Feier im April

Fünfter Geburtstag der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt: Voller Ideen fürs Fachwerk

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Gute Aussichten: Die Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt wird heute fünf Jahre – hier die Vorstände Bernd Demandt (links) und Sabine Momm sowie Aufsichtsratsvorsitzender Friedhelm Meyer im Haus Radbrunnenstraße 16. 

Hann. Münden. Zwei Häuser gerettet, das Grotefend-Geburtshaus im Blick und für Hann. Münden immer wieder positive Schlagzeilen gemacht: Die Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt wird am  Valentinstag fünf Jahre.

Gefeiert wird aber erst am 17. April, ab 18 Uhr, im Haus Speckstraße 7. Erklärtes Ziel der Bürgergenossenschaft: vernachlässigte oder verwaiste Fachwerkhäuser in der Mündener Altstadt wieder in Ordnung bringen und mit Leben füllen.

Mit 176 Mitgliedern ging es los, rund 300 sind es heute. Ziel für dieses Jahr: „Jedes Mitglied bringt noch einen mit!“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Friedhelm Meyer lachend.

Das erste Haus

Mit der verrückten Aktion „9mal24“ fing alles an: Die Bürgergenossenschaft kaufte für 20 000 Euro die Brandruine Speckstraße 7, um sie während des Denkmal-Kunstfestivals 2013 zu sanieren – neun Tage ehrenamtliche Arbeit rund um die Uhr, erinnern Bernd Demandt und Sabine Momm, Genossenschaftsvorstand. Dass bei einem derart stark sanierungsbedürftigen Haus nach neun Tagen noch nicht alles fertig sein kann, war allen klar. Aber das erste Bad sollte am Ende dieses großen Einsatzes möglich sein – und die Wette gewann Demandt. Nicht nur an diesen medienwirksamen neun Tagen arbeiteten die Ehrenamtlichen auf der Baustelle, sondern so lange, bis alles, was selbst gemacht werden konnte, erledigt war. „Jeder hat sein Bestes gegeben“, sagt Architektin Momm, „als sei es sein eigenes Haus“.

Anfangs seien viele noch skeptisch gewesen, erinnert sich Meyer. Doch dann wurde klar: Die verrückte Idee funktioniert tatsächlich. Menschen, die einander sonst nie begegnet wären, arbeiteten Seite an Seite auf der Baustelle. Und nach dem ersten Haus dachte keiner ans Aufhören.

Die Speckstraße 7 ist längst nicht nur vollständig saniert, sondern auch komplett vermietet. Im Untergeschoss fühlt sich das KunstNetz wohl, oben sind Wohnungen.

Das zweite Haus

Unterdessen kaufte die Bürgergenossenschaft das zweite Haus: Radbrunnenstraße 16. Es war verwaist, seit die Erben es ausgeschlagen hatten, und konnte für, einschließlich Nebenkosten, gut 1000 Euro erworben werden. Die Erben selbst hatten die Bürgergenossenschaft angesprochen, das Haus war in der Verantwortung der Oberen Finanzdirektion Göttingen. Entrümpeln, entkernen, Bauvorbereitung – ein großer Container voll mit Belägen und Verkleidungen wurde hinausgeschafft. Fassade und Fenster sind schon neu, drinnen geht es dieses Jahr weiter. Mieter für die 130 Quadratmeter Wohnfläche auf vier Etagen gibt es bereits. Deren Wünsche werden in die Planung einbezogen.

Das dritte Haus?

Noch ist viel zu tun am zweiten Genossenschaftshaus. Aber an Ideen für weitere Objekte mangelt es nicht. Eine davon: Das Geburtshaus von Georg Friedrich Grotefend, Sprachwissenschaftler, Altertumsforscher und Namensgeber des Mündener Gymnasiums, das in der Ziegelstraße ein Schattendasein führt.

Wenn es hier gelänge, die 50 Grotefend-Familien aus Deutschland und ebenso viele aus Übersee ins Boot zu holen, schwärmt Demandt, sodass diese alle Anteile an der Bürgergen ossenschaft kaufen, dann könnte es etwas werden mit dem notwendigen Kapital. Mit der Erbin des Hauses, die in Kanada lebt, steht die Bürgergenossenschaft jedenfalls in Kontakt. 

Die Genossenschaftsmitglieder halten Anteile im Wert von 79 800 Euro – das Kapital der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt. Einen Anteilsschein gibt es für 100 Euro. Die Kosten pro Schein waren absichtlich niedrig gehalten worden, um möglichst vielen den Einstieg in die Bürgergenossenschaft zu ermöglichen. 70 Prozent der Mitglieder haben genau einen Anteil. Weitere Informationen über Projekte, Mitgliedschaft und mehr gibt es auch im Internet.

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