Material fehlt

Altkreis Münden: Kein Holz auf der Baustelle - Kurzarbeit droht

Das Foto zeigt die drei Handwerker von links Marcus Brauner (Reinhardshagen), Siegfried Grünewald (Hemeln), Sebastian Meyer (Bühren), und Michael Franke (Hemeln), auf einem Dach zwischen den Balken.
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Handwerker aus der Region beklagen Rohstoffmangel. Unser Foto zeigt von links Marcus Brauner (Reinhardshagen), Siegfried Grünewald (Hemeln), Sebastian Meyer (Bühren), und Michael Franke (Hemeln).

In Deutschland fehlt Bauholz. Die Materialknappheit macht sich auch im Altkreis Münden und in Reinhardshagen (Landkreis Kassel) bemerkbar. Es droht sogar Kurzarbeit.

Altkreis Münden – Rohstoffknappheit am Bau: In der Region kommt es seit Februar auf vielen Baustellen zu Verzögerungen bis hin zu Stillständen, weil benötigte Materialien nicht lieferbar sind, vor allem Holz.

Altkreis Münden: Es fehlt an Bauholz

Als „katastrophal“ bezeichnen die Zimmereien der Region die Versorgungslage, etwa mit so genannten Konstruktionsvollholz (KVH), aus dem beispielsweise Dachstühle, aber auch Hauskonstruktionen gebaut werden. Aber auch OSB-Platten, Brettschichtholz, Dachlatten und Holzdämmplatten sind Mangelware.

Ausverkauft, derzeit nicht lieferbar, Lieferung im zweiten Halbjahr 2021 heißt es immer öfter, wenn Handwerksbetriebe dringend benötigtes Material anfragen. Zudem haben sich in den vergangenen Monaten die Preise wichtiger Holzprodukte verdoppelt, zum Teil sogar verdreifacht.

Es droht Kurzarbeit in den Betrieben

Das mache es derzeit auch für die Handwerker schwer, Angebote zu kalkulieren – zum einen, weil der Preis nicht abzusehen ist und zum anderen weil nicht klar ist, ob die Ware überhaupt da ist, sagt Marcus Brauner, Zimmer- und Dachdeckermeister aus Reinhardshagen.

Sollte sich bis Sommer nichts an der Situation ändern, droht Kurzarbeit – und zwar nicht mangels Aufträgen sondern mangels Material, so die einhellige Meinung der Handwerker Marcus Brauner, Sebastian Meyer (Bühren), Siegfried Grünewald (Hemeln) und Michael Franke (Hemeln).

Einen Schuldigen für die Situation auszumachen sei schwierig. Da ist zum einen der boomende Export von Schnittholz nach Asien und Nordamerika, zum anderen der Bauboom in Deutschland. Vielleicht habe man sich auch zu sehr auf Lieferketten verlassen. Weil Fertighaushersteller sich große Mengen Schnittholz gesichert hätten, sei der Markt zusätzlich verknappt worden.

Holz wird zur knappen Ware. Das merken vor allem die Bauherren eines Hauses.

An Nachschub aus dem Wald mangelt es aber offenbar nicht. Die Preise für Schnittholz hätten sich zwar verdoppelt, beim Waldbesitzer komme aber kaum etwas an, wie es aus dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium hieß. Aktuell sei die Holzversorgung der Rundholzverarbeitenden Industrie in Niedersachsen sehr gut, sodass diese unter Volllast produzieren könne. Waldbesitzer stellten große Mengen Rundholz bereit. Die Holzbauquote im Bereich des Nichtwohnbaus erreichte in Niedersachsen 2020 mit fast 20 Prozent einen neuen Höchststand. » 

Die Lagerhallen sind Leer

„In der Lagerhalle meines Holzhändlers kann man derzeit Fußfall spielen, so leer ist die“, sagt Sebastian Meyer vom Holzbauunternehmen Meyer & Surup aus Bühren zum derzeitigen Rohstoffmangel.

Die Verwaltung des Mangels bedeutet trotz und gerade in Zeiten voller Auftragsbücher für die Firmen-Chefs einen Mehraufwand: „Teilweise müssen wir Material bei drei, vier Händlern zusammenklauben, damit es für eine Baustelle reicht“, erklärt Michael Franke aus Hemeln.

Auch die Einteilung der Mitarbeiter sei schwieriger. Derzeit arbeite man bevorzugt Sanierungen von Eichenfachwerk ab, da man ausreichend von diesem hochwertigen Material vorgelagert habe, ergänzt Meyer.

Geld kommt nicht bei den Waldbauern an

Von „Abzocke“ und „Spekulationsblase“ spricht der Chef des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Georg Schirmbeck. Er rief vergangene Woche sogar zum Sägenstreik auf. Immer noch bekämen die finanziell ohnehin durch Dürre und Borkenkäfer geschädigten Waldbauern im Schnitt zwischen 70 bis 75 Euro pro Festmeter Fichtenholz. Dahingegen würde das Schnittholz später für ein Vielfaches auf dem Weltmarkt weiterverkauft. Holz für heimische Handwerker gäbe es genug.

Für die Lagerung von Massenware wie Konstruktionsvollholz (KVH), das für jeden Bau exakt abgebunden (also abgemessen und zugesägt) werden müsse, fehle den Handwerksbetrieben in der Regel die Lager- und Finanzierungsmöglichkeiten. In normalen Zeiten werde KVH in so genannten Abbundzentren pünktlich für die Baustellen geordert.
Eine unglückliche Situation nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die Bauherren. „Die meisten haben dafür Verständnis, wir können ja nichts für diesen Mangel“, sagt Siegfried Grünewald aus Hemeln.

Waldbesitzer spielen eine Schlüsselrolle

Ärgerlich sei es schon, wenn ein Bau still stehe und auch andere, sich anschließende Gewerke nicht weitermachen könnten, weil es an Holz fehle. Der Mangel betreffe im Übrigen auch andere Handwerke, so fehle es an Material bei Stahlbauern und Maurern. Etliche Bauherren hätten ihre Vorhaben bereits verschoben. Die Waldbesitzer spielen beim Holzmangel eine Schlüsselrolle – und schauen in die Röhre.
Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Georg Schirmbeck, rief sogar zu einem „Säge-Streik“ auf und forderte faire Preise. (Christian Mühlhausen/DPA)

In Hann. Münden haben die Grünen vorgeschlagen, dass neue städtische Gebäude nur aus Holz gebaut werden

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