Ein Kompetenzteam für die Religionsreform: von Corvinus bis Mithoff

Elisabeths gelehrte Räte

Ein farbiges Grabdenkmal: Das Bild, Epitaph genannt, hängt in der Mündener St. Blasiuskirche rechts vom Hauptaltar (hier ein Ausschnitt). Es stellt den verstorbenen Burkhard Mithoff dar, wie er mit seiner Familie, einschließlich der bereits verstorbenen Kinder, unterm Kreuz kniet. Repro: Sangerhausen

Hann.Münden. Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg gilt bis heute als diejenige Fürstin, welche in Calenberg-Göttingen und damit auch in Münden die Reformation durchgesetzt hat. Doch ein solches Werk war natürlich nicht von einer einzelnen Person zu schultern. Ebenso wie den anderen sogenannten „Reformationsfürsten“ standen auch Elisabeth zahlreiche Berater zur Seite, die ihr bei der Durchsetzung der Reformation halfen.

Der aus dem ostwestfälischen Warburg stammende Anton Rabe (1501-1553), besser bekannt unter seinem latinisierten Namen Antonius Corvinus, war während seines Studiums in Leipzig mit den Gedanken der Wittenberger Reformatoren in Berührung gekommen und arbeitete seit 1529 als Pfarrer in Witzenhausen. Schon bald stieg er zum Berater des hessischen Landgrafen Philipp (1504-1567) auf, der Corvinus nur wenige Jahre später wiederum an Elisabeth weiterempfahl, als diese zu Beginn ihrer vormundschaftlichen Regierung händeringend nach kompetenten Personal suchte. Bereits 1540 arbeitete der Theologe eine erste Kirchenordnung für das Fürstentum aus und überprüfte dann kurze Zeit später in seiner Funktion als neuer Superintendent die Einhaltung der neuen Ordnung bei der ersten gründlichen Kirchenvisitation in Calenberg-Göttingen, die vom November 1542 bis April 1543 stattfand.

Neben Corvinus wurde auch der Jurist Justus von Waldhausen, der in Wittenberg studiert hatte und Elisabeth ausdrücklich von Luther empfohlen worden war, als fürstlicher Rat und späterer Kanzler eingestellt. Zusammen mit dem Hofrichter Justinus Gobler und dem Magister Heinrich Campe leitete Waldhausen die Regierungsgeschäfte des Fürstentums.

Der Mediziner Burkhard Mithoff (1501-1565) vervollständigte das Kompetenzteam der Herzogin. Er hatte an der 1527 neugegründeten protestantischen Musteruniversität in Marburg studiert und diente seit 1536 dem hessischen Landgrafen als Leibarzt. Nur kurze Zeit später nahm er daneben auch Dienste am Mündener Hof unter Elisabeths erstem Ehemann Erich I. an. Nach dessen Tod übernahm die junge Witwe den Mediziner und überzeugten Lutheraner in ihre Dienste.

Zusammen mit seinem guten Freund Corvinus erarbeitete Mithoff das ehrgeizige Reformprogramm für das Fürstentum und hatte nicht zuletzt durch seine Teilnahme an zahlreichen Visitationen und Synoden großen Anteil an dessen Durchsetzung.

Von Thomas Kossert

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