Ein Herz für Bücher haben die ehrenamtlichen Büchereileiter

Escherode: Bücher beflügeln Fantasie

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Heimatbücher und Literatur für Kinder: Ulli Krämer betreut gemeinsam mit Benita Jogsch die Bücherei in Escherode. Sie öffnet montags von 16.30 bis 17.30 Uhr.

Escherode. Auch in der kleinsten Bücherei schlummern Welten zwischen den Buchdeckeln. Zum Beispiel in Escherode. 

Dass sich Ursula Krämer so sehr für Bücher begeistert, war keine Bauchentscheidung – sie kam eher aus dem Rücken heraus. Gegen ihre Rückenschmerzen empfahl ihr ein Therapeut, auf dem Bauch liegend Fernsehen zu gucken. „Einen Fernseher hatte ich nicht, also hab ich mich fürs Lesen entschieden. Das war bis dahin aber eigentlich gar nicht mein Ding“, sagt die 58-Jährige. Heute betreut sie gemeinsam mit Benita Jogsch die Bücherei in Escherode.

Montag, vier Uhr nachmittags. Ursula, genannt Ulli, Krämer geht in das Dorfgemeinschaftshaus in Escherode. Zwei breite Steintreppen führen hinauf zur Bücherei, die unterm Dach liegt. Sie schließt die verblasste, graue Holztür zur Bücherei auf und es kommt ihr der „Mief, der sich über eine Woche gesammelt hat entgegen“, wie Krämer erzählt. „Dann heißt es erst mal Fenster aufreißen, bevor die Leser kommen.“ Von der Bücherei aus blickt sie auf zwei Reitplätze.

Die Bücherei ist so groß wie eine Küche, in Regalen und Schränken mit Rolltüren stehen 800 Bücher zur Ausleihe bereit. „Pro Woche kommen so zwei bis vier Kinder“, sagt Krämer. Erwachsene leihen sich kaum mal Bücher aus. „Vielleicht liegt das daran, dass es hier früher nicht so viele neue Bücher gab. Aber es ist viel Aktuelles dazugekommen“, sagt Krämer. Neuerscheinungen kauft sie unter anderem mit dem Jahresetat von 60 Euro.

Am ersten Montag im Monat bietet sie zudem eine Vorlesestunde an. Diesmal sind sechs Kinder gekommen. Zunächst toben sie sich etwas in der Ecke mit den Kinderbüchern aus.

Zusätzlich ist sie Tagesmutter

Dort liegt ein Spielteppich, auf dem sie Autos mit der Hand steuern. Dann holt Ulli Krämer sich das Buch „Die schöne Schelly“, nimmt auf einem Bürostuhl Platz und setzt sich die Lesebrille auf.

Die Kinder setzen sich auf Hocker und Bänke vor sie und hören zu. Während Ulli Krämer vorliest, stehen die Kinder immer mal wieder auf, um selbst einen Blick auf die Seiten zu werfen. „Bücher beflügeln die Fantasie. Gerade Kinder können durchs Lesen ihre eigenen Interessen entdecken. Das ist wichtig, damit sie ihren eigenen Weg gehen können“, begründet Krämer.

Sie selbst liest am liebsten Bücher, die in anderen Ländern spielen. „Da kann ich die Mentalität und die Stimmung miterleben“, sagt Krämer.

Vor acht Jahren ist sie aus der Pfalz nach Escherode gezogen. „Ich war neu im Dorf und habe eine Möglichkeit gesucht, mich einzubringen“, erzählt sie. Von ihrer Mitbewohnerin wurde sie dann mit in die Bücherei genommen. Später hat Krämer sie dann abgelöst. Da die 58-Jährige zusätzlich als Tagesmutter arbeitet, freut sie sich, die Kinder zu treffen, die sie früher schon betreut hat. (tob)

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