Einzelbewerber mit zwei Sitzen

Gemeindewahl in Scheden: Harald Ruchlak hat die meisten Stimmen erhalten

Harald Ruchlak aus Scheden vor seinem Wohnhaus
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Harald Ruchlak hat als Einzelbewerber bei der Kommunalwahl in Scheden große Zustimmung erhalten.

Ein besonderes Ergebnis bei der Kommunalwahl hat es in der Gemeinde Scheden gegeben: Der Einzelbewerber Harald Ruchlak hat mit 16,98 Prozent aller Stimmen zwei Sitze im Rat gewonnen.

Mit 522 Stimmen hat er sogar die meisten Stimmen unter den Bewerbern erhalten. Für diesen Ausdruck des Vertrauens bedankt sich Harald Ruchlak bei seinen Wählern. „Nun muss ich zeigen, dass ich die Stimmen verdient habe“, sagt er im Gespräch mit der HNA.

„Die Bürger kennen mich“, erklärt der 66-Jährige. Der gebürtige Wiershäuser war in den 70er-Jahren DJ in der Schedener Dorfdiskothek, wie er berichtet. Der Kfz-Mechaniker führte von 1992 bis 1998 die Tankstelle an der Mündener Straße. Nach deren Schließung machte er sich mit einer Werkstatt nebenan selbstständig. Seine Kunden habe er stets als „zweite Familie“ betrachtet. Seine Ehefrau habe ihn in seiner Selbstständigkeit immer mit der Büroarbeit unterstützt. „Ohne sie hätte ich das nicht geschafft.“

19 Jahre lang führte er auch ein Dorfgemeinschaftshaus in Scheden. Als Rentner kaufte er vor drei Jahren die Deutsche Eiche und wollte dort wieder einen Treffpunkt im Dorf einrichten. „Mit 15 Jahren habe ich da Platten aufgelegt.“ Bei einem Besuch vor ein paar Jahren habe er alles wie damals vorgefunden. „Das war so ein Glücksgefühl“, erklärt Ruchlak seine Entscheidung, die Eiche neu zu eröffnen.

Deutsche Eiche Scheden coronabedingt geschlossen

Das Angebot sei sehr gut angenommen worden. Einen Gewinn habe er mit dem Dorftreff nicht erwirtschaften wollen. „Die Leute sollen einfach Spaß haben“, so sein Anspruch. Sie spielten Skat oder Knobeln, bedienten sich selbst an der Theke. Bezahlt wurde auf freiwilliger Basis. Für 2022 habe er schon 14 Anfragen gehabt. Doch seit Corona ist das alte Gasthaus geschlossen. Auch im Gemeinderat hatte sich Harald Ruchlak schon einmal engagiert. Vor 15 Jahren hatte er einen Sitz als Mitglied der Freien Wählergemeinschaft.

Neben der Selbstständigkeit habe er nur wenig Zeit für sein Ehrenamt gehabt. Als es dann zu Ärger in der Fraktion gekommen war, entschied er sich, frühzeitig sein Amt niederzulegen. Daran hätten sich die Bürger auch vor dieser Wahl erinnert, erzählt Ruchlak. „Nicht dass du wieder früher aufhörst, wenn ich dich wähle“ und „dieses Mal ziehst du aber durch“, waren einige Sätze, die er im Dorf hörte. Eigentlich wollte Harald Ruchlak dieses Mal für die SPD kandidieren, erzählt er. Weil er die Anmeldefrist verpasste, entschied er sich dazu, als Einzelbewerber anzutreten. Dieses Mal hat er nicht nur mehr Zeit, er hat auch frische Motivation, sich zu engagieren: Er ist unzufrieden über die jüngste Arbeit des Rates, vor allem was die Belastung der Bürger durch Straßenausbaubeiträge betrifft.

„Das Menschliche ist verloren gegangen“, sagt der 66-Jährige. Die Beiträge seien eine hohe finanzielle Belastung für die Bürger. Er kenne viele, die Kredite aufnehmen oder Land verkaufen mussten, um sie bezahlen zu können. Seiner Meinung nach hätten die Arbeiten auch in kleineren Umfang stattfinden und so weniger kosten können. Besonders ärgerlich sei, dass die neuen Straßen für die Glasfaserarbeiten wieder aufgerissen wurden. „Ich bin ein offener und ehrlicher Mensch“, beschreibt sich Harald Ruchlak selbst. Was er in den kommenden fünf Jahren im Rat bewegen kann, könne er jetzt noch nicht abschätzen. Sein Ziel sei es, die Bevölkerung zu unterstützen. „Wenn ich hier sitze und schimpfe, verändert sich nichts.“

Wahlgesetz: Zweiter Sitz bleibt unbesetzt

In der Gemeinde Scheden waren bei der Kommunalwahl am 12. September 1589 Menschen wahlberechtigt. Davon haben 1044 Bürger, also 65,7 Prozent, Gebrauch gemacht. Die SPD hat 21,27 Prozent (2 Sitze) erhalten, die CDU 9,43 Prozent (1 Sitz), die Freien Wähler 52,33 Prozent (6 Sitze) und Harald Ruchlak 16,98 Prozent (2 Sitze). Wenn ein Einzelwahlvorschlag mehr als einen Sitz erhält, bleibt laut Niedersächsischem Kommunalwahlgesetz der zweite Sitz unbesetzt. Die Anzahl der Sitze im Schedener Rat verringert sich in der kommenden Legislaturperioder somit von elf auf zehn. 

(Kim Henneking)

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