Mit Falschgeld auf Tour

Amtsgericht Hann. Münden: Haft auf Bewährung für 26-Jährigen

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Symbolbild

Das Amtsgericht Hann. Münden hat einen 26-Jährigen, der sich Falschgeld besorgt und verbreitet hat, zu einer Haftstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die Bewährungszeit setzte das Schöffengericht auf drei Jahre fest. In dieser Zeit darf er sich nichts zu Schulden kommen lassen, sonst wird die Haftstrafe vollstreckt. Zudem muss der Mann binnen sechs Monaten 6000 Euro an die Jugendhilfe Münden in monatlichen Raten von 1000 Euro zahlen. Das Gericht ging von einem minderschweren Fall aus. In seinem Urteil folgte es dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die den Fall genauso bewertete.

Der Angeklagte, ein gelernter Metallbauer, der derzeit als Anlagenführer arbeitet, hatte in dem Verfahren gestanden, sich im Sommer 2017 über das Darknet, einem abgeschotteten, verborgenen Teil des Internets, dessen Webseiten nicht von üblichen Suchmaschinen gefunden werden, zwei Mal Falschgeld „bestellt“ zu haben.

Beim ersten Mal zehn 50-Euro-Scheine, und als diese nach einer Woche nicht geliefert worden seien, bei einer weiteren Adresse 19 falsche 50-Euro-Scheine. Beide Sendungen seien schließlich per Post angekommen, das Geld habe in Geschenkkarten gelegen. Bezahlt habe er für jede Tranche etwa 50 Euro in Bitcoins, einer digitalen Internetwährung. Die zweite Sendung sei allerdings von so schlechter Qualität gewesen, dass er sich nicht getraut habe, sie auszugeben, so der 26-Jährige. Die Scheine der ersten Bestellung habe er bei Veranstaltungen wie dem Viehmarkt in Grebenstein und der Weserbeleuchtung in Reinhardshagen eingesetzt. Dabei ging es darum, möglichst viel echtes Wechselgeld zu bekommen.

Damals sei er spielsüchtig gewesen und habe Schulden gehabt. Im Internet habe er nach Möglichkeiten gesucht, schnell an Geld zu gelangen, und sei dabei auch auf ein Video gestoßen, dass erklärt habe, wie man sich Falschgeld beschaffen kann. Mit dem Darknet habe er vorher keine Erfahrung gehabt, sagte er.

Wegen seiner Sucht habe er sich schließlich in Therapie begeben. Seit Oktober 2018 habe er nicht mehr gespielt. Und um einen Teil des Schadens wieder gutzumachen habe er dem Feuerwehrverein, der die Weserbeleuchtung veranstaltet hat, anonym 400 Euro zugeschickt. Dies, seine Reue, sein Geständnis und dass er aus einer finanziellen Notlage heraus gehandelt habe, wertete das Gericht zugunsten des Angeklagten.

Fälschern auf die Spur gekommen

Ins Visier der Göttinger Fahnder geriet der 26-Jährige durch Hinweise der österreichischen Polizei. Die war auf die Spur des Mannes gekommen, über den der Angeklagte die ersten falschen Scheine bekommen hat. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden die österreichischen Ermittler handschriftliche Notizen mit Daten zu zahlreichen Falschgeldkunden, darunter die des 26-Jährigen. Das geht aus den Aussagen von Polizisten hervor, die vor Gericht als Zeugen auftraten.

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