16-jähriger Flüchtling sprang aus Verzweiflung aus Fenster

Ex-Kurhessenkaserne: Aus einem Fenster in der obersten Reihe ist der 16-Jährige in die Tiefe gesprungen. Foto:  Welch

Hann. Münden. Ein Vorfall in der ehemaligen Kurhessenkaserne in Neumünden hat für Entsetzen gesorgt. Am Donnerstagmorgen ist ein 16 Jahre alter unbegleiteter Flüchtling aus einem Fenster im Obergeschoss eines Gebäudes in die Tiefe gesprungen.

Aus einer Höhe von circa acht Metern auf eine Rasenfläche.

Der junge Afghane zog sich wie durch ein Wunder keine komplizierten Verletzungen zu, sagt Heiko Keller von der Jugendhilfe Südniedersachsen (JSN). Der Jugendliche wurde nach Göttingen in ein Krankenhaus gebracht und sollte bereits am Freitag wieder entlassen werden.

„Er war frustriert“

Der junge Flüchtling, der seit etwa fünf Monaten in Hann. Münden ist, ist aus Verzweiflung gesprungen, da ist sich Heiko Keller sicher. Ob der 16-Jährige sich das Leben nehmen wollte, bleibt Spekulation. Vermutlich ist er mit seiner aktuellen Situation nicht klar gekommen. Keller: „Er war frustriert.“

Dem jungen Mann war vor wenigen Tagen ein neuer Aufenthaltsort zugewiesen worden - in Ostfriesland. Doch dort hat er es offenbar nicht ausgehalten, weil er sich allein fühlte, ohne seine vier, fünf besten Freunde aus der Mündener Unterkunft. Er stieg in den Bus und reiste nach Münden zurück. Dort sei ihm klargemacht worden, sich an die Bestimmungen zu halten, er müsse wieder in den Norden Niedersachsens. Diese Tatsache führte wohl zum Sprung aus dem Fenster.

Kurz nach dem Sprung seien als erste Maßnahme alle Fenstergriffe in dem Gebäude entfernt worden, sagt Keller, um ein Öffnen zu verhindern. Lediglich durch einen Spalt komme nun Frischluft in das Gebäude. Alle Betreuer seien sehr betroffen gewesen nach dem Sprung, „damit hat niemand gerechnet“, sagt Keller: „Kurz vor dem Sprung ist der Junge an mir auf dem Flur ganz ruhig vorbeigegangen, ins Bad.“ Von dort ist er gesprungen.

Ein Hauswirtschaftsmitarbeiter hatte bemerkt, dass das Fenster geöffnet war und der junge Mann in die Tiefe gesprungen sein muss. Der alarmierte Rettungswagen brachte den 16-Jährigen in eine Göttinger Klinik. Er soll nicht mehr nach Münden zurückkehren, sondern seinen Neustart in Ostfriesland beginnen. Diesmal mit befreundeten Flüchtlingen aus Hann.Münden, um dem 16-Jährigen eine Perspektive zu geben.

Gebotene Maßnahme

Heiko Keller macht klar, dass der Wechsel des Jungen nach Ostfriesland kein willkürlicher bürokratischer Akt ist, sondern eine gebotene Maßnahme, weil der 16-Jährige Regeln in der Mündener Unterkunft gebrochen habe. Die Unterkunft im Norden sei kleiner und für den Afghanen besser geeignet.

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