Schüler filmen Interviews mit Zeitzeugen

„Ein Stück Hemelner Zeitgeschichte“

+
Professionelles Interview: Elias Urhahn und Anni Wilke befragen Elfriede Ludewig und Hanna Mechmershausen zu ihrer Schulzeit in Hemeln. Filmemacher Herbert Dohlen (links) begleitet den Dreh. 

Hemeln. Winfried Kühne steht am Ufer der Weser in Hemeln. Kinder der Grundschule richten drei Fernsehkameras auf ihn. Sie stecken ihm ein Funkmikrofon an und schlagen eine Filmklappe.

Dann beginnt Winfried Kühne zu erzählen: „Hier in der Weser habe ich schwimmen gelernt - mit einem Fahrradschlauch um den Bauch.“

Damit solche Anekdoten aus der Geschichte Hemelns nicht verloren gehen, haben die Schüler der 3. und 4. Klasse am Wochenende ein Film- und Fotoprojekt gemacht. Unter dem Motto „War das schon immerso?“ haben sie Zeitzeugen interviewt und Collagen erstellt. Die Ergebnisse – ein Dokumentarfilm und eine Fotoausstellung – präsentieren sie am 16. und 18. Juni.

Der Kultur- und Naturförderverein Hemeln hat das Projekt getragen. Dorit Battermann und Filmemacher Herbert Dohlen haben die Kinder bei den Vorbereitungen und dem Dreh mit professionellem Equipment unterstützt.

„Aus fünf Interviews, die die Kinder selbstständig geführt haben, entsteht ein tolles Stück Hemelner Zeitgeschichte. Den Film können wir auch im Sachunterricht verwenden“, sagt Lehrerin Michaela Baake.

Spannend für die Kinder war besonders zu hören, wie die Senioren ihre Kindheit ohne Handy verbracht haben. Wie streng es damals in der Schule zuging, war außerdem für viele Kinder erstaunlich. „Da gab es einen mit dem Stock auf die Finger, wenn die Hände nicht sauber waren“, berichtet Baake aus einem Interview. Auch das gemeinsame Zähneputzen in der ersten Pause gibt es längst nicht mehr. Stellmeister, Schmied und Schuhmacher – wie Hemelner in diesen Berufen gearbeitet haben, konnten die Kinder in den Interviews von den Zeitzeugen erfragen.

Mit seiner Collage der Hauptstraße im Wasser: Fynn Schmehl.

Aber nicht nur das Leben in Hemeln, auch das Dorf selbst hat sich verändert. Die Grundschulkinder haben dafür während des Projekts historische Fotos aus Hemeln bekommen, wo sie die entsprechenden Stellen suchen und dort ein Foto aus heutiger Sicht schießen mussten.
Aus den Motiven, zum Beispiel der Hauptstraße unter Wasser, haben die Kinder dann Collagen mit den historischen und aktuellen Fotos gemacht. „In Hemeln hatten früher viele Handwerker einen Betrieb. Doch viele der Läden wurden geschlossen und umgebaut oder zu Wohnhäusern vergrößert“, sagt Willi Pape, einer der Zeitzeugen.

Schüler interviewen Zeitzeugen

Die Schüler der Grundschule Hemeln haben folgende Zeitzeugen interviewt: Edith und Gerda Ludewig, Winfried und Werner Kühne, Rudi Jatho, Hanna Mechmershausen, Elfriede Ludewig, Irmgard Westphal, Kurt Grünewald, Wilhelm Koch sowie Willi Pape. Die Kinder haben die Interviews in der Grundschule, an der Weser, in einer Schusterwerkstatt, einer Schmiede und einer Zimmerei geführt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.