25 Jahre im Dornröschenschlaf

Dransfelder Erlensamen kehren zurück an den Hohen Hagen

Am Fuße des Hohen Hagens: Försterin und Pflanz-Organisatorin Maria Spletter (links) und ihr Vorgänger Manfred Budde (rechts) mit dem Realgemeinde-Vorsitzenden Jörg Brandt (Zweiter von rechts) und Pflanzhelfer Peter Sebesse (Realgemeinde Dransfeld) auf der neuen Schwarzerlen-Pflanzfläche.
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Am Fuße des Hohen Hagens: Försterin und Pflanz-Organisatorin Maria Spletter (links) und ihr Vorgänger Manfred Budde (rechts) mit dem Realgemeinde-Vorsitzenden Jörg Brandt (Zweiter von rechts) und Pflanzhelfer Peter Sebesse (Realgemeinde Dransfeld) auf der neuen Schwarzerlen-Pflanzfläche.

Aus dem Schlaf nach 25 Jahren erweckt und eingepflanzt: So mit besonderen Erlensamen in Dransfeld am Hohen Hagen geschehen. „Das war ein ungewöhnlich langer Dornröschenschlaf“, heißt es.

Dransfeld – Seit Kurzem bringen 280 Erlenpflanzen am Fuße des Hohen Hagens frisches Grün in den Dransfelder Realgemeindewald. Das Besondere daran: Das Saatgut für die gerade einmal ein Jahr alten Schwarzerlen-Bäumchen (Alnus glutinosa) wurde schon 1995 geerntet und war bis zur Aussaat in diesem Frühjahr 25 Jahre eingelagert.

25 Jahre gelabert, nun in Dransfeld eingepflanzt

„Das war ein ungewöhnlich langer Dornröschenschlaf“, sagt der ehemalige Revierförster Manfred Budde, der das Saatgut seinerzeit geerntet hatte und bewertet das als „einzigartiges Experiment“. Schließlich beschreibe die Fachliteratur für Erlensamen nur eine Lagerungsdauer von fünf bis zehn, höchstens jedoch 15 Jahren.

Eine weitere Besonderheit: Das Saatgut stammt von alten Erlenbäumen, in deren unmittelbarer Nachbarschaft die jungen Bäume jetzt anwachsen sollen. Die neue, rund 0,6 Hektar große Anbaufläche hat die Realgemeinde Dransfeld angekauft, nachdem Borkenkäferbefall dort den Fichtenwald zerstört hatte. Jetzt wird die am Stadtrand gelegene Kahlfläche mit den jungen Erlen aufgeforstet. „Die Mutterbäume galten schon 1995 als besonders wertvoll“, sagt Manfred Budde. Aus diesem Grund habe er das Saatgut seinerzeit zur damaligen Niedersächsischen Versuchsanstalt gebracht, wo es im Kühlkeller in Escherode eingelagert wurde. „Ziel war es, die wertvolle Genressource langfristig zu erhalten“, sagt Wilfried Steiner von der Abteilung Waldgenressource der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Hann. Münden.

„Damit haben wir eine Keimprüfung und einen Aussaatversuch gestartet“

Als die Realgemeinde Dransfeld jetzt auf der neuen Kahlfläche Bedarf an Schwarzerlen hatte, hätten sich Manfred Budde und der Realgemeinde-Vorsitzende Jörg Brandt an die lange zurückliegende Saatguternte in diesem besonderen Bestand erinnert. „Sie fragten bei der Versuchsanstalt nach und tatsächlich war noch ein kleiner Rest im Kühlkeller am heutigen Standort in Hann. Münden vorhanden“, sagt Wilfried Steiner. „Damit haben wir eine Keimprüfung und einen Aussaatversuch gestartet“, beschreibt er den Weg vom Saatgut im Kühlkeller bis in den Wald. Das Keimverhalten sei zwar schlechter als bei frisch geerntetem Saatgut, aber mit 25 Prozent „noch ganz passabel“, berichtet Dagmar Leisten von der Abteilung Waldgenressourcen der Versuchsanstalt. „Aus knapp vier Gramm Saatgut wuchsen so 280 pflanzfertige Schwarzerlen heran“, freut sich die Technische Assistentin.

Auf die späte Heimkehr der Nachzöglinge aus eigenem Wald blicken nicht nur die Mitglieder der Realgemeinde gespannt. Försterin Maria Spletter, die den Realgemeindewald und den Dransfelder Stadtwald betreut, hat die Auspflanzung organisiert. „Wir sind alle gespannt, ob die kleinen Schwarzerlen in Reichweite ihrer Mutterbäume den ersten Winter gut überstehen“, sagt sie. Auch die Versuchsanstalt wirft ein waches Auge auf die ungewöhnliche Aufforstung.

Aktion ist ein gelungenes Beispiel für die Zusammenarbeit

„Schließlich wird mit dieser Auspflanzung die statische Phase der Erhaltung in der Genbank durch eine dynamische Phase abgelöst“, sagt Forstwissenschaftler Steiner. Die genetische Information des Ausgangsbestandes sei für eine weitere Generation gesichert. „Diese dynamische Form der Erhaltung von genetischen Ressourcen hat den Vorteil, dass Anpassungsvorgänge an sich ändernde Umweltbedingungen wie den Klimawandel möglich sind“, so Steiner. Insgesamt sei die Aktion „ein gelungenes Beispiel für die Zusammenarbeit von Waldbesitzern, Niedersächsischen Landesforsten und Versuchsanstalt“. (Per Schröter)

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