Namen zurückgeholt

Die ersten 13 Stolpersteine in Dransfeld sind verlegt

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Dransfeld. Vergissmeinicht gegen das Vergessen: Mitglieder des Dransfelder Bürgerforums 9. November legten Blumen nieder, nachdem Gunter Demnig die ersten Stolpersteine in Dransfeld verlegt hatte.

Auf dem Gehweg an der Langen Straße, mitten im Verkehrslärm und bei Dauerregen, hatte sich am Montag, 13. Mai, eine Gruppe Menschen versammelt, denen das Andenken an die früheren jüdischen Dransfelder wichtig ist. Danach ging es weiter in die Gerlandstraße Das Bürgerforum hatte die Verlegung initiiert und verwirklicht und gemeinsam mit Bürgermeister Rolf Tobien öffentlich dazu eingeladen.

Die einstigen Mitbürger, deren Namen man nun wieder in die Mitte der Stadt zurückhole, waren alle vor den Nationalsozialisten geflohen und hatten überlebt, skizzierte es Ernst Achilles-Wengel vom Bürgerforum. Aber keiner von ihnen kehrte nach Deutschland zurück.

Bürgermeister Rolf Tobien dankte dem Bürgerforum, dass es die Erinnerung wach halte. Denn das sei wichtiger denn je. Gunter Demnig bekräftigte das: Gerade, dass man es hier mit den Menschen aus der direkten Nachbarschaft zu tun hatte, stelle einen persönlichen Bezug her. Besonders für Schüler sei das oft besser greifbar und interessanter, als im Geschichtsunterricht mit großen Zahlen konfrontiert zu werden. Die Millionen Juden, die von den Nazis ermordet wurden, wirkten anonym, aber hinter dem Namen auf dem Stolperstein im eigenen Ort stehe ein Mensch von nebenan.

Sie sei sehr dankbar und glücklich, dass es in Dransfeld so unkompliziert sei, Stolpersteine zu verlegen, sagte Jacqueline Jürgenliemk, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Göttingen. Für ihre eigene Familie liege ein solcher Stein in Hamburg, erzählte sie, und dieser sei für ihre Mutter sehr wichtig gewesen: Denn für den Vater der Mutter gebe es kein Grab, so bekam sie mit dem Stolperstein einen Ort des Gedenkens.

Namen zurückgeholt: der Künstler Gunter Demnig (links) verlegte in Dransfeld 13 Stolpersteine. Mitglieder des Dransfelder Bürgerforums und des Rates begleiteten ihn dabei. Kleines Bild: Die ersten sechs Tafeln im Gehweg vor dem Haus Lange Straße 29.

Die immer wieder geäußerte Kritik an den Stolpersteinen war dabei allen Akteuren bewusst: Wenn man die Gedenktafeln in den Boden lege, würden die Namen mit Füßen getreten, lautet diese. Daher ist nicht jeder mit dieser Form des Gedenkens einverstanden.

Die Initiatoren halten dem entgegen: Mit jedem Schritt auf eine der Messingtafeln wird diese blank poliert, der Name kommt umso beser zur Geltung. Um die kleine Inschrift lesen zu können, muss man sich ein wenig nach unten beugen: Man verneige sich also vor dem Namen.

Früher sei es üblich gewesen, Menschen im Boden von Kirchen zu bestatten, warf Demnig ein. Grabplatten bedeckten die Toten, und über diese Platten laufen seit Jahrhunderten Menschen, ohne etwas Negatives dabei zu denken - im Gegenteil: die Grabstätten, über die die meisten Leute gingen, waren sogar die begehrtesten.

Mit den Füßen stolpert übrigend niemand, wenn er die Stolpersteine überquert, denn sie sind ebenerdig verlegt. Das Stolpern, so Demnig, finde beim Anblick der Namen im Kopf und im Herzen statt. (tns)

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