Beschluss des Kreistages 

Gegen die "Gärten des Grauens": Landkreis Göttingen schützt Insekten 

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Blühstreifen sollen im Landkreis zum Schutz und zur Förderung von Insekten angelegt werden. 

Nie wieder Schottergärten? SPD, Grüne und Freie Wähler im Landkreis Göttingen fordern mehr Engagement für den Schutz der Insektenvielfalt - und legen fest, aus welchen Flächen

Der Landkreis wird daher nach Beschluss des Kreistages kreiseigene Flächen auswählen, die insektenfördernd umgestaltet werden können. Dies schließt auch eigene Schulgrundstücke mit ein, so der Beschluss.

Auf der Homepage des Landkreises sollen Umsetzung von insektenfördernden Maßnahmen im bebauten Bereich und in der offenen Landschaft thematisiert werden sowie auf Initiativen von Institutionen und Verbänden zu diesem Thema hingewiesen werden. Auch im Rahmen der Bauleitplanung werde die Kreisverwaltung beauftragt, Hinweise zur insektenfördernden Gestaltung der Grünflächen aufzunehmen. Geprüft werden soll, ob dies mit Fördermitteln finanziert werden könne.

Bestand der Feldvögel um 65 Prozent zurückgegangen 

Alle Fraktionen wendeten sich dem Thema der Biodiversität zu, stellte Bärbel Diebel-Geries, SPD, zufrieden fest. Wie überfällig das sei, erklärt die Fraktionsgruppe in ihrem Antrag: Neben der Funktion als Bestäuber von Kultur- und Wildpflanzen seien Insekten die Nahrungsquelle für viele Vögel, Reptilien, Kleinsäuger und andere Lebewesen, machte die Fraktionsgruppe in ihrem Antrag deutlich: Deren Anteil sei allerdings zurückgegangen, auch der Bestand der Feldvögel seit 1965 um etwa 65 Prozent. Die Ursachen seien unterschiedlich: eine vielfältige, intensiver werdende Landnutzung, der regelmäßige Einsatz von Chemikalien, die Versiegelung der Böden und die strukturelle Verarmung des Lebensraumes von natürlicher Flora und Fauna, heißt es im Antrag der Gruppe. „Die Ursachenforschung können Wissenschaftler übernehmen“, meinte Diebel-Geries dazu im Kreistag, „aber wir können schon jetzt etwas dagegen tun.“ Einige Kommunen im Landkreis seien schon aktiv, erklärte die Gruppe.

Wildpflanzen im öffentlichen Raum 

Im Raum Hann. Münden setzt sich beispielsweise die Initiative „Münden blüht und summt“ für den Schutz von Bienen und anderer Insekten ein, indem unter anderem Platz für heimische Wildpflanzen im öffentlichen Raum geschaffen wird.

Für Werner Wille, CDU, könnte der Landkreis mit diesem Beschluss Vorreiter sein für die naturnahe Pflege öffentlicher Flächen. Man erwarte regelmäßige Erfahrungsberichte zu diesem Vorhaben. Er appellierte auch dafür, dass man als Privatperson eigene insektenfreundliche Flächen schaffe. „Es kann nur Gewinner geben und es bereitet Freude, das Summen der Insekten zu beobachten.“

Es gebe bereits ein Umdenken, stellte Steffani Wirth, Sprecherin der Grünen im Kreistag für Klimaschutz und Energiewende, fest. Aus Umdenken müsse nun aber auch ein Prozess des Umsetzens und des Verstetigens werden. Klar sei für sie aber auch: „Landwirte müssen bezahlt werden, wenn sie mehr Raum für Biodiversität schaffen.“

Gegen die "Gärten des Grauens"

Nach Änderungsanträgen der CDU und der Gruppe Linke/Piraten/Partei wurde der Antrag der SPD/Grüne/FWLG angepasst: Statt „bienenfreundlich“ – da man die Biene als Symbolfigur für das Anliegen gewählt habe, so Diebel-Geries – folgt der Landkreis nun der erweiterten Handlungsempfehlung „insektenfördernd“. Der Änderungsantrag der Gruppe Linke/Piraten/Partei sah vor, Schottergärten im Landkreis Göttingen zu reduzieren und sogar zu verbieten. „Schaut euch die Internetseite „Gärten des Grauens“ an“, meinte Rieke Wolters Partei – dann wisse man schon, warum die Fraktionsgruppe sich gegen Schottergärten einsetze. Die Gruppe setzte sich weiterhin dafür ein, Bienenzüchter als Naturschutzverbände zu fördern, kostengünstig Saatgut für Blühstreifen auf den Deponien des Landkreises anzubieten sowie eine Quote für Blühstreifen für die kreiseigenen Grünflächen festzulegen. Eine Mehrheit im Kreistag lehnte diesen Änderungsantrag ab. Kris Runge, SPD, begründete unter anderem, dass die Wild-, nicht die Honigbiene, gefährdet sei und dass Pflanzensamen je nach Standort und Insektenvorkommen für die jeweiligen Regionen des Landkreises abgestimmt werden müssten.

Die „Gärten des Grauens“ kann man sich auf www.nabu.de oder auf der Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ anschauen 

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