Überschwemmung von Nutzflächen

Biber besiedeln Flüsse in der Region Hann. Münden

Aus der Schleuse in Bonaforth wurde auch ein Biber von der Feuerwehr Hann. Münden gerettet. Das Bild entstand vor drei Jahren. Archiv
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Aus der Schleuse in Bonaforth wurde auch ein Biber von der Feuerwehr Hann. Münden gerettet. Das Bild entstand vor drei Jahren.

Ein seltenes Tier beschäftigt die Bauern in der Region Hann. Münden. Die Rede ist von dem Biber. Dieser hat nun die Maispflanze als Nahrungsquelle für sich entdeckt.

Hann. Münden – Einen heimlichen Helfer bei der Maisernte haben Bauern bekommen. Der nachtaktive Biber, der sich in den vergangenen zehn Jahren von den Kiesteichen bei Kassel aus flussabwärts Richtung Hann. Münden verbreitet, hat die Nutzpflanzen entdeckt. Das berichtet Britta Waldmann, die Biberbeauftragte des Naturschutzbunds (Nabu) im Altkreis Münden.

„In den Maisfeldern an der Fulda sucht sich der Biber seit einigen Jahren den Sommer über leicht verdauliche Nahrung“, bestätigt der Hilwartshäuser Landwirt Claus Baumgärtel. Der stellvertretende Vorsitzende des Landvolks Göttingen kennt „drei, vier Stellen“ an Fulda und Weser, wo sich Europas größtes Nagetier regelmäßig aufhält. Von Kollegen wisse er, dass die Tiere auch bei Zuckerrüben nicht widerstehen könnten. Die angerichteten Schäden seien derzeit verschwindend gering im Vergleich zu dem, was Wildschweine oder Waschbären an Ausfällen verursachten.

Hat den Biber bereits oft an Fulda und Weser beobachtet: Landwirt Claus Baumgärtel aus Hiltwarshausen mit Sohn Tim.

Ernster werde es, wenn der Biber in den kommenden Jahren Nebenflüsse besiedele, gibt der Bauer zu bedenken. Der Nager werde die Bäche – anders als die großen Flüsse – anstauen, damit die Eingänge zu seinen Bauten immer unter Wasser lägen. Dann könne es passieren, dass die mit Drainagen trocken gelegten Äcker in Bachnähe wieder nass würden und sich nicht mehr bewirtschaften ließen. Dieses Risiko bestehe zum Beispiel bei einer 50 Hektar großen Fläche an der Schede zwischen Volkmarshausen und Weser.

Damit gingen wertvolle landwirtschaftliche Nutzflächen verloren. Andererseits, so argumentieren Umweltschützer, schafft der fleißige Dammbauer so artenreiche Teichlandschaften. Sie verringern die Gefahr von Hochwassern und lassen den Grundwasserspiegel steigen.

Derzeit ist die Zahl der bis zu 30 Kilogramm schweren Nager rund um Hann. Münden überschaubar. Keine einzige Bibersichtung haben die 550 Mitglieder der Jägerschaft Münden bisher in den jährlich auszufüllenden Bögen zur Wildtiererfassung gemeldet, berichtet der Geschäftsführer der Jägerschaft, Dirk Gössel.

Auf einem Maisfeld hat ein Biber Spuren hinterlassen.

„Das hat sicher auch damit zu tun, dass es an unseren Flüssen kaum jagdbare Tiere gibt und die Uferbereiche daher nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen“, vermutet der Vorsitzende, Dieter Buhse aus Lutterberg. „Ich habe noch nie einen Biber gesehen, obwohl ich zwei, drei Mal in der Woche angeln gehe“, sagt der scheidende Vorsitzende des Vereins der Fischfreunde zu den drei Strömen, Aik Boymann aus Hedemünden. Er habe allerdings zwischen Oberode und dem Campingplatz Spiegelburg an der Werra die Stümpfe von Bäumen entdeckt, die ein Biber gefällt habe.

