Göttingen, Hann. Münden, Duderstadt

Drei Förderschulen im Kreis Göttingen werden aufgelöst

Keine Zukunft mehr: Schule im Aufeld in Gimte. Foto:  Welch

Hann.Münden/Göttingen/Hannover. Die vom Landtag mit der Mehrheit von Rot-Grün beschlossene schrittweise Auflösung der Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen wird im Landkreis Göttingen überwiegend kritisch bewertet.

Der Schuldezernent des Landkreises Göttingen, Marcel Riethig (SPD), erklärte auf Nachfrage der HNA, er befürworte ausdrücklich, dass die Inklusion auf Landesebene vorangetrieben wird. Allerdings halte er die schrittweise Auflösung der Förderschulen zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht.

Das allgemeinbildende Schulsystem sei auf eine vollständige Inklusion noch nicht ausreichend vorbereitet. Das zeige sich etwa daran, dass die Zahl an Schulbegleitern in die Höhe schnelle, die im Übrigen die Kommunen finanzieren müssen.

Riethig: „Eine Klasse mit sieben Schülern, drei Schulbegleitern und einer Lehrerin kommt meiner Vorstellung von einem inklusiven Schulsystem nicht sehr nah.“

Betroffen von der Auflösung der Förderschule mit Schwerpunkt Lernen sind im Landkreis die Martin-Luther-King-Schule in Göttingen, die Pestalozzi-Schule in Duderstadt und die Schule im Auefeld in Hann. Münden. Der zweite Schwerpunkt in Münden, geistige Entwicklung, bleibe erhalten, betont Rektorin Silvia Kröner, Leiterin der Schule im Auefeld.

Die Pädagogin bewertet die schrittweise Auflösung der Förderschule mit Schwerpunkt Lernen als Beschneidung des Wahlrechts der Eltern. Die Kinder, so ihre Meinung, würden in der Förderschule umfänglicher betreut als in der Regelschule.

Während den Grundschulen in den inklusiven Jahrgängen 1 und 2 lediglich zwei zusätzliche Förderschullehrerstunden zugewiesen werden, seien es ab Klasse 5 drei Stunden wöchentlich pro Kind mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf Lernen. Hinzu komme, dass bundesweit ein eklatanter Mangel an Förderschullehrern bestehe, erklärte Kröner.

Martina Kolbe-Schwettmann, Rektorin der Martin-Luther-King-Schule in Göttingen, teilt die Einschätzung ihrer Mündener Kollegin.

Die angebotenen Förderschullehrerstunden an den Regelschulen seien viel zu wenig. Schüler mit Lernbedarf benötigten die Bindung an die Lehrkraft und das Lernen in einer kleinen Gruppe. All das werde ihnen in der Förderschule geboten.

Kolbe-Schwettmann wies darauf hin, dass etwa 80 Prozent der Martin-Luther-King-Schüler einen Hauptabschluss machen; 75 Prozent der Schüler mit Hauptabschluss vermittle die Schule in eine Berufsausbildung. In der Schule im Auefeld sei die Quote der Schüler mit Hauptschulabschluss ebenso, sagt Rektorin Kröner.

Die Junge Union (JU) im Landkreis Göttingen ist der Meinung, ohne die Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen werde die Inklusion an unseren Schulen scheitern.

JU-Vorsitzender Timo Nachstedt ist der Meinung, in den Regelschulen mit Klassenstärken von bis zu 30 Schülern könnten viele betroffene Kinder nicht die Förderung erhalten, die sie eigentlich benötigen.

Nachstedt: „Durch die Schließung überfordert Rot-Grün die Schüler und nimmt ihnen die Wahlmöglichkeit.“ (kri)

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