Der Mann fürs Eis

Eiskünstler erstmals auf dem Weihnachtsmarkt in Hann. Münden

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Der Eiskünstler Joachim Knorra bei der Arbeit auf dem Hann. Mündener Weihnachtsmarkt.

Joachim Knorra zaubert aus Eisblöcken Kunstwerke. Auf dem Weihnachtsmarkt in Hann. Münden ist er zum ersten Mal. Mit einer besonderen Skulptur.

In der Luft liegt ein Geruch aus frischen Tannennadeln, Glühwein und gebrannten Mandeln. Passanten schlendern neugierig an den einzelnen Ständen vorbei. 

An einem Tisch neben einem Weihnachtsmann steht ein Mann im roten Overall. Mit einem Meißel schabt er vorsichtig über ein Gebilde aus durchsichtig schimmerndem Eis.

„Das ist ein schwieriger Werkstoff“, sagt Joachim Knorra, der als Eiskünstler gerade die Ansätze eines Schlittens aus dem Block modelliert. 

Joachim Knorra: Eiskünstler aus dem Sauerland

„Das Eis darf nicht zu kalt sein, dann zerspringt es, zu warm ist auch nicht gut. Für meine Arbeit habe ich ein Zeitfenster von etwa zwei Stunden“, sagt der 56-Jährige aus Hallenberg-Hesborn im Sauerland.

Bereits seit 30 Jahren hat sich der gelernte Bäcker und Konditor der Kunst an dem kalten, glänzenden Material verschrieben. 

Die Begeisterung habe ihn bereits als Sechsjährigen gepackt: „Ich habe damals bei Rudi Carrell in der Sendung einen Eiskünstler gesehen und war fasziniert“, erzählt Knorra.

Während seiner Bundeswehrzeit habe er ähnliche Kunstwerke bei Offiziersbällen gesehen. „Ich habe einen Lehrgang gemacht, anfangs war es ein Hobby, die Kunstwerke standen in Hotels und Gaststätten.“

Irgendwann seien so viele Anfragen gekommen, dass er sein Hobby zum Nebenberuf gemacht habe. 

Mittlerweile ist er das ganze Jahr über bei Firmenpräsentationen, Messen oder eben auf Weihnachtsmärkten unterwegs, um die Menschen mit seinen kalten Werken zu verzaubern.

250 Kilo Eis für den Weihnachtsmarkt Hann. Münden

Zur Herstellung des Eises nutzt Knorra eigens eine große Gefrierzelle. Für den Mündener Weihnachtsmarkt verarbeitet er allein 250 Kilogramm Blockeis. 

„Ich mache zunächst eine Zeichnung, die ich dann nach einem zuvor berechneten Maßstab auf das Eis übertrage“, erklärt der Sauerländer.

Für den ersten Grobschnitt nutzt Knorra eine Elektrokettensäge. Weiter geht es dann mit speziellen Meißeln. „Das Werkzeug kommt aus Japan. Es besteht aus besonders hartem Stahl, den brauche ich, da Eis ein sehr harter Werkstoff ist“, so Knorra. 

Glatte Flächen arbeitet Knorra, der hauptberuflich als Maschineneinrichter arbeitet, mit einem Bügeleisen nach. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Arbeit Fingerspitzengefühl erfordere: „Einmal abgeschlagene Stücke kann man nur schwer wieder anfügen.“

Während der Arbeit werde er immer wieder von Passanten angesprochen, aber das stört Joachim Knorra nicht: „So bekomme ich neue Aufträge“, sagt er. Seine Kunstwerke würden sich noch bis Sonntag halten, vermutet er am Freitag.

2016 war Joachim Knorra bereits auf dem Frankenberger Weihnachtsmarkt zu Gast. 

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