Mehrere Vergehen

19-Jährige randaliert in Hann. Münden: Gericht appelliert an Alkoholtäterin

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Bewährungsstrafe: Eine 19-Jährige stand wegen mehrer Vergehen vor Gericht.

Das Jugendschöffengericht Hann. Münden hat eine 19-Jährige wegen mehrerer Vergehen verurteilt und an die Einsicht der jungen Frau appelliert.

Wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Randalierereien in der Mündener Innenstadt und Beleidigung einer Kassiererin und von Polizisten, in einem Fall in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, ist die Frau nach dem Jugendstrafrecht zu einem Jahr Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt worden.

Die Bewährungszeit legte das Gericht auf drei Jahre fest. Zudem wird ihr ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt, sie muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und an acht Terminen bei der Suchtberatung des Diakonischen Werks teilnehmen. Hintergrund ist, dass sie bei mehreren der ihr vorgeworfenen Taten offenbar betrunken war, bei einem Ladendiebstahl ging es darum, sich Alkohol zu beschaffen. Zugleich appellierte die Vorsitzende Richterin an die Angeklagte, eine Therapie zu beginnen. Das Gericht verzichtete aber darauf, dies als Bewährungsauflage zu benennen, weil eine Grundvoraussetzung für den Erfolg die Freiwilligkeit sei. Die Richterin wies darauf hin, dass es weniger darum gegangen sei, die Angeklagte zu bestrafen, als darum, ihr zu helfen. Sie habe es nun selbst in der Hand, ob die Strafe vollstreckt werde. „Sie müssen beweisen, dass Sie nicht ins Gefängnis gehören“, sagte sie.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Es war nicht nur die Vorsitzende Richterin des Jugendschöffengerichts, die der Angeklagten ins Gewissen redete und sie eindringlich aufforderte, ihr Leben mit Straftaten und Alkohol zu ändern. Zuvor hatten dies auch der Staatsanwalt und ein als Gutachter hinzugezogener Arzt getan, der über die Schuldfähigkeit der 19-Jährigen befinden sollte.

19-Jährige hat dreijährigen Sohn

Hintergrund aller Appelle und letztlich wohl auch der Bewährungsstrafe ist auch die Tatsache, dass die 19-Jährige Mutter eines dreijährigen Kindes ist, das bei den Eltern der Angeklagten aufwächst. „Sie sollten Ihr Leben ändern, auch mit Blick auf Ihr Kind“, sagte der Staatsanwalt. Und: „Sie müssen eine Therapie machen“. Er hatte für die Angeklagte das Strafmaß beantragt, das das Gericht letztlich auch verhängt hat. Der Angeklagten soll eine Chance gegeben werden, sich zu bewähren, so der Staatsanwalt.

Ob sie diese wirklich ergreifen werde, hatte das Gericht allerdings auch seine Zweifel. Sie habe in dem Verfahren wenig Anteilnahme und „null Einsicht“ gezeigt.

Zudem habe es so gut wie keine Entschuldigungen gegenüber den Geschädigten gegeben. Die 19-Jährige hatte auch auf ein Schlusswort verzichtet, das Angeklagte oft nutzen, um Einsicht und Reue zu zeigen und sich zu entschuldigen.

Angeklagte schlug Scheiben ein

Vor Gericht stand die 19-Jährige wegen neun Straftaten, begangen zwischen März 2017 und Mai 2018. Dabei kam es auch zu Randalierereien in der Mündener Innenstadt. Laut Anklage hat sie mit einem Mittäter, gegen den ein gesondertes Verfahren läuft, im Oktober 2017 am Mündener Rathaus mehrere Scheiben eingeschlagen und vor einem Geschäft in der Langen Straße nach einem Streit mit einer Bekannten nachts Blumen aus Töpfen herausgerissen und eine Vase zerschlagen. Verurteilt wurde sie auch wegen zwei kleinerer Ladendiebstähle und Beleidigung einer Kassiererin und mehrerer Polizisten, in einem Fall in Tateinheit mit Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Das war im März 2017, als sie, alkoholisiert, eines Abends torkelnd an der Wilhelmhäuser Straße in Münden mit einem Bekannten unterwegs war.

Jemand, der die Szenerie beobachtet hatte, hatte die Polizei gerufen. Als die Beamten versuchten, sie zu ihrer eigenen Sicherheit von der stark befahrenen Straße zu holen, hatte sie die Beamten beleidigt, bespuckt und sich so stark gewehrt, dass die Polizisten Verstärkung rufen mussten.

Die 19-Jährige war als Heranwachsende angeklagt, aus diesem Grund war in dem Verfahren das Jugendgerichtsgesetz anzuwenden. Bei einer der ihr vorgeworfenen Taten war sie noch 17, bei anderen gerade erst 18 Jahre alt.

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