Als Winzer neu durchstarten Ralf Klemke hat über 230 Weinstöcke in Bonaforth gepflanzt

Ralf Klemke aus Hann. Münden hat über 230 Weinstöcke im Kreis Göttingen gepflanzt

Mehr als zwei Meter hoch rankt sich der Wein bereits: Ralf Klemke in seinem Bonaforther Weingarten.
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Mehr als zwei Meter hoch rankt sich der Wein bereits: Ralf Klemke in seinem Bonaforther Weingarten.

Als Weinbauer will sich der Hemelner VW-Arbeiter Ralf Klemke in zwei Jahren selbstständig machen. Jetzt will er den Innovationspreis des Landkreises Göttingen holen.

Bonaforth –Mehr als 230 Weinstöcke hat er im vergangenen Jahr bereits auf seinem 600 Quadratmeter großen Grundstück nahe des Bonaforther Friedhofs gepflanzt. Zwei Meter hoch rankt sich der Wein an den Drahtgestellen empor, die Klemke im Frühjahr aufgebaut hat. Im Winter wird er die Pflanzen wieder zurückschneiden, damit der noch dünne Stamm dicker wird. Von Jahr zu Jahr lässt der Winzer mehr Triebe stehen. Die ersten, kleinen Trauben kann er derzeit bereits ernten. Sehr süß sind sie trotz des verregneten Sommers. „Die Weinbaugrenze hat sich in den vergangenen Jahren aufgrund des Klimawandels bis zur Nordsee vorgeschoben“, berichtet der angehende Landwirt.

Klemke hat bereits vor Jahren das erste Mal Wein gepflanzt. 2018 beschloss er, das im Vorruhestand größer aufzuziehen. In seinem Wohnort Hemeln fand der gebürtige Nordhesse jedoch kein Grundstück. So entschied er sich für Grabeland in Bonaforth, auf dem früher Gemüse wuchs. Die Weinstöcke kaufte er bei einer Rebschule. Die robusten Unterlagen, die der Reblaus und Pilzbefall trotzen, kommen aus Amerika. Darauf sind seltenere europäische Sorten gepfropft, Solaris für den Weißwein, Cabernet Jura und Cabertin für Rotwein. Derzeit errichtet Klemke in Bonaforth einen Geräteschuppen.

In seiner Freizeit liest der VW-Arbeiter, der im Drei-Schicht-Betrieb tätig ist, viel über das Winzern, fachsimpelt in Facebookgruppen und schaut sich bei Youtube Erklärvideos an. Die Trauben wird Klemke nach der Ernte in Kisten mit dem Anhänger nach Hemeln transportieren.

Für die Verarbeitung hat er seine Garage umgebaut. Dort steht bereits die Maschine, mit der er die Trauben von den Stielen trennt. Die Trauben für den Weißwein will er sofort pressen, den Saft mit Hefe versetzen und zum Gären in Edelstahlfässer geben.

Die entstielten roten Trauben vergärt er dagegen zusammen mit den Schalen, damit der Rotwein seine charakteristische Farbe bekommt. Erst nach der Gärung wird der Wein abgepumpt. Zurück bleibt der Bodensatz. Beide Weinsorten müssen einige Monate in Fässern ruhen. Danach füllt sie Klemke in Flaschen ab. Auf 20 000 Euro belaufen sich seine Investitionskosten. „2023 werde ich verschiedene Verfahren der Weinherstellung erproben“, kündigt er an. Mit dem Jahrgang 2024 will er dann in die Vermarktung seiner 200 bis 250 Liter Rebensaft gehen. Das Kaufmännische ist dem Arbeiter nicht fremd. Mehrere Jahre lang kümmerte sich er sich als Bassist der Kasseler Band Rockhead um das Geschäftliche. Erste Wein-Vorbestellungen von Arbeitskollegen, aber auch aus Bonaforth liegen Klemke bereits vor. Er will den Wein von zuhause aus verkaufen, überlegt, ob er einen Webshop einrichten soll. Auch Gastronomen würde er gerne als Vertriebspartner gewinnen. (Michael Caspar)

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