"Der Spaßfaktor spielt eine wichtige Rolle"

Göttinger Experte spricht über Bedeutung des Ehrenamts

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Erfolgreich: Carsten Hufenbach fliegt um die Welt und berät Unternehmen im Bereich der Prozessoptimierung. 

Ohne ehrenamtliches Engagement würden viele Projekte in der Region um Hann. Münden nicht funktionieren. Doch was macht den Reiz am Ehrenamt aus? Wir sprachen mit einem Experten. 

Carsten Hufenbach berät branchenübergreifend Unternehmen auf der ganzen Welt im Bereich der Prozessoptimierung. 

Zu seinen Kunden gehören unter anderem Unternehmen aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie.

Hufenbach arbeitet auch als Professor an der Göttinger Hochschule im Bereich Qualitätsmanagement. 

Trotz seiner vielen Aufgaben engagiert er sich beim DRK-Kreisverband Göttingen-Northeim. Wir haben mit ihm über die Stärkung und Bedeutung des Ehrenamts gesprochen.

Herr Hufenbach, Sie arbeiten als Professor und sind in der ganzen Welt unterwegs, um Konzerne zu beraten. Trotzdem finden Sie daneben auch noch Zeit, sich als Präsident des DRK-Kreisverbandes ehrenamtlich zu engagieren. Empfinden Sie diese zusätzliche Belastung nicht als zu hoch?

Nein. Im Gegenteil: Mein Ehrenamt befreit mich richtig. Denn ich kann mein Wissen bei einer gemeinnützigen Organisation einbringen, ohne meine Hand für Geld aufzuhalten. Das macht mir viel Spaß.

Warum macht es nicht mehr Leuten Spaß, sich ehrenamtlich für etwas einzusetzen?

Das weiß ich nicht. Aber fest steht: Der Spaßfaktor spielt für die Ausübung eines Ehrenamts eine wichtige Rolle. Und ein Ehrenamt bereitet viel Freude. Das müssen wir vermitteln. Leider schaffen wir es zurzeit nicht, genügend Jugendliche zu mobilisieren.

Wie kann man das verändern?

Man könnte Kinder schon im Grundschulalter an das Ehrenamt heranführen. Ein aktuelles Beispiel ist der Schulsanitätsdienst. Die Schüler entwickeln dort Spaß für die Sache. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einige Schüler später mal beim Roten Kreuz mithelfen. Auch ein verpflichtendes Schulfach könnte das Interesse für ehrenamtliches Engagement wecken.

Brauchen wir ein gesellschaftliches Umdenken über das Ehrenamt?

Unbedingt. Das muss unser Grundanspruch sein. Leider ist für einige die Bekleidung eines Ehrenamtes nicht cool genug. Viele sind schwer zu motivieren.

Welche Anreize müssen Ihrer Meinung nach geschaffen werden?

Universitäten könnten Studenten, die sich in den Semesterferien engagieren, mit Credits belohnen. Aber Anreize allein werden nicht genügen. Ich plädiere für die Einführung eines verpflichtenden Freiwilligendienstes. Helfen muss Pflicht werden. Dafür brauchen wir die Rückendeckung aus der Politik.

Muss das Ehrenamt besser finanziert werden?

Höhere Aufwandsentschädigungen könnten helfen. Aber es gibt keine Geldtöpfe für eine solide Finanzierung – weder auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene. Aber Geld alleine hilft natürlich auch nicht. Was nützt der Gesellschaft ein toller Katastrophenschutzwagen ohne Fahrer?

Ihre Analyse klingt dramatisch. Sind Ehrenamtler wirklich so wichtig?

Ja, absolut. Der Dienst an der Gesellschaft ist eine Notwendigkeit. Wenn sich der Trend fortsetzt, wird das Ehrenamt – wie wir es kennen – wegfallen. Ich will mir gar nicht vorstellen, was das für ein großer Verlust wäre. Unser gesamtes Sozialsystem würde zusammenbrechen – ob Feuerwehr, DRK oder DLRG: Alle wären betroffen.

Warum engagieren sich trotzdem immer weniger Leute? Ist es den Menschen egal, dass ein Systemkollaps drohen könnte?

Das glaube ich nicht. Ich befürchte, dass vor allem junge Menschen gar nicht wissen, wie sehr das Funktionieren unserer Gesellschaft vom Ehrenamt abhängt. Sie nehmen es als selbstverständlich an, dass Hundestaffeln, Feuerwehren und der Technische Hilfsdienst bei Katastrophen ausrücken. Viele Einsatzkräfte arbeiten freiwillig. Und das wissen zu viele nicht.

Zur Person: Carsten Hufenbach

Prof. Dr. Carsten Hufenbach (59) wuchs in Herzberg am Harz auf und zog 1980 nach Göttingen. Dort absolvierte er an der Georg-August-Universität ein naturwissenschaftliches Studium. Nach seiner Promotion gründete Hufenbach ein Beratungsunternehmen. Seine Verbindung zur Uni blieb bestehen. Hufenbach arbeitet als Verwaltungsprofessor im Bereich Qualitätsmanagement. Der 59-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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