Dransfelder Fahrgast blitzt ab: Kein Platz im Bus fürs Fahrrad

Dransfeld. Lücke im Radweg und ein überfüllter Bus: Eine unglückliche Konstellation für Radfahrer, die zwischen Hann. Münden und Dransfeld unterwegs sind. So wie Heinz Pospiech aus Dransfeld.

Heinz Pospiech aus Dransfeld erlebte das kürzlich, als er eine Radtour in Hann. Münden beenden und mit dem Bus nach Hause fahren wollte: Der Busfahrer nahm ihn nicht mit. Begründung: Er müsse noch Schüler abholen, da sei für das Fahrrad kein Platz.

Theoretisch hätte der Dransfelder ohne sein Fahrrad einsteigen dürfen, aber das sollte ja auch mit nach Hause.

Der Bus sei in erster Linie zur Personenbeförderung da, macht Lars Behnsen von der Abteilung Kundendialog der Regionalbus Braunschweig (RBB) GmbH deutlich, nicht zur Güterbeförderung.

Das bedeute, wenn eine Gruppe angemeldet sei oder, wie in diesem Fall, Schüler abgeholt werden müssen, sodass der Bus sehr voll wird, dann müssten Gepäckstücke oder Fahrräder draußen bleiben. Vorrang vor dem Fahrrad hätten auch Frauen oder Männer mit Kinderwagen sowie mobilitätseingeschränkte Personen.

Ein Radfahrer könnte das Rad zurücklassen oder auf den nächsten Bus warten. Das sei zwar äußerst unglücklich, komme aber nicht oft vor und müsse dann vom Busfahrer dem Betroffenen auch entsprechend erklärt werden, so Behnsen weiter.

Im Beförderungsgesetz ist das so verankert, und auch in den Beförderungsbestimmungen der RBB so nachzulesen. Allerdings nicht an der Bushaltestelle. Pospiech: „Wenn eine Info an der Haltestelle wäre, dann wäre ich doch gleich weitergefahren.“

So aber hatte er eine dreiviertel Stunde auf den Bus gewartet, um dann, abgewiesen, doch mit dem Rad seinen Weg fortzusetzen. Das hatte er nicht aus Bequemlichkeit vermeiden wollen, sondern weil zwischen Wellersen und Dransfeld immer noch der Radweg fehlt. Radler müssen dort auf der Bundesstraße 3 fahren, was nicht gerade ungefährlich ist.

Der Lückenschluss im Radweg zwischen Gut Wellersen und Dransfeld lässt auf sich warten.

Dabei seien alle vorbereitenden Planungen abgeschlossen, es könnte mit dem Bau sofort losgehen, aber: Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Bad Gandersheim, konnte mit einem der betroffenen Grundstückseigentümer keine Einigung erzielen, sagt Bernhard Niehoff, Sachgebietsleiter Grunderwerb bei der Behörde.

Es bleibe nur noch ein Enteignungsverfahren, das vorbereitet, aber noch nicht eingeleitet sei, so Niehoff weiter. Erfahrungsgemäß dauere so ein Verfahren, wenn es gut läuft, neun Monate, es könne aber auch ein Jahr oder länger brauchen. Optimistisch geschätzt könnte man vielleicht im Herbst 2016 bauen.

Geprüft worden sei auch, ob man ein schnelleres Verfahren anwenden könnte, eine so genannte vorzeitige Besitzeinweisung. Die würde etwa drei Monate dauern, kann aber nur angewendet werden, wenn Dringlichkeit besteht, sprich: Wenn der Abschnitt ein Unfallschwerpunkt für Radfahrer wäre - was er aber nicht ist.

Auf dem Abschnitt gebe es aber für Radler „ein hohes Gefährdungspotenzial“, weil dort viel Verkehr ist und die Autos oft zu schnell fahren. „Wir wollen vorbeugend arbeiten“, der Radweg soll gebaut werden, bevor etwas passiert.

Das etwa 3,5 Kilometer lange Stück soll parallel zur Bundesstraße verlaufen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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