Neue Hilfe im neuen Jahr

Ahrtal in der Weihnachtszeit - Mann aus Hann. Münden berichtet aus Flutgebiet

Kreuzberg im Ahrtal: In dem kleinen Ort wurden 85 Prozent der Häuser beschädigt. Manche müssen nun abgerissen werden.
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Kreuzberg im Ahrtal: In dem kleinen Ort wurden 85 Prozent der Häuser beschädigt. Manche müssen nun abgerissen werden.

Tobias Roselieb aus Wiershausen (Hann. Münden) hilft im Ahrtal. Das Dorf Kreuzberg ist von der Flut verwüstet. Es ist das zweite Gespräch mit unserer Zeitung.

Wiershausen/Kreuzberg – Die Flut, die im Sommer durch das Ahrtal in Rheinland-Pfalz rollte, hielt das Land in Atem. Auch Monate nach der Katastrophe hält die Hilfsbereitschaft in der Region an. Einer, der hilft, ist Tobias Roselieb aus Wiershausen.

Hann. Münden: Tobias Roselieb hilft im Ahrtal

Zusammen mit seiner Frau Marion und seiner Familie leistet er Hilfe in Kreuzberg. Der Ort ist ein Ortsteil der Gemeinde Altenahr und hat etwa 650 Einwohner. Die Fluten standen dort vier bis fünf Meter hoch. Wir haben bereits im Oktober mit Roselieb über sein Engagement gesprochen, nun berichtet er, was sich verbessert hat und wo es noch viele Probleme gibt.

Insgesamt zehn Mal waren sie nun in dem Gebiet, etwa 16 Tonnen Baumaterial haben sie geliefert. Dazu, so Roselieb, kommen noch eine Menge Sachspenden, deren Wert er nicht genau beziffern kann. Eine kuriose Spende war eine halbe Tonne Kartoffeln. „Ein Landwirt hat mit seinem Traktor neben meinem Firmenwagen gehalten und gefragt, ob ich Kartoffeln für das Ahrtal gebrauchen könnte“, berichtet er. Er habe zuerst einmal abklären müssen, ob in Kreuzberg dafür eine Ablade- und Lagerfläche gefunden werden kann.

„Wie in einem Kriegsgebiet“ beschreibt die Familie Roselieb die Situation in Kreuzberg im Ahrtal.

Lage vor Ort hat sich etwas gebessert

Vieles in Kreuzberg habe sich in den letzten Monaten verbessert. So seien viele der Schutthaufen abgetragen, viele der beschädigten Häuser entkernt. Der Ort hat 196 Häuser, 162 sind von Flutschäden betroffen. „Es wirkt manchmal wie in einer Art Neubaugebiet“, sagt Roselieb und beschreibt damit die unwirklichen Eindrücke vor Ort. „Mir fällt auch immer wieder auf, dass hier und da ein Haus fehlt.“ Einige der Gebäude wurden dermaßen verwüstet, dass den Bewohnern nur der Abriss bleibt.

Helfer: Marion und Tobias Roselieb bei einem ihrer Einsätze in Kreuzberg.

Zudem fahre die Bahn wieder, was die Menschen ungemein entlaste. Gleichzeitig bemerke er aber, dass es weniger freiwillige Helfer gebe. Waren es zwischenzeitlich 300 bis 400, seien aktuell etwa 20 Helferinnen und Helfer in Kreuzberg. Man brache nun Spezialisten, zum Beispiel Elektriker. Die Instandsetzung der Elektrik stehe in vielen der Häuser bald an.

Die Bereitschaft zu Spenden allerdings, so Roselieb, sei weiter ungemein hoch. Mit dem BHG Baumarkt in Hann. Münden hat er eine Kooperation, Geldspenden werden dort zu Materialspenden umgewandelt. „Viele haben elektrische Heizungen gespendet, entweder gebrauchte oder auch neue“, berichtet der Garten- und Landschaftsbauer.

Weihnachten im Flutgebiet: Normalität für die Kinder möflich machen

In Kreuzberg wird versucht, eine Art Normalität zurückzugewinnen. So habe es in der Weihnachtszeit viele Angebote für Kinder gegeben. Kleine Weihnachtsmärkte, Geschenktüten und Spiele. Viele Vereine, Firmen und auch kirchliche Träger beteiligten sich daran. Auch Weihnachtsbäume wurden gespendet und aus einem Bus auf dem Dorfplatz in Kreuzberg wurden Geschenke heraus verteilt. Roselieb ist im Flutgebiet gut vernetzt und bekommt vieles in Whats-App-Gruppen mit. Kritisch sieht Roselieb die Hilfszahlungen des Staats. Viel sei bei den Menschen nicht angekommen, die ersten Zahlungen seien bereits aufgebraucht. Er selbst will helfen, solange er kann. „Im neuen Jahr werde ich wieder nach Kreuzberg fahren“, sagt er in einem Telefonat mit unserer Zeitung. Spenden und Helfer seien immer willkommen. Er werde wieder versuchen, alle zwei Wochen an den Wochenenden in das Ahrtal zu fahren. „Ich möchte allen Helfern und Spendern danken“, sagt Roselieb. (Jens Döll)

Tobias Roselieb aus Wiershausen hat eine Kooperation mit dem BHG Baumarkt in Hann. Münden. Mit dem Verwendungszweck „Spende Ahrtal“ kann man dort Baumaterial erwerben, das Roselieb dann ins Ahrtal bringt. Zudem kann auch Bargeld im Markt dafür gespendet werden und auf ein Konto der Sparkasse Göttingen (DE45 2605 0001 0000 0893 -83; Verwendungszweck: Spende Ahrtal KDNr. 133621). Zudem können sich Handwerker und Freiwillige, die in Kreuzberg arbeiten wollen, bei ihm melden unter Tel. 01 70/ 8 37 33 30 oder 0 55 41 / 57 34. Infos: t-roselieb.de

Knut Katzwinkel aus Hann. Münden hat ebenfalls im Ahrtal geholfen. Auch er hat uns von den Eindrücken vor Ort berichtet.

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