„Artenschutz missachtet“

Gemeinde Scheden kritisiert Windkraftpläne im Landkreis Göttingen

In der Turnhalle Scheden steht Bürgermeisterin Ingrid Rüngeling vor 100 Besuchern
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In der Turnhalle Scheden informierte Bürgermeisterin Ingrid Rüngeling (links) über Windkraftpläne in der Gemeinde Scheden.

Am Freitag (16.07.2021) folgten rund 100 Menschen der Einladung von Schedens Bürgermeisterin Ingrid Rüngeling, sich in der Sporthalle der Johann-Joachim-Quantz-Grundschule bei einer Bürgerversammlung über die geplante Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen informieren zu lassen.

„Ich möchte ausdrücklich vorwegschicken, dass ich kein Windkraftgegner bin“, begann Ingrid Rüngeling ihre Ausführungen. „Aber es muss verträglich sein gegenüber Naturschutz, Artenschutz und auch gegenüber den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen.“ Und das sei bei dem neuen Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) durch den Landkreis Göttingen definitiv nicht der Fall.

Dieser Entwurf sehe in der Samtgemeinde Dransfeld nicht weniger als fünf Vorrangflächen für Windkraftanlagen mit einer Gesamtgröße von 256 Hektar vor – eine davon zwischen Scheden und Mielenhausen und eine zwischen Meensen und Scheden.

Weil auch die auf den anderen drei geplanten Flächen gebauten Anlagen vom Schedener Gemeindegebiet aus zu sehen wären (sie sollen zwischen Varlosen und Bühren, zwischen Varlosen und Wellersen und bei Jühnde direkt am Wald zum Hohen Hagen entstehen), würden die Menschen in Scheden, Meensen und Dankelshausen im Falle einer Umsetzung des Planes über Gebühr belastet werden.

Artenschutz: Milane in Gemeinde Scheden beheimatet

Mindestens genauso schlimm, wenn nicht sogar noch schlimmer, sei nach Rüngelings Meinung die Missachtung des Artenschutzes. „Im neuen RROP wird überhaupt keine Rücksicht auf die zahlreichen Rot- und Schwarzmilane genommen, die im Gemeindegebiet leben und hier ihre Horste haben“, bemängelte Rüngeling. Allein schon deshalb seien die in dem Plan ausgewiesenen Flächen „völlig ungeeignet“.

Überhaupt kein Verständnis zeigte die Gemeindebürgermeisterin dafür, dass der RROP-Entwurf für bestimmte Gegenden im Landkreis (wie eben die Samtgemeinde Dransfeld) „ganz erhebliche“ Windkraftflächen vorsieht, für andere aber nicht. „Der gesamte Harz ist beispielsweise ausgenommen, weil dort der Tourismus nicht beeinträchtigt werden soll“, berichtete Rüngeling. Dass der Hohe Hagen als Naherholungsgebiet ausgewiesen und damit ebenfalls bei Touristen beliebt ist, spiele keine Rolle. Und dann sei da noch der Fall der Stadt Göttingen, die für sich und ihre Dörfer entschieden habe, keine Windkraftanlagen zuzulassen, vom ländlichen Raum aber ausdrücklich erwarte, dass dort Windenergie erzeugt wird.

Samtgemeinde Dransfeld fordert Windkraft von RROP zu trennen

„Dieser Regionale Raumordnungsplan ist handwerklich einfach schlecht gemacht“, bemängelte Samtgemeindebürgermeister Mathias Eilers. Landschaftsschutzgebiete (LSG), die den Charakter einer Region erhalten sollen, dürften nicht „pauschal“ für die Bebauung von Windkraftanlagen freigegeben und der Artenschutz für die Energiegewinnung nicht „aufgeweicht“ werden.

Eilers sprach sich dafür aus, dass Thema Windenergie aus dem neuen RROP zu streichen und getrennt sowie in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden zu behandeln, um die Akzeptanz für Windenergie zu fördern. Da auch das Land Niedersachsen aktuell ein neues Landes Raumordnungsprogramm (LROP) erarbeitet, solle auf dessen Abschluss gewartet werden.

„Um zu verhindern, dass der neue RROP in Kraft tritt, ist es wichtig, dass möglichst viele Bürger bis zum 31. Juli ihre Stellungnahme dazu abgeben“, betonte Ingrid Rüngeling. Nur so könne erreicht werden, dass das Thema Windenergie tatsächlich vorerst gestrichen und dann gesondert überarbeitet wird.

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