Nachwuchs für Rinderherde: Frischlingswaise Johann ist zurück

Johann Weitemeyer aus Lippoldshausen staunte nicht schlecht, als er mit seinem Vater Frank eine Rinderherde beobachtete – und plötzlich etwas sah, das garantiert kein Kalb war.

„Hey, das ist doch das Wildschwein Johann“, dachte der Zehnjährige. In der Mündener Allgemeinen hatte er Ende September von dem vermutlich verwaisten Frischlingsmännchen gelesen. Wie damals berichtet, hatte das Tier Unterschlupf bei einer Rinderherde gefunden. Offensichtlich hatte der kleine Keiler zuvor seine Mutter oder den Anschluss an den Rest seiner Familie verloren – und wurde von der Rinderherde aufgenommen.

Johann Weitemeyer handelte nun sofort und filmte mit einem Smartphone seinen tierischen Namensvetter, während dieser sich in der Abendsonne genussvoll streckte und ihm eines der Rinder am Ortsrand von Meensen das Fell ableckte.

Im September erstmals entdeckt

Entdeckt hatte das Wildschweinkind Mitte September erstmals Jakob Kraft, dessen Familie in Meensen einen Bauernhof mit 30 Milchkühen bewirtschaftet. Nach der Veröffentlichung des Artikels in der Mündener Allgemeine stand bei ihm das Telefon nicht mehr still: Sechs Pressetermine absolvierte er, in allen großen Zeitungen wurde über den Fall berichtet, auf mehreren öffentlichen und privaten Fernseh- und Radiosendern lief die rührende Geschichte vom Findelkind Johann.

Dabei sah es zunächst nicht nach einem guten Ende aus. Nachdem im November die Kuhherde von Familie Kraft, bei der sich der Frischling aufhielt, in den Stall gebracht wurde, war das Tier für mehrere Wochen von der Bildfläche verschwunden. „Wir hatten schon Angst, dass er erschossen wurde – derzeit finden ja viele Treibjagden statt“, sagt Jakob Kraft. Doch dann tauchte das Tier plötzlich wieder auf bei einer zweiten Herde mit Jungrindern – und die bleiben auch den Winter über draußen.

Mittlerweile ist das Wildschwein auch kräftig gewachsen: „Er ist fit und auch richtig schnell“, sagt Kraft. Neben dem Getier, das der kleine Keiler im Boden findet, ernährt sich Johann auch von der Maissilage, mit denen die Rinder gefüttert werden. Jakob Kraft hofft nun, dass die Jäger in der Umgebung auch künftig den Finger gerade lassen, wenn ein einzelnes, nun etwa 25 Kilogramm schweres Wildschwein ihnen den Weg kreuzt: Es könnte Johann sein.

Ähnlicher Fall vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren hatte ein ähnlicher Fall aus dem Landkreis Göttingen bundesweit Schlagzeilen gemacht. Damals wurde Frischlingsmädchen Frederike von einer Gallowayherde bei Roringen adoptiert. Nach einigen Wochen wurde das Tier schließlich äußerlich unverletzt tot aufgefunden, offensichtlich litt es unter einer Durchfallerkrankung.

Von Christian Mühlhausen

Von Kühen aufgenommen: Wildschwein-Frischling Johann ist zurück

Rubriklistenbild: © Mühlhausen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.