Ein, zwei Mal im Jahr bekommt der Vorsitzende der der Fischereigenossenschaft Münden, Ronald Schminke, die Nager zu Gesicht. Er wird benachrichtigt, wenn mal wieder ein Biber in der Fulda-Schleuse bei Wahnhausen auf dem Trockenen sitzt. Er informiert dann das Wasserschifffahrtsamt. Es schickt umgehend jemand vorbei, der die Schleuse öffnet und das Tier so befreit. (Michael Caspar)

Lange vom Aussterben bedroht

In Deutschland wurde der Nager, wie in anderen Teilen Europas, bis Ende des 19. Jahrhunderts fast vollständig ausgerottet. Menschen töteten das Tier, weil es mit seinen Dämmen Flächen flutete, aber auch von Menschenhand angelegte Dämme unterhöhlte. Zudem wurde er wegen seines dichten Fells gejagt. Katholiken galt das im Wasser lebende Säugetier lange ab den Hinterläufen als Fisch. Der mit Schuppen bedeckte, platte Schwanz durfte daher in der Fastenzeit verspeist werden. Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es Schutzprogramme. Das Tier profitiert von der Renaturierung der Flusslandschaften. In Deutschland soll es inzwischen wieder mehr als 30 000 Biber geben. (zmc)

Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg siedeln sich immer mehr Biber an:

Biber-Population im Kreis Hersfeld-Rotenburg wächst

Jungbiber am Fressplatz der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft.
Jungbiber am Fressplatz der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft. © Klaus Hentschel/Nabu
Jungbiber schwimmt in der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft.
Jungbiber schwimmt in der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft. © Klaus Hentschel/Nabu
Altbiber beim Schwimmen in der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft.
Altbiber beim Schwimmen in der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft.  © Klaus Hentschel/Nabu
Biberdamm am Meckbach.
Biberdamm am Meckbach. © Natascha Terjung
Jungbiber beim Fressplatz an der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft.
Jungbiber beim Fressplatz an der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft. © Klaus Hentschel/Nabu
Biberburg an der Fulda im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft.
Biberburg an der Fulda im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft. © Natascha Terjung
Biber in der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft..
Biber in der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft.. © Klaus Hentschel/Nabu
Biberbug an der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft.
Biberbug an der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft. © Klaus Hentschel/Nabu
Das Bild zeigt einen Jungbiber im Wasser. Man sieht nur den Kopf
Diesen Jungbiber konnte Klaus Hentschel, Biberbetreuer beim Nabu-Kreisverband, an der Fulda im Hersfelder Stadtteil Hohe Luft fotografieren. Dort leben fünf bis acht Biber. © Klaus Hentschel/Nabu
Biberrutsche an der Fulda im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft.
Biberrutsche an der Fulda im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft. © Natascha Terjung
Biberteich am Meckbach.
Biberteich am Meckbach. © Friedhelm Eyert
Ein Querdamm eines Bibers in Meckbach.
Ein Querdamm eines Bibers in Meckbach. © Klaus Hentschel/Nabu
Klaus Hentschel, Biberbetreuuer beim Nabu, zeigt einen vom Biber abgenagten Ast.
Klaus Hentschel, Biberbetreuuer beim Nabu, zeigt einen vom Biber abgenagten Ast. © Natascha Terjung
Biberdamm am Meckbach.
Biberdamm am Meckbach. © Friedhelm Eyert
Ein vom Biber angenagter Baumstamm am Meckbach.
Ein vom Biber angenagter Baumstamm am Meckbach. © Friedhelm Eyert
Biberbach am Meckbach.
Biberbach am Meckbach. © Friedhelm Eyert
Der Biber baut Dämme und staut damit kleine Teiche an. Auf dem Foto ist ein Biberteich am Meckbach zu sehen.
Der Biber baut Dämme und staut damit kleine Teiche an. Auf dem Foto ist ein Biberteich am Meckbach zu sehen. © Friedhelm Eyert

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