Warnsystem, das Fußgänger und Radler schützt, noch nicht weit verbreitet

Abbiege-Assistent ist in kommunalen Lkw die Ausnahme

Altkreis Münden - Unter Verkehrsexperten wird der Ruf lauter, Lkw mit einem Abbiege-Assistenten auszustatten, damit Fußgänger und Radfahrer auch im „toten Winkel“ erkannt werden können. Damit sollen schwere Unfälle beim Rechts-Abbiegen vermieden werden.

Zuletzt war diese Forderung auch Thema beim Verkehrsgerichtstag in Goslar Ende Januar. In den kommunalen Fuhrparks in der Region sind Lkw mit derartigen Systemen noch die Ausnahme, wie eine Umfrage ergab. So teilte der Landkreis Göttingen mit, dass von seinen fast 60 Fahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 2,8 Tonnen bisher drei mit einem Abbiegewarnsystem ausgestattet sind. 

Das Thema soll im Kreistagsausschuss für Wirtschaft und Verkehr am kommenden Montag, 25. Februar, erörtert werden. Die Stadt Hann. Münden verfügt bisher über keinen Lkw mit einem solchen System. Ihr sei das Abbiege-Problem aber bekannt. So besetze zum Beispiel die Stadtentwässerung die großen Fahrzeuge immer mit Fahrer und Beifahrer. „Der Beifahrer hat entsprechend den Gehweg im Blick und die Gefahr eines toten Winkels ist ebenfalls gemindert“, so Julia Bytom, Sprecherin der Stadt. Und bei Neuanschaffungen werde auch immer das beim Hersteller jeweilig vorhandene Warnsystem eingesetzt. 

Das jetzt neu in Dienst gestellte Spülfahrzeug der Stadtentwässerung sei bereits 2017 bestellt worden. Damals habe der Hersteller den „Toten-Winkel-Assistenten noch nicht im Angebot gehabt.“ Die Fahrzeuge am Bauhof in Dransfeld seien nicht so groß, dass der Abbiege-Assistent hier nötig wäre, so Samtgemeindebürgermeister Mathias Eilers auf Anfrage. In der Gemeinde Staufenberg verfügt der Bauhof über einen schweren Lkw. Nach Angaben von Stefan Müller vom Staufenberger Gemeindeservice war das heute rund zweieinhalb Jahre alte Fahrzeug ein Vorführwagen, der noch nicht mit dem System ausgestattet war. Bei künftigen Neuanschaffungen soll aber auf eine Abbiegehilfe geachtet werden. 

Die Verbände der Transport- und Logistikwirtschaft plädieren an das Bundesverkehrsministerium, den Fördertopf Abbiege-Assistenten wieder aufzufüllen: Binnen vier Tagen sei dieser leer gewesen, berichtet der Bundesverband für Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung.

„Ganz offensichtlich ist es das richtige Förderprogramm zur rechten Zeit“, so der Verband. Nach seinen Angaben konnte seit dem 21. Januar 2019 beim Bundesamt für Güterverkehr (BAG) für Lkw und Busse, die für die Ausübung gewerblicher, freiberuflicher, gemeinnütziger oder öffentlich-rechtlicher Tätigkeit angeschafft und betrieben werden, eine Förderung von Abbiege-Assistenzsystemen beantragt werden. Bereits am 25. Januar seien die für das Haushaltsjahr 2019 vom Bund zur Verfügung gestellten fünf Millionen Euro aber vollständig ausgeschöpft gewesen. Derzeit sei das Förderprogramm Abbiege-Assistenzsysteme geschlossen. Es gibt derzeit noch keine Pflicht, für den Einbau eines Abbiege-Assistenten. Die Europäische Union arbeitet aber an einer Regelung.

Das Bundesverkehrsministerium hatte seine Förderaktion gestartet, weil die EU bisher erst ab 2024 einen verpflichtenden Einbau von Abbiege-Assistenten vorsehe, der zudem nur für Neufahrzeuge gelten soll.

Das sei viel zu spät, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. Deshalb sei die Aktion Abbiege-Assistent ins Leben gerufen worden. 

Rubriklistenbild: © Arno Burgi/dpa

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