Ellershäuser verlängerten die fünfte Jahreszeit: Narren legten nochmal nach

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Erna Schabulski ließ kein Auge trocken. 

Ellershausen. "Jetzt halten alle mal die Fresse – Mutti will anfangen", mit derben Worten ging die Karnevalssitzung am Samstagabend in Ellershausen an den Start.  

 „So lange mir keiner das Wasser reichen kann, nehme ich erst mal ein Bier“, so Stefanie Freitag, die mit strubbeligen Haaren, übermalten Lippen und jeder Menge Kissen unter der Garderobe die Gäste im groben Umgangston mit Reibeisenstimme begrüßte.

Eine Gruppe von 14 Ellershäusern hatte auch in diesem Jahr wieder ein buntes Faschingsprogramm auf die Beine gestellt, erst am Wochenende nach Aschermittwoch, was dem närrischen Treiben aber keinen Abbruch tat.

Seit 1985 wird in Ellershausen Karneval mit kreativen Kostümen und umfangreichem Bühnenprogramm gefeiert. Freitag erzählte von den Gewichtsproblemen ihres dargestellten Charakters: „Ich bin eher so der Gewinnertyp, Pfunde verlieren fällt mir schwer.“ Dabei habe sie es sogar schon mit Fahrradfahren, dem veganen Reiten, versucht.

 Aber: „Das einzige Mal, dass ich 6000 Kalorien verbrenne, ist, wenn mir die Pizza im Ofen schwarz wird.“ Auch Verreisen war Thema: „Ich fliege ja nicht gerne, du darfst aus Sicherheitsgründen ja nichts mehr mit an Bord nehmen, nicht mal ’ne Pinzette“, so Stefanie Freitag. Die findet: „Wenn es einer schafft, mit einer Pinzette ein Flugzeug in seine Gewalt zu kriegen, dann hat er es auch verdient.“

Schwarzer Humor und auch der ein oder andere Witz unter der Gürtellinie waren am Samstag in Ellershausen an der Tagesordnung und brachten das bunt verkleidete Publikum ordentlich zum Lachen. Das 111-jährige Fräulein Grünewald (Hartmut Grünewald) mit Spitzenkragen und Häubchen erzählte: „Als ich vorhin rein gekommen bin, wurde ich von oben bis unten abgetastet. So wurde ich noch nie von einem Mann angefasst, ich hab mich dreimal wieder hinten angestellt.“ Sie, die letzte Überlebende aus Johannes Heesters Krabbelgruppe, sprach von den Veränderungen in den vergangenen Jahren: „Früher konntest du mit einer Unterhose ein ganzes Fahrrad putzen, heute sind diese Spaghetti-Schlüpper leichter als ihr Preisschild, und es reicht nicht mal mehr für den Klingeldeckel, kannste nur noch als Zahnseide benutzen.“ Bunt und lustig ging es weiter: Sharleen Freitag stellte fest, dass Sex irgendwie wie Schlumpfeis, meistens enttäuschend, aber auch wie Kartoffelsalat: „Es gibt den liebevoll mit der Hand selbst gemachten, den schnellen, im Supermarkt gekauften und den, den man versehentlich zu lange im Kofferraum vom Auto gelassen hat“.

Dann gab es noch einen Männertanz mit Rollatoren, Frieda und Anneliese, selbstgedrehte Kurzfilme auf der Leinwand, einen gemeinsamen Auftritt von allen Beteiligten und viel verdienten Applaus.

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