Gustav Eberlein in Tilsit

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Rekonstruiertes Luisen-Denkmal: Bildhauer Denis Prasolov (links) und Bildhauer Pavel Ignatev im Atelier in St. Petersburg. Foto:  Privat/nh

Hann.Münden/Tilsit. Am 6. Juli 2014 wird in Tilsit, dem heutigen Sowetsk im Gebiet Königsberg (Kaliningrad), das Denkmal für die Königin Luise von Preußen eingeweiht. Dieses Werk ist eine Rekonstruktion des acht Meter hohen Königin-Luise-Monuments in speziellem Kunststein. Das Original aus Carrarischem Marmor wurde 1900 von Professor Gustav Eberlein geschaffen und nach dem Zweiten Weltkrieg vollkommen zerstört.

Interessant ist die Tatsache, dass die russischen Bildhauer Pavel Ignatev und Denis Prasolov das Denkmal im St. Petersburger Atelier in nur einem Jahr nach Darstellungen auf alten Fotografien und Postkarten rekonstruieren sollten, erklärt der Vorsitzende der Gustav-Eberlein-Forschung, Professor Rolf Grimm.

Da man jedoch keine Abbildungen besaß, traf sich Pavel Ignatev mit Rolf Grimm in Hannover. Dort erhielt er eine Anzahl Ansichtskarten und Fotos des Denkmals und umfangreiches Quellenmaterial, unter anderem die Doktorarbeit von Dr. Gabriele Paetzold (Eberleins Denkmäler). Dabei machte er sich anhand von originalen Marmor- und Bronzewerken mit der künstlerischen Handschrift Eberleins vertraut.

Grimm war in die Restaurierungsschritte durch Internetkontakte laufend einbezogen. Olga Kudelina, die den Kontakt zu Ignatev herstellte, und Dr. Elisabeth Liphardt unterstützten bei der Übersetzung der Mails in die russische Sprache.

Im Museum Hann. Münden war das originale Hartgipsmodell der Königin mit Sockel nachweislich anhand des Museumsführers bis wenigstens 1938, vielleicht auch bis 1960 noch vorhanden. Mit Hilfe dieses Modells wäre die erneute Übertragung in Marmor in St. Petersburg einwandfrei möglich gewesen.

Die Enthüllung des Monuments wird anlässlich der 200-jährigen Feier der Vertreibung Napoleons aus Russland begangen. Königin Luise galt als ein Symbol Deutschlands und heute auch wieder Russlands in diesem Krieg.

Das von Eberlein geschaffene und 1995 mit Hilfe der Gustav-Eberlein-Forschung restaurierte, überlebensgroße Gipsoriginal der Gruppe „Königin Luise und Napoleon in Tilsit“ bildete im Jahr 2010 die Hauptattraktion in der Berliner Luisen-Ausstellung im Schloss Charlottenburg. Dieses Unikat ist jetzt als Leihgabe des Museums Hann. Münden im Ostpreußenmuseum Lüneburg zu sehen. (awe)

Von dem 1847 in Spiekershausen geborenen und seit 1856 mit seiner Heimatstadt Hann. Münden engstens verbundenen Gustav Eberlein stammen neben vielen anderen bedeutenden monumentalen Marmorwerken auch das Richard-Wagner-Denkmal und das Lortzing-Denkmal im Berliner Tiergarten, das Goethe-Denkmal in Rom, die Marmorgruppe „Gottvater haucht Adam den Odem ein“ in Hann. Münden und die Marmorgruppe „Der Große Pan“ im Rathaus Staufenberg (Landwehrhagen).

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