Einsturz droht

Hausabriss nach Brand in Hann. Münden: „Da blutet einem schon das Herz“

Abriss eines Fachwerkhauses in Hann.Münden.
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Musste abgerissen werden: Der obere Teil der Fassade des Hauses Rosenstraße 9 war nach dem Großbrand nicht mehr zu retten. Baufachberater des THW Northeim begleiteten die Arbeiten.

Nach dem Großbrand in der Altstadt von Hann. Münden musste am Montag (09.11.2020) ein weiteres Fachwerkhaus in Teilen abgerissen werden.

Hann. Münden – Beim Haus Rosenstraße 9 bestand laut Bürgermeister Harald Wegener Gefahr im Verzug. Die Fassade sei nicht mehr standsicher gewesen. Das Löschwasser habe die Struktur zusätzlich geschwächt, sodass es jederzeit habe einstürzen können, hieß es. Aus dem Bereich der Zwischendecke war am Mittag zudem erneut eine Rauchentwicklung zu erkennen.

Laut Informationen der Polizei gebe es keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung. Es müsse aber noch das Gutachten des Brandermittlers abgewartet werden. Außerdem ist eine Sonderkommission zur Ermittlung der Brandursache von Freitag (06.11.2020) eingerichtet worden.

Nach Brand in Hann.Münden (Niedersachsen): Glutnester in weiten Teilen des Gebäudes

„Das Haus muss teilabgebrochen werden, weil wir dort Glutnester haben, an die wir sonst nicht herankommen“, sagte Stadtbrandmeister Dieter Röthig am Vormittag. Ein Statiker untersuchte die Gebäude für den Teilabbruch. Ebenfalls im Einsatz waren Baufachberater des Technischen Hilfswerks (THW) aus Northeim. Diese werden herangezogen, wenn Gebäude zum Beispiel durch Explosionen, Wasserrohrbrüche oder Brände nicht mehr sicher stehen und damit eine Gefahr darstellen können. Die Baufachberater waren vor Ort, um Erschütterungen und Bewegungen der Häuser zu messen, damit die schützenswerten Nebengebäude während des Abrissvorgangs am Haus Rosenstraße 9 nicht einstürzen, erklärte Bürgermeister Harald Wegener.

Am Nachmittag waren der Teilabbruch des Hauses Rosenstraße 9 und die letzten Löscharbeiten beendet. „Die Rückbauarbeiten sind abgeschlossen und alle Glutnester gelöscht“, teilte Röthig mit. „Da blutet einem schon das Herz, dass wir das Haus zurückbauen mussten, aber es ging nicht anders.“ Nach dem Einsatz der 15 Einsatzkräfte der Feuerwehr Hann. Münden sowie sechs des THW Northeim und zwei des THW Hann. Münden rücke nun noch der Bauhof für weitere Aufräumarbeiten an.

Brand in Niedersachsen: Rund 20 Menschen mussten ihre Häuser in Hann.Münden verlassen

Am Freitagabend mussten nach Angaben der Polizei etwa 20 Personen ihre Häuser verlassen. Die meisten seien von Bekannten und Verwandten aufgenommen worden. Fünf Personen wurden laut Informationen der Stadt vorübergehend im Hotel Schlossschänke untergebracht. Inzwischen seien zwei von ihnen durch kirchliche Unterstützung versorgt, die übrigen drei Personen seien ebenfalls im Verwandten- und Bekanntenkreis untergekommen.

Teilabriss in der Altstadt: Kein Durchkommen nach Brand in Hann.Münden (Niedersachsen)

Es riecht nach verkohltem Holz, aus dem Ständerwerk des Fachwerkhauses Rosenstraße 9 dringt gräulicher Qualm – und das drei Tage nachdem das Nachbarhaus ein Raub der Flammen geworden ist. Baufachberater des Technischen Hilfswerks (THW) Northeim kontrollieren die Nachbargebäude, während Feuerwehrkräfte Aktenordner aus einem Regal in den Korb der Drehleiter heben und diese in Sicherheit bringen.

