Ute Krach ist neue Ansprechpartnerin

Flüchtlingsberatung in Hann. Münden ist wieder komplett

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Wieder mit weiblicher Verstärkung: Superintendent Thomas Henning (links) und Flüchtlingsberater Nick Stucke mit der neuen Flüchtlingsberaterin Ute Krach. 

Altkreis Münden. Die Stelle der Flüchtlingsberaterin in Hann. Münden ist wieder besetzt: Ute Krach hat vor wenigen Wochen diese Aufgabe übernommen. 

Sie und Nick Stucke, der von Anfang an als Berater hier tätig ist, betreuen im gesamten Altkreis Münden derzeit etwa 90 Flüchtlinge. Dafür bringt die Neue im Team rund 30 Jahre Berufserfahrung mit. Die diplomierte Sozialarbeiterin, die zwischendurch auch schon mal in einer Druckerei oder einem Café arbeitete, war zuletzt beim Landkreis Göttingen angestellt und hatte sich um die Unbegleiteten Minderjährigen Ausländer gekümmert. So kenne sie die Strukturen, die zuständigen Behörden.

In Hann. Münden müsse sie sich jetzt erst bekannt machen, sagt die Göttingerin, doch schnell habe sie festgestellt, dass die Mündener sehr gut vernetzt seien: „Hier kennt jeder jeden, vieles geht Hand in Hand.“ Und sie selbst sei hier sofort sehr gut aufgenommen worden.

Der Landkreis Göttingen finanziert die Flüchtlingsberatung, die beim Diakonischen Werk des Kirchenkreises Münden angesiedelt ist. Die Landkreis-Stelle laufe Ende des Jahres aus, sagte Superintendent Thomas Henning.

Der Kirchenkreis garantiere Ute Krach aber einen Arbeitsplatz bis Ende 2019. Mit dem Landkreis führe man Gespräche, darüber, wie die finanzielle Ausstattung der Flüchtlingsberatung weitergehen kann und hoffe auf Unterstützung.

Zwar werden nicht mehr wöchentlich bis zu 30 Flüchtlinge zugewiesen, aber ein großer Beratungsbedarf bestehe nach wie vor, skizzieren es Henning, Krach und Stucke.

Standen 2015 noch die Asylverfahren im Vordergrund, so seien diese bei vielen heute abgeschlossen und es gehe um ganz andere Themen: Traumatisierung, Häusliche Gewalt, Verschuldung – praktisch die ganze Palette sozialer Probleme plus Sprachbarrieren.

Die Arbeit sei nicht erledigt, betont Superintendent Thomas Henning. Jetzt gehe es mehr und mehr um die Frage, „wie können wir die Leute hier so festigen, dass sie in der Gesellschaft ankommen?“ 

Bei Anträgen helfen oder beim Gang zum Amt, Termine vereinbaren oder bei Missverständnissen vermitteln: Das gehört nach wie vor zum Alltag der Flüchtlingsberatung. Darüber hinaus haben sich aber auch viele neue Themenfelder ergeben. Nick Stucke fasst das so zusammen: Habe man früher eher Masse abgearbeitet, müsse man heute viel mehr in die Tiefe gehen. Dabei wären neutrale Dolmetscher wichtiger denn je, aber es gebe zu wenige, längst nicht bei allen Gesprächen könne ein Übersetzer dabei sein. Dadurch dauerten die Beratungen um ein Vielfaches länger – und man könne nie sicher sein, ob auch alles richtig verstanden wurde, so Krach und Stucke. Die meisten der Flüchtlinge lebten in der Kernstadt Münden, einige in Oberode, weitere in Imbsen. 

Menschen aus Syrien stellten dabei die Hauptgruppe, gefolgt von Geflüchteten aus Afghanistan und einigen Eritreern. Waren am Anfang die Flüchtlinge Zugewiesene, die nach einem bestimmten Verteilerschlüssel nach Hann. Münden gekommen waren, so habe man heute auch verstärkt Menschen, die von Göttingen hierher ziehen, weil in der Uni-Stadt die Mieten für sie zu hoch sind. Dabei, so Ute Krach, sei bezahlbarer Wohnraum für die Geflüchteten auch in Hann. Münden nicht leicht zu bekommen. Viele hätten inzwischen zwar eine Bleibe, aber oft sei diese viel zu klein. „Da schlafen Eltern und mehrere Kinder alle in einem Zimmer, Schulkinder haben keinen Platz zum Hausaufgabenmachen.“ Andere Wohnungen müssten eigentlich saniert werden, bevor dauerhaft jemand darin wohnen kann. Sozialer Wohnraum sei rar, darunter litten auch deutsche Familien, macht Ute Krach deutlich. Flüchtlinge stießen zusätzlich immer wieder auf Vorurteile. Wenn er bei einem Vermieter anrufe, bekomme er einen Besichtigungstermin, sagt Nick Stucke. Komme dann der Geflüchtete mit, sei die Wohnung plötzlich bereits vergeben. 

Die Flüchtlingsberatung ist ein Angebot, das freiwillig genutzt werden kann. Einige kämen dann leider erst, „wenn’s brennt“, so Stucke, so wie ein Mann, der sich überschuldet hatte. Andere kommen dagegen vorsorglich regelmäßig, damit zum Beispiel die Flüchtlingsberater mit ihnen ihre Post durchsehen können und so kein wichtiges Schreiben untergeht. 

Kontakt

Die Flüchtlingsberatung ist untergebracht beim Diakonischen Werk des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Münden, Welfenstraße 5. Eine offene Sprechstunde wird dort donnerstags von 15 bis 16.30 Uhr angeboten. Telefonisch ist die Beratung erreichbar unter 05541/ 701 90-21 und -22, E-Mail: fluechtlingsberatung@kirchenkreis-muenden.de

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