Sonderausstellung im Museum: Aufbruch in die Demokratie

Eines der freiesten unter den Völkern der Erde

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Vergangenes wird lebendig: Die Ausstellungsmacher Wolfgang Schäfer, Stefan Schäfer und Daniel Althaus mit Bürgermeister Harald Wegener.  

Hann. Münden – Mit der Wanderausstellung „Aufbruch in die Demokratie – Revolution zwischen Weser und Leine 1918 bis 1923“ im Stadtmuseum werden die aufregendsten Jahre von Hann. Münden nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und des Zusammenbruchs des Kaiserreichs wieder lebendig.

Mündens Stadtarchivar Stefan Schäfer, sein Uslarer Amtskollege Daniel Althaus und der frühere Uslarer Museumsleiter Wolfgang Schäfer haben die Geschehnisse dieser Jahre nicht nur akribisch recherchiert, sondern auch optisch attraktiv gestaltet. Das Interessante: Sie brechen mit ihrer Darstellung dieser aufregenden Jahre die Ereignisse der großen Politik in Berlin, Kiel und Weimar auf die lokale Ebene herunter und zeigen, wie sich die Bevölkerung in den Zeiten des Umbruchs politisierte und die neuen Freiheiten einsetzte, um ein besseres Leben anzustreben. Die drei Ausstellungsmacher nutzen gerne die Schicksale von Menschen, um die Zeit des Umbruchs und ihre Folgen für die Bevölkerung plastisch zu machen. Das reicht von der politischen Meinungsbildung und Agitation in Zeiten, in denen es weder Fernsehen noch Internet noch viele Telefonanschlüsse gab, bis hin zu Schlaglichtern aus Wirtschaft und Vereinsleben. Beispielsweise wird auf die Gründung von Ackerbau-Genossenschaften wie in Lippoldshausen eingegangen oder die Gründung von Arbeiter-, Sport- und Fußballvereinen wie in Gimte.

Zitiert wird unter anderen der Mündener Bürgermeister Dr. Rudolph Hermann (1917-1933), der am 1. November 1918 vor dem Mündener Magistrat sagte: „Deutschland ist zu einem demokratischen Staat geworden! Das Volk entscheidet in Zukunft über sein Geschick. Damit ist das deutsche Volk eines der freiesten unter den Völkern der Erde geworden.“

Der spätere Mündener Ehrenbürger und Landrat Fritz Michalski (1902-1977) jubelte, dass die Revolution die Hoffnung bedeutete, dass die Arbeiterfamilien ihrem kargen Leben entfliehen können. Der gelernte Bauarbeiter: „Wir werden genügend zu Essen haben und es braucht nicht mehr so furchtbar mit der Not gerungen werden.“ Dass sich rechte Gruppierungen und die Nazis formieren, wird ebenso dargestellt.

Mündens Stadtarchivar Stefan Schäfer sah bei der Ausstellungseröffnung Parallelen zur heutigen Zeit. „Wir wissen, dass wir heute einen gefestigten Kontinent haben, um den wir aber kämpfen müssen.“ Mündens Bürgermeister Harald Wegener nannte die Ausstellung „wichtig“ und dankte den Machern für ihre Arbeit.

Die Ausstellung „Aufbruch in die Demokratie – Revolution zwischen Weser und Leine 1918 bis 1923“ ist bis zum 8. September 2019 im Stadtmuseum im Welfenschloss zu sehen. Geöffnet ist sie mittwochs bis sonntags von 11 bis 16 Uhr. Gut geeignet ist sie auch für Schulklassen, die sich im Unterricht gerade mit dieser Zeit beschäftigen.

Der "Apparatschik"

Eine der schillerndsten Figuren war der gebürtige Mündener Ernst Wollweber (1898-1967). Er kehrt im Frühjahr 1919 aus Kiel zurück, nachdem er vergebens versucht hatte, in Kiel einen zweiten Matrosenaufstand zu organisieren. 

Info-Tafel über Ernst Wollweber

In Münden gründete er eine Ortsgruppe der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und stieg zum Vorsitzenden des KPD Bezirks Kurhessen-Waldeck auf. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs machte Wollweber in der ehemaligen DDR Karriere. Dort war er zwischen 1953 und 1957 Chef des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) und in dieser Funktion der Vorgänger des berüchtigten Erich Mielke. 

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