner, Leitung Bereich Absatz der VR-Bank, erwähnte die stark schwankenden Tagespreise bei Raps und Getreide, das werde sich auch durch die Ernte durchziehen. Er empfahl daher den Landwirten, zuvor Kontrakte zu machen, um aufgrund der Preisschwankungen unliebsame Überraschungen bei der Warenanlieferung zu vermeiden. Lindtner skizzierte die weltweiten Aussichten für die wichtigsten Ackerkulturen – Weizen, Ölsaaten und Mais –, für Deutschland werde demnach bislang eine durchschnittliche Getreideernte erwartet. Die ausgebliebenen Niederschläge hätten auch die den eigentlich gut über den Winter gekommenen Ackerkulturen gebietsweise stark zugesetzt, so Lindtner, sodass es bundesweit gesehen wohl keine sehr gute Ernte werde in diesem Jahr. Europa- wie weltweit seien Ernteausfälle durch Trockenheiten feststellbar, der deutlich größere Hebel auf die Marktpreise sei aber der Krieg in der Ukraine.

Sein Fazit: „Die Volatilität im Markt ist groß wie nie“, die Auswirkungen des Konfliktes werde die Branche mindestens bis zur Ernte 2023 beschäftigen. Die VR-Bank biete den Landwirten bei den wichtigsten Ackerkulturen eine Vermarktung zum Tagespreis, über Vorverträge sowie zur Einlagerung für einen späteren Verkauf an. Als aktuellen Tagespreis nannte Lindtner 355 Euro für die Tonne B-Weizen, 310 Euro für die Tonne Weizen und 720 Euro für die Tonne Raps.

Hitzewelle schädigt Getreide in Südniedersachsen

Die Hitzewelle der vergangenen Tage hat zumindest auf den etwas schlechteren Ackerstandorten der Region das Getreide rasch abreifen lassen – besonders dort fehlte zuletzt auch das Wasser für eine vernünftige Kornausbildung in den Getreideähren. Die Landwirte stehen mit ihren Mähdreschern in den Startlöchern, um demnächst mit der Ernte der Wintergerste zu beginnen. Sie können sich über im Vergleich zum letzten Jahr deutlich bessere Preise freuen, müssen aber auch deutlich gestiegene Kosten hinnehmen, vor allem für Dünger, Pflanzenschutzmittel und Diesel. Das waren die beherrschenden Themen beim Vorerntegespräch der VR-Bank in Südniedersachsen.

In der Stadthalle genoss am Montagabend (20.06.2022) VR Bank-Vorstand Jens Ripke augenscheinlich den Moment, als er vor vollem Haus den Abend eröffnete. Zuletzt habe man vor drei Jahren derart zusammenkommen können, die vergangenen beiden Jahre dann coronabedingt nur digital – daher freue er sich besonders auf diesen Abend. Neben den zahlreichen Krisen hatte er auch gute Nachrichten für die VR-Bank in Südniedersachsen im Gepäck. In Rollshausen bei Gieboldehausen werden aktuell acht Millionen Euro in einen komplett neuen Warenstandort investiert, unter anderem mit Flüssig- und Feststoffdüngerlager, der modernsten Ansprüchen gerecht werde.

Verfügbarkeit von Waren in Zeiten von geschädigten Lieferketten

„Das ist unser Bekenntnis für unser Warengeschäft in der Region“, sagte Ripke. Michael Steinberg, Leiter Vertrieb der Warenabteilung der VR-Bank, referierte umfassend über die aktuellen Düngemärkte. Er beleuchtete die Hintergründe und die Zusammenhänge dieser komplexen Märkte, die in den vergangenen Monaten von hohen Preissteigerungen geprägt waren.

Neben den Preisen seien auch die Verfügbarkeiten ein großes Thema gewesen, weil es Verschiebungen im Warenfluss gebe - dabei spielten sowohl russisches Gas als auch Dünger und Düngerohstoffe aus Russland eine große Rolle. (Christian Mühlhausen)

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