Kleiner Ort will noch attraktiver werden

Güntersen als "Dorf mit Zukunft": Ortsbürgermeister zieht Zwischenbilanz

Landkreis Göttingen. Wie kann man das Leben auf dem Land attraktiver machen und dem demographischen Wandel entgegen wirken? Um eine Antwort zu finden, hat der Landkreis Göttingen ein Projekt mit dem Titel „Dorf mit Zukunft“ aufgelegt.

Für die Umsetzung wurde das bei Niemetal gelegene Güntersen ausgewählt. Für Ortsbürgermeister Dr. Norbert Hasselmann (Grüne) ist offensichtlich: „Im Landkreis zählt unser Gemeindegebiet zu denen, die am stärksten von Einwohnerrückgang und Überalterung betroffen sind.“

Als man sich vor drei Jahren die zu Adelebsen gehörenden Ortschaften ansah, stellte man fest, dass in Güntersen in den vergangenen 20 Jahren kaum Bauplätze ausgewiesen wurden und die Zahl der Einwohner in diesem Zeitraum von über 800 auf aktuell nur noch 700 schrumpfte. Als Hauptgründe gelten vor allem die schlechte Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr und die damit verbundene immer schwieriger werdende Versorgung gerade der älteren Einwohner.

„Das Problem ist, dass wir keine direkte Busverbindung mehr nach Göttingen haben“, sagt Hasselmann. Habe die Fahrt in die Stadt früher gerade mal 20 Minuten gedauert, müsse man jetzt die Verbindung über Adelebsen und damit eine Fahrtzeit von einer Stunde in Kauf nehmen, wozu aber kaum jemand bereit sei.

Schwierig sei diese Situation speziell für ältere Menschen, die kein Auto mehr fahren und häufiger zum Arzt müssen. Seit dem Projektstart im September 2010 hat sich nun bereits einiges getan in Güntersen. Den Auftakt machte eine Bürgerversammlung. Unter dem Motto „Fit für die Zukunft - mit Alt und Jung Hand in Hand!“ trugen die Dorfbewohner seinerzeit die Probleme zusammen und entwickelten erste Ideen. „Es ging um den öffentlichen Nahverkehr, aber auch um Altenversorgung, altersgerechtes Wohnen, wie man den Zuzug ankurbeln kann und ähnliches“, berichtet Norbert Hasselmann.

Gegründet wurden zwei Arbeitsgruppen, die sich seither mit den Themen „Versorgung“ und „Wohnen und Nachbarschaft“ befassen. Neben ersten Gesprächen mit dem Landkreis und dem zuständigen Busunternehmen über die Möglichkeiten einer verbesserten Anbindung an Göttingen gab es auch schon konkrete Ergebnisse. So wurden Wanderwege für Senioren erkundet, ein Computerkurs für Senioren, ein Erzählcafé und ein Suppentag ins Leben gerufen, die Akzeptanz des Dorfladens verbessert, ein Schwarzes Brett und ein „Kummerkasten“ installiert und ein Infoblatt für Neubürger entwickelt. Außerdem findet jeden Monat eine Dorfversammlung statt.

„Es ist wichtig, dass tatsächlich etwas passiert,“ hat Hasselmann erkannt. „Für viele Leute werde erst durch dieses Projekt das Bewusstsein geschaffen, dass sich etwas ändern muss. Und: Es ist wichtig, auch Jugendliche schon in den Prozess einzubinden, dass ohne sie das Ganze nicht funktionieren kann.“

Nach Projektende im Herbst 2012 werden die Ergebnisse vom Landkreis untersucht und an alle seine Dörfer weitergereicht. „Bei uns wird der Prozess danach auf jeden Fall weiterlaufen“, zeigt sich der Ortsbürgermeister mit den bisherigen Resultaten „sehr zufrieden“. (per)

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