Pendelverkehr zwischen Hemeln und Veckerhagen in Zeiten der Trockenheit:

Fähre trotzt dem Niedrigwasser

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Flaches Gefährt: Am Freitag trennten die Fähre noch 50 Zentimeter Wasser vom Boden. 

Hemeln. Seit 14 Jahren setzt Benjamin Bolte bereits Fußgänger, Fahrradfahrer und Autos über die Weser – bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Hochwasser oder Eisschollen können dem Fährbetrieb zwischen Veckerhagen und Hemeln einen Strich durch die Rechnung machen. Um Niedrigwasser macht sich der Fährmann normalerweise keine Sorgen. Jetzt könnte es nach langer Zeit wieder knapp unterm Schiff werden.

Denn das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hann. Münden hat den Wasserzulauf aus dem Edersee stark herunter gefahren, weil die Füllmenge der Talsperre unter die kritische Marke von 40 Millionen Kubikmetern gefallen ist. Normal hat der Edersee rund 200 Millionen Kubikmeter Wasser. Dadurch fiel der Stand der Weser am Pegel in Münden von rund 120 Zentimetern am Mittwoch auf circa 75 Zentimeter am Freitag.

Der 34-jährige Fährmann Benjamin Bolte macht sich deshalb noch keine Sorgen um den Fährbetrieb. Aufgrund des Niedrigwassers nehme er aber ein Auto weniger mit als üblich. 16 Tonnen kann die Fähre normalerweise zwischen dem hessischen und niedersächsischen Ufer hin und her transportieren: 45 Personen und sechs Autos.

Ein Problem für das Gefährt aus Stahl können Gegenstände auf dem Grund der Weser sein, erklärt Bolte. „Wir wissen nicht, was das Hochwasser der letzten Jahre angespült hat.“ Einen Baumstumpf, der am Unterboden der Fähre entlang schrappte, habe er bereits entfernt. „Wenn es hakt, ziehe ich mir eine kurze Hose an und gucke was da liegt.“ Ein Loch könnte so schnell jedoch nichts in das massive Gehäuse schlagen.

Das Niedrigwasser wirke sich aber auf die Geschwindigkeit der Fähre aus. Das wenige Wasser, das die Weser hinunterfließt, sei sehr langsam. Das führe dazu, dass die Fähre nicht so schnell fährt wie sonst. Sie wird nicht durch einen Motor, sondern durch die Strömung des Flusses vorangetrieben. „Das ist angewandte Physik“, sagt Bolte.

Seine Kundschaft lässt sich durch das Niedrigwasser nicht abhalten. Ein Stammkunde ist Klaus Heer aus Hemeln. Er setzt jeden Tag zwei Mal mit der Fähre über. Genau wie Benjamin Bolte war auch Heer beim letzten Niedrigwasser 1991 dabei: „Als die Fähre festsaß, haben wir uns Tische und Stühle aus dem Gasthaus Zur Fähre genommen, in die Weser gestellt und dort gegessen.“ Auch Benjamin Bolte erinnert sich an diesen besonderen Tag. Er war damals sieben Jahre alt und konnte in der Weser stehen. Sein Vater Reinhold Bolte fuhr zu der Zeit die Fähre, die mitten im Fluss auf Grund gelaufen war. „Die haben wir dann mit einem Seil am Trecker befestigt und rausgezogen“, erinnert sich der Fährmann mit 40 Jahren Erfahrung. Seitdem ist das Wasser nie wieder so niedrig gewesen, sagt Benjamin Bolte. Das es dieses Jahr so weit kommen wird, bezweifelt er. „Wir hören auf, wenn es anfängt zu kratzen.“

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