350 Jahre Dr. Eisenbart - eine Eberlein-Plastik im Museum erinnert an den Wanderarzt

Eisenbart in Wartestellung

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Eberleins Eisenbart: Das Foto zeigt den oberen Teil der 1,12 Meter großen Plastik. Der Mündener Bildhauer Gustav Eberlein hat dem sagenumwobenen Chirurgen (1663-1727) ein kauziges Gesicht gegeben. Mit einer übergroßen Zange zieht er einem Jungen einen Zahn. 1913 ist die Figur entstanden.

Hann. Münden . Im Museum von Hann. Münden wartet er auf seinen Einsatz im Jubiläumsjahr: Doctor Eisenbart . Etwas über 1,10 Meter groß, 100 Jahre alt und gerade dabei einem Jungen einen Zahn zu ziehen.

Der Mündener Maler und Bildhauer Gustav Heinrich Eberlein (1847 bis 1926) hat den Gipsentwurf 1913 zum 250. Geburtstag des legendären Wanderchirurgen gestaltet. Zunächst war er auf einer Ausstellung in Berlin zu sehen, später auch im Museum von Hann. Münden.

In diesem Jahr wäre der in Hann. Münden gestorbene Johann Andreas Eisenbart 350 Jahre alt geworden. Er kam am 27. März 1663 in Oberviechtach in der Oberpfalz zur Welt.

Elgard Steinmüller

Eberleins Plastik war ein Entwurf für ein Bronze-Denkmal, das der Künstler nach Angaben von Elgard Steinmüller, Geschäftsführerin des Vereins Gustav-Eberlein-Forschung, vor 100 Jahren der Stadt Hann. Münden schenken wollte. Er hatte sich den Entwurf vergrößert als Mittelpunkt einer Brunnenanlage gedacht, so Steinmüller. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges habe die Realisierung verhindert, ein zweiter Anlauf sei 1917 an der schlechten finanziellen Situation der Stadt gescheitert.

Ihren letzten großen Auftritt hatte die Plastik 2003/2004 in der Sonderausstellung des Städtischen Museums von Hann. Münden zum 275. Todestag des Wanderarztes. „Als Dr. Eisenbart kurierte!“, hieß die Schau damals. Eisenbart starb am 11. November 1727 in Hann. Münden im damaligen Gasthaus „Zum Wilden Mann“, Lange Straße 79. Sein Grab liegt in der St. Aegidienkirche. An der Nordseite der Kirche erinnert ein Grabstein seit 1837 an ihn.

Der 350. Geburtstag wäre für die Eberlein-Forschung ein guter Anlass Eberleins Eisenbart erneut einem größeren Publikum zu präsentieren. „Wir fänden das sehr schön“, sagt Elgard Steinmüller. Aber bei den Planungen der Stadt für das Jubiläumsjahr spielt die Plastik derzeit noch keine Rolle. Das Museum sieht sich nicht in der Lage eine Eisenbart-Schau rund um die Figur zu präsentieren. Es sei mit der Vorbereitung der Ausstellung über das Römerlager von Hedenmünden, die am 12. Mai eröffnet werden soll, ausgelastet, sagte Leiterin Martina Krug. Der Beitrag des Museums sei gewesen, die Plastik mit Blick auf das Jubiläum restaurieren zu lassen.

Der Bildhauer und Maler Erhard Joseph aus Adelebsen hat 2012 die Figur durch das Einziehen von Drähten verstärkt und ihr eine bronzefarbene Bemalung gegeben.

Der Barockarzt präsentiert sich mit Rüschenhemd, Kniehose und halblangem Mantel, in seiner Hand eine übergroße Zange, mit der er einem Jungen mit schmerzverzerrtem Gesicht einen Zahn zieht.

Doctor Eisenbart ist gut präpariert und wartet weiter auf seinen Einsatz im Jubiläumsjahr.

Von Ekkehard Maass

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