Wo am Vortag die Straße wieder von Fußgängern begangen wurde, ist am Montag erneut kein Durchkommen mehr. Der Bagger einer Baufirma steht bereit, während einige der ehemaligen Bewohner ungläubig und noch immer geschockt beobachten, was nun mit dem Haus passiert. Betreten dürfen sie ihr einstiges Heim nicht mehr – zu gefährlich. Viele von ihnen haben durch das Feuer fast ihr ganzes Hab und Gut verloren.

Niedersachsen: Konzentrierte Abrissarbeiten nach Brand in Hann.Münden

Von der Drehleiter aus fotografiert ein Mann in einer orangefarbenen Jacke mit der Aufschrift „Kriminaltechnik“ das, was von den Räumen im Obergeschoss noch übrig geblieben ist. Helfer des THW untersuchen die Verbindung zum direkt anschließenden Fachwerkhaus Rosenstraße 11. „Da ist nur ein wenig Lehm zwischen“, ruft einer von ihnen. „Kein Problem“. Der Bauzaun an der Rosenstraße wird zur Seite geschoben, der Bagger rollt an. „Lassen sie bitte so viel wie möglich stehen“, ruft eine der betroffenen Anwohnerinnen noch.

Langsam, ganz vorsichtig nähert sich der Greifer des Baggers der Hauswand. Es kracht. Stück für Stück landen Bretter, Dachziegel, Heizkörper in einem Container. Auf der Drehleiter stehen unterdessen zwei Feuerwehrleute bereit, konzentriert blicken sie auf die Abrissarbeiten, um eingreifen zu können, sollte das Feuer wieder aufflammen.

Brand in Hann.Münden: Zahlreiche Helfer aus Niedersachsen stundenlang im Einsatz

Wie mit einer Pinzette greift der Baggerfahrer eine rechteckige Holzplatte. Ganz sachte legt er sie mit dem Greifer auf das Pflaster der Straße. Ein Helfer des THW hebt einen Gegenstand vom Boden auf. An der Absperrung wartet eine der ehemaligen Bewohnerinnen. Der Helfer reicht ihr den Tablet-Computer, von dem noch immer Löschwasser tropft. Sie bedankt sich herzlich. Vielleicht ein kleiner Lichtblick in der Katastrophe. Auch an diesem vierten Tag sind die Helfer von Feuerwehr, THW, Polizei, Rettungs- und Ordnungsdiensten wieder mehrere Stunden im Einsatz gewesen.

Ein großes Dankeschön richtet Hann. Mündens Stadtbrandmeister Dieter Röthig daher auch an den Fachzug Betreuung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der die Einsatzkräfte während des langen Einsatzes sehr gut versorgt habe.

Hilfe für Betroffene nach Brand In Niedersachsen - Verein sammelt Spenden

Bereits kurz nach dem verheerenden Brand am Wochenende formierte sich in der Dreiflüssestadt Hilfe für die Betroffenen.

Der Verein Rock for Tolerance hat laut dem Vorsitzenden Robert Maaßen Erfahrung in solchen Aktionen. „Es ist bereits der dritte Brand in Hann. Münden, nach dem wir Hilfe für die Betroffenen organisieren.“ Der Verein bietet sich als Koordinator der vielen individuellen Hilfsanfragen an, so Maaßen. Diese kommen oft über das soziale Netzwerk Facebook. Geldspenden können auf ein Konto überwiesen werden, dieses werde dann zweckgebunden verwendet. Sachspenden werden über eine Gruppe im Nachrichtendienst Whatsapp gesammelt. Vereinsmitglieder hätten sich bereit erklärt, diese Sachspenden dann zu koordinieren und zu verteilen. „Wir sind gerade dabei, den Bedarf zu ermitteln“, so Maaßen. Dazu stehe man mit den Betroffenen im Kontakt.

. Geldspenden: Kontoinhaber: Rock for Tolerance e.V. Bank: Sparkasse Göttingen, IBAN: DE12 2605 0001 0165 1179 20, Verwendungszweck: BRANDHILFE1120, Name + Postadresse.

. Whatsapp-Gruppe für Sachspenden: zu.hna.de/hilfe0911

(Sarah Schnieder , Thomas Schlenz und Jens Döll)

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