Spargelbauer im Ungewissen

Einreisebeschränkungen sorgen für fehlende Erntehelfer 

Saisonarbeitskräfte beim Spargelstechen auf dem Werderhof. 
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Saisonarbeitskräfte beim Spargelstechen auf dem Werderhof. 

Herausforderungen und Chancen liegen manchmal nah beieinander. Das muss auch Landwirtin Cornelia Rabe in diesen Tagen feststellen. Gemeinsam mit ihrem Mann Heino Rabe betreibt sie vor den Toren Göttingens den Werderhof – einen landwirtschaftlichen Betrieb, der sich auf die Produktion und Direktvermarktung von Kulturen wie Spargel, Erdbeeren und Kartoffeln spezialisiert hat.

Genau so wie alle anderen landwirtschaftlichen Betriebe, die in der Vergangenheit stets Erntehelfer aus Osteuropa auf ihren Feldern im Einsatz hatten, steht sie vor einem riesigen Problem: Durch die durchs Coronavirus erlassenen Einreisebeschränkungen können derzeit keine Mitarbeiter nach Deutschland einreisen. Für die betroffenen Betriebe eine Katastrophe: „Die Grenzen sind dicht. Sowohl für die rumänischen als auch die polnischen Erntehelfer, die schon seit Jahren zu uns kommen“, sagt Cornelia Rabe.

Lediglich ein Mitarbeiter aus Polen konnte vor der Grenzschließung noch ins Land kommen und arbeitet derzeit auf dem Hof mit. Benötigt werden für die fünf Hektar Spargel zehn Mitarbeiter.

Soweit die Herausforderung. Und die Chancen? „Wir erfahren gerade unglaublich viel Unterstützung von Leuten aus der Region, die für uns arbeiten wollen und haben bereits 60 Bewerbungen erhalten“, sagt Rabe. Schüler, Studenten, Menschen in Kurzarbeit – die Liste der Bewerber ist lang und bunt. „Den Leuten fällt die Decke auf den Kopf, sie wollen was tun und natürlich auch etwas verdienen“, erläutert die Landwirtin.

Wenngleich Rabes nur Personen ab 18 Jahren mitarbeiten lassen, da Spargelstechen auch eine körperlich schwere Arbeit sei. Gearbeitet werde an vier bis fünf Tagen jeweils fünf bis sechs Stunden pro Tag, gezahlt werde der Mindestlohn. So sehr sich Cornelia Rabe auch über jede der Bewerbungen freut – so schwierig ist für sie derzeit die Planung: „Die Spargelsaison geht bei uns erst in etwa drei Wochen los.“ Doch keiner könne sagen, was in drei Wochen sowie der dann folgenden Zeit der bis Ende Juni dauernden Spargelsaison sowie der ab Anfang Juni startenden Erdbeersaison sei.

Den Spar gel zu ernten, bedeutet viel Arbeit.

Keiner wisse, ob die derzeit in Kurzarbeit befindlichen Leute dann wieder in ihren Berufen tätig seien, ob die Schüler wieder zur Schule gingen oder der Lehrbetrieb an der Uni bis dahin wieder aufgenommen werde. Zu dem komme eine andere Ungewissheit, wenn etwa in Deutschland die Aktivitäten noch weiter heruntergefahren werden müssten. „Wir wissen gar nicht, ob wir dann überhaupt noch Verkaufsstellen betreiben können“, sagt Rabe.

Daher könne man den Bewerbern derzeit noch nicht fest zusagen, sondern nur Vorgespräche führen. Auch für den Einsatz selbst haben Rabes Vorkehrungen getroffen. „Damit sich die Erntehelfer nicht zu nahe kommen und der Mindestabstand gewahrt bleibt, wird nicht Reihe für Reihe, sondern nur jede zweite Reihe gestochen und die ausgelassenen Reihen dann in einem weiteren Durchgang.“ Sollten doch noch die Stammarbeiter aus Osteuropa ins Land kommen dürfen, erwartet diese nicht nur Aushänge mit den wichtigsten Regeln auf polnisch und rumänisch, sondern auch ein von Rabes organisierter Einkaufsservice.

Mit fünf Zimmern für zehn Mitarbeiter, zwei Bäder, vier Toiletten und zwei Küchen sind die Erntehelfer so untergebracht, dass die Abstandsregeln eingehalten werden können.

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