Leben und Überleben mit der Natur

Dransfeld: Wildnisschule am Hohen Hagen eröffnet

Wollen Begeisterung für die Natur wecken: Wildnispädagogen Stanley Datzmann und Andreas Zarrieß auf dem Hohen Hagen.
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Wollen Begeisterung für die Natur wecken: Wildnispädagogen Stanley Datzmann und Andreas Zarrieß auf dem Hohen Hagen.

Leben mit der Natur und nicht gegen sie. Das ist das Ziel der Wildnisschule die am Hohnen Hagen bei Dransfeld eröffnet hat. Dort werden Kurse für Kinder und Erwachsene angeboten.

Dransfeld – Eine Wildnisschule haben Andreas Zarrieß und Stanley Datzmann auf dem Hohen Hagen eröffnet. Sie wollen jungen Menschen, aber auch Erwachsenen das Überleben in der freien Natur beibringen.

„Die Wildnis ist nicht unser Feind“

„Wir lesen Fährten, bauen Bögen und stellen aus Feuerstein Messer her“, erläutert Zarrieß, der als Schlosser und später als IT-System-Betreuer gearbeitet hat. Teilnehmende sammeln essbare Kräuter, zünden Feuer ohne Streichhölzer an und bereiten Speisen auf dem offenen Feuer zu. „Die Wildnis ist nicht unser Feind“, betont Datzmann, der aus der Security-Branche kommt. Vielmehr sei der Mensch Teil der Natur, sei Teil eines großen Ganzen. „Wir können viel von der Jäger- und Sammler-Kulturen lernen“, ist Zarrieß überzeugt. „Die indigenen Völker, die in Gruppen von bis zu 120 Personen zusammenleben, kennen keine Hierarchien“, meint Datzmann. Jeder sei dort auf den anderen angewiesen. Man arbeite zusammen, teile das Essen miteinander, wie es Kleinkinder noch ganz selbstverständlich machten, so der Vater von Zwillingen. Streitigkeiten würden rasch beigelegt, weil Uneinigkeit das Überleben der ganzen Gruppe gefährde.

„Diese Lebensweise ist sehr erfolgreich“, betont Zarrieß. Die Menschen hätten den größten Teil ihrer 200 000 Jahre langen Geschichte so gelebt. Erst vor 11 000 Jahren seien Ackerbau und Viehzucht aufgekommen. Hochkulturen gebe es seit 5000 Jahren.

Die Industriegesellschaft, deren Anfänge 250 Jahre zurückreiche, sei gerade mit atemberaubender Geschwindigkeit dabei, die Lebensgrundlagen der Menschheit zu zerstören.

„Wir möchten den Menschen die Natur wieder nahe bringen“

Die beiden Wildnispädagogen wollen mit ihrer Schule gegensteuern. „Wir möchten den Menschen die Natur wieder nahe bringen“, sagt Zarrieß. Sie gingen mit Teilnehmenden ohne Ziel in den Wald, ließen die Menschen mit offenen Augen beobachten, was da sei. Ganz von alleine entdeckten diese, die vielen Pflanzen und Tiere. Gemeinsam gingen sie der Frage nach, warum wohl was an welchem Ort wachse, wie sich diese oder jene Pflanze nutzen lasse. Sie wollten die anderen nicht belehren, sondern mit ihnen zusammen auf Entdeckungsreise gehen.

„Die meisten staunen über den Reichtum an Nahrungsmitteln am Wegesrand“, berichtet Datzmann. Wenn er jede Pflanze erkläre, brauche er für eine Strecke von 100 Metern drei Stunden. Er habe großen Respekt vor dem Wissen von Jägern und Sammlern. Auf sie als „Wilde“ herabzuschauen, sage viel über die Arroganz von Bauern und Städtern. Freunde der Wildnis haben eher etwas zu lachen, meint Zarrieß. So kämpften Gärtner mit viel Mühe gegen den überall wuchernden Giersch an und zögen dann mit viel Wassereinsatz mickrige Salatköpfe. Dabei schmecke das vermeintliche Unkraut Giersch als Salat viel besser und habe zudem mehr wertvolle Inhaltsstoffe. Auch die Brennnessel, ein anderes Beispiel, sei kein Unkraut. Deren in Öl gebratenen Blätter schmeckten seinen Kindern besser als Kartoffelchips und seien außerdem gesünder.

Einklang mit der Natur

„Wir orientieren uns an der Wildnispädagogik, die Tom Brown schuf, und die sein Schüler Jon Young weiterentwickelt“, berichtet Andreas Zarrieß. Brown und Young verbänden das Wissen nordamerikanischer Indianer mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Es gehe um das Wahrnehmen von Natur und ein Leben im Einklang mit ihr. „Das unterscheidet Wildnispädagogen von Menschen, die das Überleben in der Wildnis als Kampf betrachten“, heißt es. (Michael Caspar)

Wer es auf dem Hohen Hagen weniger wild mag, kann das Gaußturmkiosk besuchen. Das gibt es seit Oktober.

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