Amtsgericht Münden: Blutprobe zu spät genommen?

Hann. Münden. An seinem ersten Verhandlungstag am Amtsgericht Hann. Münden hat Richter Dr. Martin Rammert gleich ein Zeichen gesetzt.

Weil die Angeklagte ihm nicht die Telefonnummer eines potenziellen Zeugen verraten wollte, rief er während der Verhandlung kurzerhand die Auskunft an.

„Sie haben doch etwas zu verbergen“, rief Rammert, der nach dem Ausscheiden von Dr. Wilfried Kraft vorerst die Verhandlungen in Münden führt. Der Angeklagten, einer 50-jährigen Frau aus Hann. Münden, wird vorgeworfen, Ende Dezember in Münden betrunken mit dem Auto gegen eine Steinmauer und ein Verkehrsschild gefahren zu sein und dann Unfallflucht begangen zu haben. Der Schaden liegt bei rund 1700 Euro.

Kurz vorher hatte sie nach eigenen Angaben Streit mit ihrem Freund. Dieser Freund hätte laut Richter Rammert Auskunft darüber geben können, ob die Angeklagte bereits zum Zeitpunkt des Unfalls betrunken gewesen war - das besagt zumindest eine sogenannte Begleitalkoholanalyse. Oder ob sich die Münderin erst nach dem Unfall betrunken hat, wie sie vor Gericht angab.

Dass sie den Unfall verursacht habe, gab die Frau zu. Mit dem Vorwurf, seine Mandantin habe mit der vom Gutachten festgestellte Blutalkoholmenge von 1,3 Promille am Steuer gesessen, hatte der Verteidiger jedoch „erhebliche Probleme“. Er kritisierte unter anderem, dass die Blutprobe für die Begleitalkoholanalyse zu spät genommen worden sei.

Deshalb beantragte er, das Gutachten überprüfen zu lassen: „Ich möchte wissen, ob eine Blutprobe, die zweieinhalb Stunden nach dem Unfall genommen worden ist, überhaupt noch wissenschaftlich haltbar ist.“

Zu diesem Zeitpunkt deutete sich bereits an, dass der Fall an einem weiteren Verhandlungstag fortgeführt werden wird. Als dann der Richter nach der Telefonnummer des Freundes fragte, um in der Alkohol-Frage weiterzukommen, weigerte sich die Angeklagte, die Nummer preiszugeben.

Zeugen werden geladen 

Kurzerhand rief Rammert, der verhindern wollte, dass sich die Angeklagte mit dem Freund absprechen könnte, die Auskunft an und erhielt zur Freude der Staatsanwaltschaft die Handynummer. Telefonisch erreicht hat er den Mann allerdings nicht.

Deshalb will der Richter ihn nun für den nächsten Verhandlungstag persönlich als Zeugen vorladen lassen. Zudem wird auch ein Sachverständiger vorgeladen, der etwas über die Aussagekraft der Begleitalkoholanalyse sagen kann. Wann der Fall weiterverhandelt wird, steht noch nicht fest. (ses)

Rubriklistenbild: © dpa

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