Corona erschwert Ramadan 

Muslimische Gemeinde feiert Ende des Fastenmonats

Rund 200 Muslime kamen am frühen Sonntagmorgen auf dem Parkplatz vor dem Mündener Hochbad zusammen, um gemeinsam das von Imam Ömer Demirtas (rechts) geleitete Ramazan Bayrami-Gebet zu begehen
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Rund 200 Muslime kamen am frühen Sonntagmorgen auf dem Parkplatz vor dem Mündener Hochbad zusammen, um gemeinsam das von Imam Ömer Demirtas (rechts) geleitete Ramazan Bayrami-Gebet zu begehen. Foto: PER Schröter

Um die geltenden Mindestabstände einhalten zu können, wurde das Gebet zum Ende des Fastenmonats Ramadan unter freien Himmel verlegt.

Mit einem gemeinsamen Gebet an ungewöhnlicher Stelle hat der DITIB-Moschee Verein Hann. Münden am frühen Sonntagmorgen das Ende des Fastenmonats Ramadan und den Beginn des dreitägigen Ramazan Bayrami-Festes gefeiert.

Knapp 200 Männer jeden Alters waren um kurz nach 6 Uhr auf den Parkplatz vor dem Mündener Hochbad zusammengekommen, wo Imam Ömer Demirtas das feierliche Gebet leitete. Dieses war wegen des zu erwartenden Andrangs unter freien Himmel verlegt worden, weil in der Stadtmoschee Merkez Camii aufgrund der Coronaeinschränkungen derzeit nur maximal 40 Personen gleichzeitig beten dürfen.

„Das Ramazan Bayram-Gebet ist eines der bedeutendsten Gebete überhaupt für uns Muslime und vergleichbar mit dem christlichen Gottesdienst an Heiligabend“, sagte Hasan Akman, stellvertretender Vorsitzender des Mündener Moschee Vereins. Umso dankbarer sei man der Stadt Hann. Münden und dem städtischen Rechtsdirektor Volker Ludwig für die Genehmigung, das Gebet am Hochbad veranstalten zu dürfen.

„Die letzten elf Wochen waren sehr schwer“, betonte Hasan Akman. Wie alle anderen Religionen habe auch den Islam die Corona-Krise und das damit verbundene Gottesdienst- und Gebetsverbot in Kirchen und Moscheen hart getroffen. „Besonders bitter für uns war, dass es genau in die Zeit des Ramadan fiel“, so Akman.

Während der 30-tägigen Fastenzeit, in der Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen oder trinken dürfen, sei es üblich, abends gemeinsam in der Moschee zu beten und dann auch das Fastenbrechen mit Freunden und Verwandten zu begehen.

„Diesmal fand das alles im Kreise der Familie in den eigenen vier Wänden statt“, berichtete Akman. Eine Situation, die er so noch nie erlebt habe und an die sich auch sein betagter Vater nicht erinnern könne.

„Auch wenn wir beim Ramazan Bayrami weiterhin auf die sonst üblichen großen Familienfeste verzichten müssen, sind wir sehr glücklich, dass wir heute zumindest das Festgebet gemeinsam begehen können“, betonte Hasan Akman. Er könne sich gar nicht vorstellen, wie es für seine Glaubensbrüder in der Türkei sein müsse, wo wegen der Corona-Pandemie derzeit eine strikte Ausgangssperre herrscht.

„Natürlich steht die Gesundheit der Menschen auch dort an erster Stelle und deshalb muss man die Einschränkungen auch akzeptieren“, meinte Akman. Das ändere aber nichts daran, dass die Situation für die meisten Gläubigen nur sehr schwer zu ertragen sei.

Für die Freitagsgebete in den Moscheen, die in Niedersachsen seit vergangener Woche unter strengen Auflagen wieder erlaubt sind, hat sich der Mündener Moscheeverein etwas einfallen lassen. „Um jedem, der daran teilnehmen möchte, auch die Möglichkeit dazu zu geben, bieten wir gleich zwei Gebete an – eines um 13.20 Uhr und eines um 14.20 Uhr“, kündigte Hasan Akman an. Am vergangenen Freitag habe sich dies schon bewährt und so werde man diese Regelung zunächst einmal für die nächsten vier Wochen beibehalten.

Dennoch hoffe er, dass sich die Lage bald wieder normalisiere und die Menschen weltweit möglichst schnell wieder ohne Einschränkungen zum gemeinsamen Gebet zusammenkommen können.

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