Forst holt Netze ein

Bucheckern-Ernte für Bäume-Nachwuchs im Weserbergland

Bursfelde. Neun Mann füttern die Sortiermaschine: Das Team von Mathias Kiefer legt die Netze zusammen, schleift sie zur Maschine und schaufelt den Inhalt hinein. Eine Zentrifuge trennt die Blätte. Rüttelnd spuckt sie die Früchte in einen Auffangbehälter. Alles andere fliegt zurück in den Wald. So funktioniert die Bucheckern-Ernte.

Man könnte die Früchte auch essen oder Öl daraus pressen - doch diese Bucheckern sind allein zur Zucht von neuen Buchen bestimmt. Im Gebiet Thielebach der Revierförsterei Bursfelde stehen staatlich anerkannte Saatgutbäume. Unter den Buchen waren im September Netze ausgelegt worden, in die die Bucheckern hineinfielen. Jetzt war die Zeit fürs Einsammeln gekommen.

Einen Zentner bis zu 100 Kilogramm wiegen die Netze, die die Mitarbeiter herbeiziehen. Auf etwa zehn Kilogramm Bucheckern pro Baum schätzt Kiefer den durchschnittlichen Ertrag dieses Jahr. Die Fläche bei Bursfelde ist das südlichste Einsatzgebiet des Teams aus dem Landkreis Uelzen, das im Auftrag der Forstsaatgut-Beratungsstelle (fsb) Oerrel überall in den Niedersächsischen Landesforsten die Bucheckern einholt. Mit neun Mann schaffe man am Tag etwa 6000 Quadratmeter Netz, sagt Kiefer.

Die Herkunft des Saatguts wird genau verzeichnet, damit es später wieder auf ähnlichen Standorten verwendet werden kann, erläutert Revierförster Rainer Uebel. Die fsb arbeitet die Ernte auf, bewahrt das Saatgut oder lässt Bäume daraus züchten. Die Sortiermaschine ist eine Eigenentwicklung.

Die Buchen aus dem Bramwald werden wieder gut auf Buntsandstein im Weserbergland wachsen, hätten aber unter anderen Bedingungen Probleme. Wenn man nicht wisse, woher junge Bäume oder Saatgut stammten, wisse man auch nicht, wie sie wachsen, ob sie zur Holzernte geeignet seien oder wie sie auf bestimmte Krankheiten reagieren, so der Förster weiter. Mit einer genauen Katalogisierung könne man dagegen später wieder passgenau standortgerechte Bäume nachpflanzen und sicher sein, dass sie gut gedeihen.

Als Saatgutbäume werden nur besonders vitale Exemplare ausgewählt, deren gute Eigenschaften man auf diese Weise immer wieder reproduzieren kann. Die fsb kontrolliert in regelmäßigen Abständen, ob die Qualität noch gut genug ist. Der Förster muss bei der Bewirtschaftung des Saatgutbestandes darauf achten, dass immer genügend Platz bleibt, um die Netze auslegen zu können, und er lässt besonders gute Bäume stehen, damit sie kräftig Samen produzieren.

Von Bettina Sangerhausen

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.