MRE-Netzwerk Südniedersachsen startet – Ziel: klares Vorgehen und weniger Fälle

Gemeinsam gegen multiresistente Erreger

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Vollzug: Im Freigeist Göttingen wurde das MRE-Netzwerk Südniedersachsen gegründet - eine Allianz im Kampf gegen Multiresistente Erreger (MRE). Mit dabei Vertreter aus den Krankenhäusern der Region, dazu Sozialdezernentin Petra Broistedt, Landrat Bernhard Reuter und Landesgesundheitsamtchef Dr. Matthias Pulz.

Göttingen. Die Steilvorlage lieferte eine frisch veröffentlichte, Insidern aber längst Zahl der Europäischen Seuchenbehörde DCDC: 33 000 Menschen starben 2015 an den Folgen einer Infektion mit 16 Arten multiresistener Keime, die nicht auf üblicherweise verwendete Antibiotika ansprechen. 2015 erlitten europaweit 670 000 Menschen eine Infektion durch multiresistente Erreger. In Deutschland waren es 55 000 Menschen und 2400 Todesfälle.

Ein Patentmittel im Kampf gegen die Keime ist das am Dienstag im Hotel Freigeist gegründete MRE-Netzwerk Südniedersachsen noch nicht, aber ein erster Schritt zu einem koordinierten Vorgehen vieler Akteure.

Zunächst Krankenhäuser, von Hann. Münden bis Einbeck, und Gesundheitsämter sind unter der Regie der Gesundheitsregion Südniedersachsen im Anti-Keime-Netz dabei. Sie agieren gemeinsam, bald sollen Seniorenheime, niedergelassene Ärzte und Fachärzte sowie Rettungsdienste und Krankentransporte hinzukommen.

Das MRE-Netzwerk Südniedersachsen aber ist ein Nachzügler, denn in anderen Regionen des Landes, wie Hildesheim, Rotenburg-Wümme, Lüneburg, gibt es diese Verbindungen bereits längst – sogar über Nationen-Grenzen hinweg: in der Region Twente–Münster.

Als Vorbild für das Südniedersachsen-Netz empfahl Landesgesundheitsamtsleiter Dr. Matthias Pulz den Zusammenschluss im Raum Osnabrück. Dort gibt es auch eine für den Erfolg wichtige Organisationsstruktur, mit einer zentralen Ansprechperson. Um die Ziele einordnen zu können, muss man wissen, welche „Teilnehmer“ in einer Region die Ausbreitung von meist schwer zu behandelnden – wenn sie ausgebrochen sind – multiresistenten Erregern (MRE) ermöglichen. Um die Krankenhäuser herum sind das die bereits genannten potenziellen Mitglieder des erweiterten Netzwerkes.

Leider hapert es oft an der Kommunikation untereinander, denn es gibt keine klaren Regelungen, übergreifende Handlungsanweisungen, feste Informationswege. Diese zu schaffen, sei eine Bedingung, um später erfolgreich zu sein, sagte Pulz. Und Dr. Eckart Mayr, Leiter des Gesundheitsamtes für Stadt und Kreis Göttingen, übernahm diese Aussage gleich als ein Premium-Ziel des Netzwerkes. Er betonte, wie auch der Fachreferent zum Thema, Uni-Klinik-Hygieniker Dr. Martin Kaase, dass eine klare Kommunikation bei Fällen von infizierten Menschen extrem wichtig ist. Mayr bekannte: „Da gibt es noch deutliche Defizite.“

Hobby-Ausdauersportler Mayr machte zudem klar, dass der Aufbau einer effektiven Zusammenarbeit ein Dauerlauf sei. Auf der Strecke sollen ein offener Umgang miteinander, klare Vorgehensweisen bei Infektionen, bessere Wissensweitergabe und feste Strukturen entwickelt werden, um im Ziel – irgendwann – die Übertragungs- und Infektionszahlen verringert werden – und das bei aktuell steigenden Fallzahlen. Eine Alternative zum Netzwerk gibt es nicht, sagte Göttingens Landrat Bernhard Reuter, der die Unterstützung der kommunalen Einrichtungen zusagte.

Der Verein „Gesundheitsregion Südniedersachsen“ wird die Arbeit koordinieren.

Das MRE-Netzwerk Südniedersachsen

Das Netzwerk umfasst zunächst 20 Krankenhäuser und Reha-Kliniken in den Kreisen Northeim (3 Krankenhäuser, 3 Reha-Kliniken) und Göttingen (11/3)  - von Bad Gandersheim im Norden, über Uslar im Westen, Zorge im Osten und Hann. Münden im Süden. Sie gründeten das MRE-Netzwerk am Dienstag. Weitere Beteiligte im Umgang mit infizierten Menschen werden dazukommen: Krankentransporte, Rettungsdienste, Seniorenzentren und Labore. Vordringliches Ziel ist es, die Weiterverbreitung multiresistenter Keime zu verhindern, klare Leitlinien und Standards für Umgang und Vorgehen festzulegen, die Hygienebedingungen zu verbessern und eine Zusammenarbeit zu verbessern. Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) soll für die Weitervermittlung neuer Erkenntnisse zum Thema sorgen. 

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