"Heil Hitler" und "Sieg, Heil"

Angeklagter grölte rechte Parolen: Verhandlung wegen Volksverhetzung

Hann. Münden. Mehrmals zeigte sich Richter Wilfried Kraft ob der Verfahrensweise der Polizei sichtlich verwundert. Wegen der Anklage der Volksverhetzung stand ein 39-Jähriger vor dem Amtsgericht Hann. Münden.

Die Verhandlung musste jedoch unterbrochen, das Urteil vertagt werden. Nach der vermeintlichen Tat wurde die Blutprobe des Angeklagten nur auf Betäubungsmittel getestet, aber nicht der Alkoholpegel festgestellt. Allen Zeugenaussagen zufolge stand der Mann jedoch deutlich unter Alkoholeinfluss und er selbst gab zu, „eine halbe Kiste Weizenbier“ getrunken zu haben.

Der Hann. Mündener war am Mittwoch von Beginn an geständig und kooperativ: So gab er zu, am 7. November 2014 Beleidigungen und rechte Parolen in seiner Wohnung gegrölt zu haben, die nur durch eine verschlossene Durchgangstür von der Nachbarwohnung getrennt ist. In dieser beherbergt eine 52-jährige Sozialpädagogin und -arbeiterin drei junge Flüchtlinge aus Eritrea, ein 19-jähriger Flüchtling aus Tansania war an diesem Abend ebenfalls zu Gast.

Nach Zeugenaussagen habe der 39-Jährige unter anderem „Negerschweine“ und „Dreckskanaken“ gebrüllt. Außerdem seien die Aussagen „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“ gefallen und der Angeklagte habe sich lautstark Reden Hitlers angehört, die er nach eigenen Angaben von Youtube heruntergeladen hat.

Reue zeigte der Vater zweier Töchter allerdings nicht. Die Hände gefaltet, auf dem rechten Handrücken das Eiserne Kreuz tätowiert, die Haare kurz rasiert und mit ausdruckslosem Blick wirkte er wenig beeindruckt von den Anschuldigungen und verwies mehrmals darauf, dass er am Montag eine viermonatige Haftstrafe wegen eines anderen Vergehens in der JVA Rosdorf antreten werde.

Auf Nachfrage von Richter Wilfried Kraft, warum er diese Worte und Parolen gegrölt habe, schwieg der Angeklagte zunächst lange, um dann anzufügen, dass in der Nachbarwohnung immer so viel „Bambule“ sei und er sich darüber aufgeregt habe.

Die Nachbarin selbst gab an, geschockt und panisch gewesen zu sein, da sie nicht gewusst habe, wie viele Menschen sich in der anderen Wohnung befänden und ob diese die Tür eintreten würden.

Da der Alkoholpegel des Angeklagten Einfluss auf das Urteil haben könnte, ordnete Kraft die nachträgliche Untersuchung der Blutprobe vom Tatabend an.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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